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Nur ein Name: Coswig wählt am Sonntag seinen Oberbürgermeister

Nur ein Name: Coswig wählt am Sonntag seinen Oberbürgermeister
Einziger Oberbürgermeister-Kandidat: Amtsinhaber Thomas Schubert. Quelle: PR
Thomas Schubert ist der einzige Bewerber um das Rathaus in Coswig. Gewonnen hat er damit noch nicht. Auf dem grünen Stimmzettel gibt es eine freie Zeile, und Schuberts größte Sorge ist eine niedrige Wahlbeteiligung.

Wer am Sonntag, 4. Oktober, in Coswig wählen geht, findet auf dem Stimmzettel nur einen Namen: Thomas Schubert. Der parteilose Oberbürgermeister ist seit dem 1. Januar 2020 im Amt und bewirbt sich um eine zweite Amtszeit von sieben Jahren. Bis zum Ende der Einreichungsfrist am 30. Juli ist nach Angaben der Stadt genau ein Wahlvorschlag eingegangen. Der Gemeindewahlausschuss hat ihn am 4. August zugelassen. Keine der im Stadtrat vertretenen Parteien oder Wählervereinigungen hat einen eigenen Kandidaten aufgestellt. Die Coswiger CDU unterstützt Schubert offen.

Schubert selbst sieht darin zweierlei. „Auf der einen Seite zeigt es, dass es eine Zufriedenheit mit der politischen Führung gibt“, sagte er der Sächsischen Zeitung. Zugleich traue sich offenbar niemand anderes das Amt zu. Es sei „zunehmend in Deutschland festzustellen, dass es immer schwerer wird, Kandidaten zu finden, die bereit sind, solch ein Amt zu übernehmen“. Als ausgemacht betrachtet er die Sache nicht. „Die Wahl ist damit noch nicht gewonnen“, sagte er schon im August. Wenige Tage vor der Wahl nannte er seine größte Sorge: „dass nicht genügend Leute zur Wahl gehen“.

Was die freie Zeile bedeutet

Steht nur ein Bewerber zur Wahl, schreibt das sächsische Kommunalwahlgesetz eine freie Zeile auf dem Stimmzettel vor. Wählerinnen und Wähler können Schubert ankreuzen oder dort eine andere wählbare Person eintragen. Diese muss laut Coswiger Wahlbekanntmachung eindeutig benannt werden, mit Familienname, Vorname, Beruf oder Stand und Anschrift. Ein Nein-Feld gibt es nicht. Wer den Stimmzettel unverändert abgibt, dessen Stimme ist ungültig.

Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhält. Schafft das niemand, gibt es am 1. November einen zweiten Wahlgang. Dann reicht die einfache Mehrheit. Laut Innenministerium gilt das auch dann, wenn nur ein Bewerber zugelassen ist.

2019: 77,4 Prozent bei 52,8 Prozent Beteiligung

Bei seiner ersten Wahl am 3. November 2019 hatte Schubert einen Gegenkandidaten, David Steinmann von der AfD. Schubert kam laut Statistischem Landesamt auf 7082 Stimmen oder 77,4 Prozent, Steinmann auf 2070 Stimmen oder 22,6 Prozent. Von 17.422 Wahlberechtigten gaben 9191 ihre Stimme ab, das entspricht 52,8 Prozent. Eine aktuelle Zahl der Wahlberechtigten hat die Stadt bislang nicht veröffentlicht. Bei den Wahlen 2024 waren es 16.617 (Landtagswahl) und 16.983 (Europawahl). Es dürften also auch diesmal rund 17.000 Coswigerinnen und Coswiger wählen dürfen (Schätzung der Redaktion nach den Zahlen von 2024).

Wie Wahlen ohne Gegenkandidaten im Landkreis Meißen ausgehen können, zeigen Bürgermeisterwahlen der vergangenen Jahre. Der einzige Bewerber holte dort jeweils mehr als 90 Prozent. Die Beteiligung schwankte aber stark: In Weinböhla lag sie 2022 bei 33,6 Prozent, in Zeithain 2019 bei 35,0 Prozent, in Thiendorf 2021 dagegen bei 78,2 Prozent. In Lommatzsch waren 2019 rund 14 Prozent der Stimmen ungültig.

Vom Kämmerer zum Oberbürgermeister

Schubert ist 54 Jahre alt und gelernter Maschinenbauer. Seit 1998 arbeitet er in der Coswiger Verwaltung, ab 2000 als Kämmerer, ab 2007 zusätzlich als Bürgermeister. Im Kreistag Meißen sitzt er seit 2008 in der CDU-Fraktion, ohne Parteimitglied zu sein. Als seine wichtigste Bilanz nennt er ausgeglichene Haushalte ohne neue Schulden. Auch für die nächste Amtszeit sagt er: „Ich stehe weiterhin dafür, dass unsere Entwicklung nur aus einem ausgeglichenen Haushalt und Schuldenfreiheit funktioniert.“ „Wir haben keine Gewerbeflächen mehr“, sagt Schubert. Deshalb will die Stadt ein Gebiet in Neusörnewitz entwickeln. Für die Erschließung und die Lösung des Regenwasserproblems seien mehr als 15 Millionen Euro nötig.

Einen klassischen Wahlkampf macht Schubert diesmal nicht. „Was ich definitiv nicht machen werde: die Straßenlaternen mit Plakaten vollhängen“, sagte er. Informieren will er über einen Flyer und seine Social-Media-Kanäle.

Die 13 Wahllokale sind am Sonntag von 8 bis 18 Uhr für die rund 17.000 Wahlberechtigte geöffnet und laut Stadt alle barrierefrei. Welches Wahllokal zuständig ist, steht auf der Wahlbenachrichtigung. Diese kommt diesmal als Brief mit beiliegendem Briefwahlantrag. Briefwahl kann online noch bis Montag, 28. September, 23.59 Uhr, beantragt werden, persönlich im Bürgerbüro bis Freitag, 2. Oktober, 16 Uhr. Wer plötzlich erkrankt, kann den Antrag noch am Wahltag bis 15 Uhr stellen. Der Wahlbrief muss bis Sonntag, 18 Uhr, bei der Stadt eingegangen sein.