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Bürgerjournalisten: Polnisches Medienmagazin berichtet über Meißner Verein

Bürgerjournalisten: Polnisches Medienmagazin berichtet über Meißner Verein
Die Mitglieder des neuen Meißner Vereins Die Bürgerjournalisten für Sachsen e.V. nach ihrer Gründungsversammlung im August. Foto: privat
In einer Reportage stellt das polnische Magazin "Press" die Ziele des neuen Bürgerjournalisten-Vereins aus Meißen vor. Es geht vor allem um das Schließen einer Lücke.

Von Bürgerjournalistin Ostara Jasmin Hennig

Meißen/Warschau. Wo Lokalredaktionen schrumpfen, entstehen Informationslücken. Das beschäftigt inzwischen auch ausländische Fachmedien: Das polnische Magazin „Press" widmet dem Thema in seiner Ausgabe 11-12/2026 die Auslandsreportage „Gazety zombi". Die Autorin Katarzyna Domagała-Pereira, freiberufliche Journalistin u. a. der Deutschen Welle in Bonn, erwähnt darin auch den Verein Bürgerjournalisten für Sachsen e. V. aus Meißen und hat dafür Ostara Jasmin Hennig, die stellvertretende Vorsitzende, kontaktiert.

Zombiezeitungen in Deutschland

Als „Zombiezeitungen" bezeichnet „Press" Zeitungstitel, die weiter erscheinen, aber keine eigene Lokalredaktion mehr haben. Als Beispiele werden Münster, Köln und Stuttgart benannt. Der Medienforscher Christian-Mathias Wellbrock von der Hamburg Media School sagt dazu, mit dem Lokaljournalismus schwinde auch die Transparenz von Politik, Verwaltung und Unternehmen. Seine Studie „Wüstenradar" zeige einen deutlichen Rückgang wirtschaftlich unabhängiger Lokalzeitungen auf Landkreisebene. Laut „Press" ist dieser im Osten und am westlichen Rand Deutschlands am deutlichsten. Ein Bericht von Netzwerk Recherche aus Greiz in Thüringen zeigt, was das für Betroffene bedeutet: Vor allem ältere Menschen verlieren den Anschluss an aktuelle Informationen.

Bürgerjournalismus als Antwort

In Sachsen will das Projekt „Bürger machen Journalismus" gegensteuern. Es wird von Dr. Judith Kretzschmar am Leipziger Zentrum für Journalismus und Demokratie (JoDem) geleitet, gemeinsam mit dem DJV Sachsen, und von der Volkswagen Stiftung gefördert. Berufsjournalisten arbeiten drei Monate lang mit kleinen Gruppen von Bürgern. Im Landkreis Meißen stand dafür unter anderem der erfahrene Journalist Ulf Mallek zur Verfügung, der den Teilnehmenden praktisches Handwerk vermittelte. Rund 350 Menschen sollen insgesamt teilnehmen. Die Idee: Wer Journalisten persönlich kennt und weiß, wie Medien arbeiten, vertraut ihnen eher.

In Meißen ist daraus der Verein entstanden. Er hat derzeit acht Mitglieder und will Themen aufgreifen, die Lokalredaktionen nicht mehr schaffen, sowie Medienkompetenz vermitteln. „Wir wollen die Lücke füllen, die der professionelle Journalismus hinterlässt", sagt Hennig dem Magazin. „Denn wer informiert ist und weiß, was direkt vor seiner eigenen Haustür geschieht, kann sich aktiv beteiligen und mitentscheiden“, unterstreicht sie. Die Workshops hätten ihr geholfen, Information von Agitation zu unterscheiden.

Dass ein polnisches Fachmagazin den Fall aufgreift, zeigt, wie weit das Problem reicht. Es betrifft Großstädte wie Köln ebenso wie ländliche Regionen in Thüringen und Sachsen. Ob Bürgerjournalismus die Lücken wirklich schließen kann, ist offen: Teilnehmerinnen des Projekts im Landkreis Leipzig zweifelten im Stadtmagazin kreuzer, ob es Medienskeptiker erreicht. Vereinsvorsitzender Ulf Mallek dazu: "Das mag sein. Es ist aber auch nicht unser wichtigstes Ziel. Uns geht es vielmehr darum, den Menschen vor allem in ländlichen Genbeten verlässliche Informationen zu geben, die sie für ihren Alltag und ihre Teilhabe am demokratischen Diskurs benötigen."

Ostara Jasmin Hennig Autorin ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins Die Bürgerjournalisten für Sachsen e. V.