Die Stiftung Deutsches Hygiene-Museum Dresden fürchtet angesichts der Kürzungspläne der Stadt um das Format und den internationalen Ruf des Hauses. Eine Reduzierung des Etats um 1,33 Millionen Euro bedeute «tiefe Einschnitte» ins bisherige Programm, sagte Direktorin Iris Edenheiser. Infrage stünden die Sonderausstellungen 2025 und 2026, der freie Eintritt für Kinder und Jugendliche, ein weiterer Schließtag sowie Abstriche bei der Bildungs- und Vermittlungsarbeit. Damit verbunden wäre «unweigerlich und in kürzester Zeit der Abstieg vom Flaggschiff in die Mittelmäßigkeit». Die politisch Verantwortlichen sollten das in ihren Überlegungen bedenken - und den Verlust an Renommee für die Stadt.
Weniger Programm bedeute weniger Besucher, weniger Einnahmen, weniger Sichtbarkeit und Förderung, beschrieb Edenheiser das zu erwartende Szenario. Bei diesen Kürzungen «wird es das Deutsche Hygiene-Museum in dieser Form perspektivisch nicht mehr geben». Das wäre gerade in diesen gesellschaftlich nicht gerade einfachen Zeiten fatal. Das Minimum zur Finanzierung sei das Zuschuss-Niveau von 2021 - je 2,75 Millionen Euro von Stadt und Freistaat.
Haus mit über hundertjähriger Geschichte
Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden wurde 1912 vom Industriellen Karl August Lingner (1861-1916) gegründet. Der Erfinder des Mundwassers Odol gehörte 1911 zu den Protagonisten der 1. Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden. Die Sammlung umfasst mehr als 30.000 Objekte zur Geschichte der Gesundheitsaufklärung und -pflege wie die weltberühmten Gläsernen Figuren.
Seit 1999 wird das Haus von einer Stiftung getragen und paritätisch durch Zuschüsse von Stadt und Land finanziert. Neben der Dauerausstellung zum Menschen gibt es hochkarätige Präsentationen, auch zu gesellschaftlichen Themen - und ein Kindermuseum. Die Stiftung finanziert Programm, Personal- sowie die Kosten für die Instandhaltung des denkmalgeschützten Hauses - auch aus Ticketeinnahmen, Vermietungserlösen und Drittmitteln für Projekte und Investitionen. Bis 2021 stiegen die Zuschüsse von Stadt und Freistaat auf 3,165 Millionen Euro - seitdem trotz Inflation und Mindestlohnerhöhung sowie Thematisierung der strukturellen Unterfinanzierung gegenüber den Stiftern nicht mehr.
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