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Könntest du für Eliška stimmen?“ – Vorsicht vor dieser WhatsApp-Nachricht

Könntest du für Eliška stimmen?“ – Vorsicht vor dieser WhatsApp-Nachricht
Diese verhängnisvolle WhatsApp erhielt der Moritzburger am Montag. Quelle: privat
Eine Bekannte bittet einen Moritzburger per WhatsApp um seine Stimme für ein kleines Ballett-Mädchen. Hinter der Abstimmung steckt eine Betrugsmasche.

Ein Bericht von Ulf Mallek

Die Nachricht sah harmlos und freundlich aus. Sie appellierte hat Hilfsbereitschaft. Sie kam Montag, 28. September aufs Handy von einer Person, die der Adressat kennt. So schildert es ein Moritzburger Leser, der nicht namentlich genannt werden möchte. Er sei durchaus computerafin, kenne sich mit sozialen Netzwerken aus. Doch auch er war nicht gefeit vor schlauen Scammern. Und er bereut es tief, auf diesen Trick hereingefallen zu sein.  Auf WhatsApp schrieb ihm die Bekannte: „Hallo, könntest du für Eliška stimmen? Sie ist die Tochter meiner Freunde, der erste Preis ist ein kostenloser Tanzkurs, und das ist sehr wichtig für sie!“

Darunter stand ein eher Link zu einer unbekannten Internetseite. Die Nachricht ist fast wortgleich mit einer Betrugsmasche, vor der Polizei und Verbraucherzentralen seit August 2026 warnen.

Der Moritzburger, ein hilfsbereiter Mensch, klickte auf den Link, um Eliska zu helfen. Tatsächlich, er konnte für sie abstimmen, klickte wieder, gab seine Mobilfunknummer ein und auch den Code, der sein WhtasApp-Konto mit einem fremden Gerät verknüpfte. Spätestens hier hätte er stoppen müsen. Er tappte aber leider in die Falle. "Ich fühle mich sehr schlecht", sagte er. "Ich ärgere mich über mich selbst. Man fühlt sich so hilflos und ausgleiefert."

So läuft die Masche ab

Tatsächlich haben die Betrüger sofort sein  WhatsApp-Konto übernommen, die Kontakte ausgelesen und sie für weitere Scams verwendet. Das entsprichtdem Muster, das Polizei und Verbraucherzentralen beschreiben.  Der Text ist fast immer gleich, nur der Name des Mädchens ändert sich. Nach Angaben der Verbraucherzentralen begann die Welle im August 2026 mit dem Namen „Franziska“. Inzwischen tauchen auch Eliska, Emma, Klara, Marlies, Mia oder Sophia auf. Statt eines Tanzkurses kann auch ein Stipendium oder ein Fotokurs als Preis versprochen werden.

Der Köder: Die Bitte kommt oft von einem bekannten Kontakt. Haben die Täter dessen Konto schon übernommen, schreiben sie in seinem Namen. Für den Empfänger sieht es aus wie eine kleine Gefälligkeit unter Bekannten. Der Link führt zu einer angeblichen Abstimmungsseite. Dort soll man seine Handynummer eingeben. Die Falle: „Damit die Stimme zählt“, soll man einen Code eintippen oder einen QR-Code scannen. Laut Polizeilicher Kriminalprävention startet die Eingabe der Nummer im Hintergrund die WhatsApp-Funktion zur Geräteverknüpfung. Wer den Code auf der Fake-Seite eingibt oder den QR-Code scannt, verbindet damit ein Gerät der Täter mit dem eigenen WhatsApp-Konto.

Die Folgen: Danach können die Kriminellen Chats mitlesen, Fotos und Videos ansehen und in fremdem Namen Nachrichten schicken, oft ohne dass der Kontoinhaber es merkt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schreibt, der Angriff bleibe häufig lange unentdeckt, weil eine echte Funktion der App ausgenutzt werde und WhatsApp ganz normal weiterlaufe. Fachleute nennen das „Ghost Pairing“.

Mit dem übernommenen Konto schicken die Täter die Abstimmungs-Nachricht an weitere Kontakte. Außerdem bitten sie Freunde und Verwandte um Geld und erfinden dafür Notlagen, etwa eine dringende Zahnarztrechnung. Das berichten die Verbraucherzentralen und die österreichische Watchlist Internet.

Auch in Sachsen gibt es schon Schäden

Die sächsische Polizei hat bereits gewarnt. Die Polizeidirektion Görlitz meldete Mitte August mehrere Anzeigen zu genau dieser Masche. Die Polizeidirektion Zwickau zählte in ihrem Bereich seit Mitte August zwölf solcher Fälle. Die Täter erbeuteten dabei jeweils zwischen 500 und 615 Euro.

Für den Landkreis Meißen sind der Redaktion bislang keine weiteren Fälle bekannt. Weil sich die Masche über Kontaktlisten verbreitet, kann sie aber jederzeit auch hier Menschen treffen.

Woran man die Falle erkennt

Für eine normale Online-Abstimmung muss man sein WhatsApp-Konto nie mit einem anderen Gerät verbinden oder WhatsApp-Codes preisgeben. So schreiben es die Verbraucherzentralen und das Verbraucherschutzforum Berlin. Es gibt keine konkreten, überprüfbaren Angaben zum Wettbewerb oder zum Veranstalter. Die Internetadresse passt nicht erkennbar zu einem bekannten Wettbewerb.

Die Verbraucherschützer empfehlen, auf keinen Fall zu klicken, sondern erst nachzufragen. Man solle die Person anrufen, die die n die Nachricht geschickt hat. Am wichtigsten ist, keine Verifizierungs-Codes weiterzugeben, keine QR-Codes scannen, deren Herkunft unklar sind.

Ein nützlicher Tipp: Zwei-Schritt-Verifizierung einschalten. In den WhatsApp-Einstellungen lässt sich die „Verifizierung in zwei Schritten“ aktivieren. Dann ist zusätzlich eine selbst gewählte PIN nötig. Das empfehlen unter anderem die Polizeidirektion Görlitz, die Polizeiliche Kriminalprävention und das BSI.

Weiter sollte man „Verknüpfte Geräte“ regelmäßig prüfen. Dazu in den WhatsApp-Einstellungen unter verknüpfte Geräte sehen, welche Geräte Zugriff auf das Konto haben. Nach Angaben der Verbraucherzentralen sollte die Liste leer sein, sofern Sie WhatsApp nicht selbst zusätzlich etwa am Computer nutzen. Falls ein unbekanntes Gerät auftaucht, es antippen und „Abmelden“ wählen. Bei Geldbitten sollte man immer zurückrufen. 

Der Account des Moritzburgers wurde sofort von WhatsApp gesperrt. Offenbar haben die Systeme Alarm geschlagen, weil sie die Scams-Posts vom Account des Moritzburger bemerkten. Erst am Abend wurde das Konto wieder freigegeben. "Ich werde jetzt weniger auf WhatsApp machen und viel vorsichtiger sein", sagte der Moritzburger. "Die gute alte E-Mail tut es auch."

Was tun, wenn es schon passiert ist?
  • Fremde Geräte abmelden: Unter Verknüpfte Geräte alle unbekannten Einträge entfernen.
  • Konto zurückholen: Wer ganz ausgesperrt ist, meldet sich in WhatsApp mit seiner Telefonnummer neu an und gibt den sechsstelligen Code ein, der per SMS oder Anruf kommt. Nach Angaben von WhatsApp werden dabei alle anderen angemeldeten Geräte automatisch abgemeldet (zitiert nach BR).
  • Chats prüfen: Schauen Sie nach Nachrichten, die Sie nicht selbst geschrieben haben (Verbraucherzentralen).
  • Kontakte warnen: Sagen Sie Freunden und Familie schnell Bescheid, am besten per Anruf, SMS oder über einen anderen Messenger, dass Nachrichten aus Ihrem Konto nicht von Ihnen stammen könnten.
  • Beweise sichern und Anzeige erstatten: Machen Sie Screenshots und heben Sie verdächtige Nachrichten, Telefonnummern, Zahlungsdaten und Belege auf. Dann informieren Sie die Polizei.