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Machtkampf in Prag: Pavel darf doch zum Nato-Gipfel nach Ankara

Machtkampf in Prag: Pavel darf doch zum Nato-Gipfel nach Ankara
Das Verfassungsgericht in Brünn hat entschieden: Staatspräsident Petr Pavel muss in die tschechische Delegation für den Nato-Gipfel in Ankara aufgenommen werden – gegen den Willen von Premier Babiš. Foto: Prager Burg, Tschechischer Präsident Petr Pavel
Von: News aus Tschechien
Das tschechische Verfassungsgericht hat per einstweiliger Verfügung entschieden, dass Staatspräsident Petr Pavel zur tschechischen Delegation beim Nato-Gipfel gehören muss. Die Regierung Babiš reagiert mit scharfer Kritik.

Das Verfassungsgericht in Brünn hat mit einer einstweiligen Verfügung entschieden, dass Staatspräsident Petr Pavel in die offizielle tschechische Delegation für den Nato-Gipfel am 7. und 8. Juli in Ankara aufgenommen werden muss. Das teilte das Gericht am Mittwoch mit. Damit setzt sich Pavel gegen die Regierung von Premierminister Andrej Babiš durch, die zuvor erklärt hatte, nur er selbst, Verteidigungsminister Jaromír Zůna und Außenminister Petr Macinka würden in die Türkei reisen.

Der Streit schwelt seit Jahresbeginn. Pavel hatte stets auf seiner Teilnahme bestanden und auf die langjährige Tradition verwiesen, nach der der Staatspräsident die tschechische Delegation bei Nato-Gipfeln anführt. Nachdem das Kabinett die Entscheidung über die Zusammensetzung bis Anfang der Woche hinauszögerte und ihn dann endgültig ausschloss, reichte Pavel am Dienstag eine Kompetenzklage ein. Schon einen Tag später entschied das Gericht zu seinen Gunsten. Richter Pavel Šamal begründete die Verfügung mit der „eingeführten Praxis", die in der aktuellen Lage beibehalten werden müsse.

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Die Reaktionen der Regierung fielen scharf aus. Premierminister Babiš bezeichnete die Verfügung zunächst als „völlig absurd" und widerstreitend den Interessen Tschechiens, klang am Donnerstag jedoch gemäßigter: „Wir respektieren die Entscheidung des Verfassungsgerichts, auch wenn sie sehr ungewöhnlich ist." Außenminister Macinka griff Pavel hingegen frontal an: „Der Präsident hat der Regierung den Krieg erklärt." Er warf Pavel vor, einen „Verfassungsputsch" zu versuchen und das Land in Richtung eines Präsidialsystems zu drängen.

Die Politologin Daniela Ostrá von der Palacký-Universität Olmütz widersprach dieser Einschätzung. Für ein Präsidialsystem wäre eine Verfassungsänderung nötig. Das eigentliche Problem liege darin, dass Regierung und Präsidialkanzlei nicht zur Einigung fähig seien und deshalb das Gericht einspringen müsse. Sie forderte Babiš auf, sich „staatsmännisch" zu verhalten und Macinka zu zügeln.

Am Donnerstag kündigte Babiš an, Macinka werde noch am selben Tag die Akkreditierung Pavels beim Gipfel beantragen. Die Anmeldefrist endet am Freitag. Über die konkrete Rolle Pavels in der Delegation – insbesondere die Leitungsfunktion – will das Kabinett am Montag entscheiden. Die eigentliche Kompetenzklage wird das Verfassungsgericht noch gesondert verhandeln, was mehrere Monate dauern kann.

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