Campusluft schnuppern in Meißen
Herein in den Campus. Pünktlich um 9 Uhr begann am Samstag der Tag der offenen Tür 2026 an der Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum. Vor herbstlicher Kulisse auf dem Campus in der Herbert-Böhme-Straße 11 nutzten zahlreiche Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, die staatliche Fachhochschule des Freistaats kennenzulernen. Bis 13 Uhr standen Information, Begegnung und ein erster Eindruck vom studentischen Leben im Mittelpunkt. Das teilte die Hochschule mit.
Die HSF Meißen bildet seit 1992 in dualen Studiengängen Nachwuchs für die sächsische Verwaltung und Justiz aus. Das Studium verbindet Theoriephasen auf dem Campus mit Praxisabschnitten in Behörden. Beworben wird sich nicht zuerst bei der Hochschule, sondern bei einer Einstellungsbehörde – ein Punkt, der am Samstag immer wieder erklärt werden musste.
Erster Anlaufpunkt: Studierende statt Broschürenstapel
Schon am Infopoint vor Haus 1 wurden die Gäste von Studierenden persönlich begrüßt. Von dort aus konnten sie den Campus auf eigene Faust erkunden oder sich einer interaktiven Campusrallye anschließen. Die Rallye führte durch Hörsäle, Bibliothek, IT-Labor und Mensabereich und sollte Orientierung geben, ohne dass sich Interessierte verloren fühlten.
Das Format hat sich in den Vorjahren bewährt: Wer zum ersten Mal auf dem rechtselbischen Campus im Stadtteil Cölln steht, trifft auf mehrere Gebäude – Lehrgebäude, Fortbildungszentrum, Wohnunterkunft, Mehrzweckhalle und Bibliothek. Ohne Wegweiser und Ansprechpartner bleibt das schnell abstrakt.
Fünf Fachbereiche im 45-Minuten-Takt
Im großen Hörsaal präsentierten sich die fünf Fachbereiche im Wechsel. Die Vorträge dauerten jeweils rund 45 Minuten und gaben einen Überblick über Studieninhalte, Schwerpunkte und berufliche Perspektiven. Auf dem Programm standen unter anderem Allgemeine Verwaltung, Digitale Verwaltung, Sozialverwaltung und Sozialversicherung sowie Steuerverwaltung, Staatsfinanzverwaltung und Rechtspflege.
Für viele Gäste war das der entscheidende Programmpunkt: Nicht jede Fachrichtung führt in denselben Beruf. Wer später in einer Stadtverwaltung arbeiten will, braucht andere Module als jemand, der zur Deutschen Rentenversicherung oder in die Justiz geht. Die kompakten Vorträge sollten helfen, Fähigkeiten und Ziele mit einem konkreten Studiengang zu verbinden.
Parallel füllte sich die Mehrzweckhalle. Dort präsentierten sich Einstellungsbehörden und künftige Praxispartner. Studieninteressierte konnten Fragen zum Ablauf des Studiums, zum Bewerbungsverfahren und zu Karrierewegen stellen. Typische Partner der HSF sind Landes- und Kommunalverwaltungen, Sozialversicherungsträger und Justizbehörden – in früheren Jahren etwa Landesdirektion Sachsen, Städte wie Dresden und Leipzig, der Kommunale Sozialverband, die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, das Landesamt für Steuern und Finanzen oder das Oberlandesgericht Dresden.
Aktuelle und ehemalige Studierende ergänzten die offiziellen Stände durch Erfahrungsberichte. Sie schilderten den Studienalltag, gaben Bewerbungstipps und sagten, was sie selbst vor dem Start gern gewusst hätten. Ein wiederkehrendes Thema war das Wohnen in Meißen: Zum Studienbeginn gehört nicht nur der Vertrag mit der Behörde, sondern auch ein Zimmer, Anbindung und das Einleben in einer Stadt, die kleiner ist als Dresden oder Leipzig. Die Hochschule verfügt zudem über Wohnunterkünfte auf dem Campus.
Forschung zum Anfassen, Lehre zum Ausprobieren
Das Sächsische Institut für VerwaltungsInnovation (SIVIM) zeigte, wie Forschung für eine moderne Landesverwaltung aussehen kann. Interaktive Angebote luden dazu ein, aktuelle Fragen nicht nur anzuhören, sondern selbst auszuprobieren. Wer tiefer einsteigen wollte, besuchte eine Schnuppervorlesung – ein Format, das den Unterschied zwischen Werbebroschüre und echter Lehrveranstaltung spürbar machen soll.
Im IT-Labor bekamen Gäste einen Eindruck von der technischen Ausstattung. Besonders für den Studiengang Digitale Verwaltung war das mehr als eine Spielerei: Software, Daten und digitale Verwaltungsprozesse gehören dort zum Kern des Studiums, nicht nur zum Beiwerk.
Die Campusrallye führte außerdem durch die Bibliothek, den zentralen Ort zum Lernen und Recherchieren. Am Stand des Studentenkellers gab es Getränke und zugleich einen Blick auf das Leben neben dem Stundenplan. Für Auflockerung sorgte eine XXL-Fußballdartscheibe. Wer wollte, testete das Mittagsangebot der Mensa.
Die HSF Meißen ist keine klassische Volluniversität mit offenen Immatrikulationszahlen. Die Plätze hängen an den Bedarfen der Einstellungsbehörden. Wer sich informiert, muss deshalb zwei Entscheidungen treffen: welchen Studiengang – und bei welcher Behörde die Bewerbung landen soll. Ein Tag der offenen Tür verdichtet genau diese Doppelstruktur: Fachinhalt auf der einen, Personalgewinnung auf der anderen Seite.
Um 13 Uhr endete das Programm. Zurück blieben beantwortete Fragen, erste Kontakte zu Behörden und der Eindruck eines kompakten Campus. Für manchen Besucher mag der Samstag nur ein Orientierungstag gewesen sein. Für andere könnte er der Moment gewesen sein, in dem aus Interesse ein konkreter Bewerbungsplan für den Studienstart im kommenden Jahr wurde.