Die Wählerinnen und Wähler in Thüringen und Sachsen haben der Politik eine schwierige Aufgabe aufgetischt - vielleicht sogar ein nahezu unlösbares Puzzle. Erstmals ist die AfD nach einer Landtagswahl stärkste Kraft. In Thüringen schaffte die Rechtsaußenpartei das mit großem Abstand vor der CDU. In Sachsen lieferte sie sich mit der Union am Wahlabend ein Fotofinish. Doch wird die AfD wohl mangels Partnern nirgends regieren. Anders der Senkrechtstarter des Jahres: Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) könnte dank zweistelliger Ergebnisse in beiden Ländern mitmischen - vorausgesetzt, es finden sich völlig neue Konstellationen zusammen.
Die thüringische BSW-Spitzenkandidatin Katja Wolf schien von den ersten Prognosen für ihre Partei von 14,5 bis 16 Prozent der Stimmen denn auch überwältigt. «Ich habe Gänsehaut, ich geb‘s zu», sagte die ehemalige Linken-Politikerin und Bürgermeisterin von Eisenach bei der BSW-Wahlparty mit Blick auf den Erfurter Dom. Sie sprach von einem historischen Moment. Mit Parteigründerin Sahra Wagenknecht lag sie sich in den Armen, immer wieder brandete Jubel auf. Es handele sich um einen «riesigen Vertrauensvorschuss», sagte Wolf. «Wir versprechen diesem Land: Wir lassen euch nicht allein.»