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Prozess gegen mutmaßliche NSU-Unterstützerin geht zu Ende

Prozess gegen mutmaßliche NSU-Unterstützerin geht zu Ende
Susann E. ist unter anderem wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung angeklagt. (Archivbild) / Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Von: DieSachsen News
Im Prozess gegen Susann E. fällt das Urteil. War die 45-Jährige in die Taten der rechten Terrorzelle NSU eingeweiht? Die Bundesanwaltschaft fordert vier Jahre Haft, die Verteidigung einen Freispruch.

Nach gut acht Monaten geht der Prozess gegen die mutmaßliche Unterstützerin der Neonazi-Terrorzelle NSU, Susann E., am Oberlandesgericht in Dresden (OLG) zu Ende. Die 45-Jährige ist die Ehefrau des bereits verurteilten NSU-Unterstützers André E. und mutmaßlich eine enge Freundin der Rechtsterroristin Beate Zschäpe. Sie ist wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zu einer schweren räuberischen Erpressung mit Waffen angeklagt. 

Susann E. soll dem NSU geholfen haben

Die Bundesanwaltschaft wirft Susann E. vor, Zschäpe ihre Personalien überlassen zu haben. Sie soll der NSU-Terroristin mehrmals ihren Personalausweis zur Verfügung gestellt haben, etwa bei einer Vernehmung der Polizei zu einem Wasserschaden in dem Mietshaus, in dem das NSU-Trio lebte, und während einer längeren Urlaubsreise. Mit der Krankenkassenkarte der Angeklagten habe sich Zschäpe mehrmals bei einem Zahnarzt behandeln lassen. Auch auf eine Bahncard mit dem Foto von Zschäpe und einen Videotheksausweis, beide im Namen Susann E.s, verwies die Bundesanwaltschaft.

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Zudem wird der 45-Jährigen zur Last gelegt, an der Abholung des Wohnmobils beteiligt gewesen zu sein, das der NSU am 4. November 2011 bei seinem letzten Raubüberfall in Eisenach verwendete.

NSU verübte Morde in ganz Deutschland

Die Neonazi-Terrorzelle «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU) bestand aus Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Ab dem Jahr 2000 verübten sie jahrelang unerkannt zehn Morde in ganz Deutschland. Ihre Opfer waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin. 

Mundlos und Böhnhardt verletzten zudem Dutzende Menschen bei zwei Bombenanschlägen in Köln. Die beiden töteten sich 2011 in Eisenach, um ihrer Festnahme zu entgehen. Erst dann flog der NSU auf. Zur Finanzierung ihres Lebens im Untergrund beging die Terrorzelle 15 Banküberfälle.

Zschäpe verurteilten die Richter des OLG München 2018 nach gut fünf Jahren Prozessdauer zu lebenslanger Haft. Sie wurde bei der jetzigen Verhandlung in Dresden an drei Verhandlungstagen ausführlich befragt.

Wusste Susann E. von den Morden des NSU?

Eine zentrale Frage bei der Beweisaufnahme im Prozess war, ob Susann E. von den rassistischen Morden des NSU wusste. Davon geht die Bundesanwaltschaft aus. Sie forderte in ihrem Plädoyer vier Jahre Haft für die Angeklagte. Die 45-Jährige habe ihrer Freundin Zschäpe durch ihre Taten das Leben im Untergrund erheblich erleichtert, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Barrot.

Die Eheleute E. waren laut Bundesanwaltschaft die engsten Vertrauten des NSU und der Terrorzelle auch noch nach deren Ende verbunden. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnung habe etwa eine Bleistiftzeichnung der Terroristen Böhnhardt und Mundlos neben Fotos der eigenen Söhne im Wohnzimmer an der Wand gehangen.

Die Verteidigung plädierte hingegen auf Freispruch. Die Berliner Rechtsanwälte Uwe Schadt und Hendrik König sahen in dem Verfahren keinen Hinweis auf einen «Wissenstransfer» zwischen den NSU-Mitgliedern und der Beschuldigten. Es gebe keinen Beleg, dass Susann E. irgendetwas von den Straftaten gewusst haben könnte. 

Die Angeklagte selbst hatte sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert. Zschäpe wirkte bei ihrer Zeugenaussage bemüht, ihre damals einzige Vertraute möglichst wenig zu belasten. Sie gab an, Susann E. seien lediglich die Raubüberfälle, nicht aber die Morde der Terrorzelle bekannt gewesen.

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