Bis auf den letzten Platz ist der große Schwurgerichtssaal im Landgericht Görlitz besetzt. Neben der Staatsanwaltschaft sitzt die Mutter des Mordopfers als Nebenklägerin. In Handschellen wird der 34-jährige Angeklagte hereingeführt. Seine zehn Jahre jüngere mutmaßliche Komplizin wartet, bis die Pressefotografen wieder den Raum verlassen. Erst dann nimmt sie neben ihren Verteidigern Platz. Regungslos folgen die Beschuldigten dem Verlesen der Anklageschrift zum gewaltsamen Tod eines 24-Jährigen aus See, einem Ortsteil von Niesky (Landkreis Görlitz). Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paar gemeinschaftlichen Mord und die Verabredung eines weiteren schweren Verbrechens vor.
Wann der Mordplan entstanden ist, können die Ankläger nur mutmaßen. «Irgendwann im Januar oder Februar fassten sie den Entschluss, einen Menschen zu töten, um aus Habgier an Wertgegenstände zu kommen», sagt der Staatsanwalt. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass die Frau den ihr flüchtig Bekannten am 5. Februar in ihre Wohnung in Görlitz lockte und in ein Gespräch verwickelte. Dort soll der Mitangeklagte gewartet haben, um den jungen Mann mit einem Schlag auf den Hinterkopf zu betäuben. Dann soll das Paar das Opfer mit drei Plastiktüten, die mit Paketband am Kopf befestigt wurden, erstickt haben.