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Bündnisgrüne warnen vor Kürzungen im Bahnverkehr in der Oberlausitz

Bündnisgrüne warnen vor Kürzungen im Bahnverkehr in der Oberlausitz
Foto: Die-Laenderbahn-GmbH-DLB
Die Bündnisgrünen im Landkreis Görlitz fordern angesichts drohender Kürzungen im Bahnverkehr rasche Lösungen von Bund und Freistaat. Im Fokus stehen der Erhalt des Stundentakts und eine verlässliche Finanzierung des Regionalverkehrs.

Drohende Einschnitte bei der Bahn in der Oberlausitz

Der Kreisverband Görlitz von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN warnt vor Kürzungen im Bahnverkehr in der Oberlausitz. Anlass ist die Debatte um steigende Trassenpreise, die nach Einschätzung des Zweckverbands Verkehrsverbund Ostsachsen (ZVVO) nicht mehr vollständig aufgefangen werden können. Laut Berichten steht eine Reduzierung des Angebots auf einen Zweistundentakt im Raum, zumindest am Wochenende. Eine endgültige Entscheidung ist bislang jedoch nicht gefallen.

Die bündnisgrüne Fraktionsvorsitzende im Sächsischen Landtag, Franziska Schubert, sieht darin die Folge jahrelang verschleppter Reformen. Wenn Züge seltener fahren oder Verbindungen gestrichen werden, treffe das vor allem Menschen ohne eigenes Auto, Jugendliche, ältere Menschen und Familien im ländlichen Raum. Mobilität dürfe nicht davon abhängen, ob jemand in der Stadt oder auf dem Dorf lebt, betont sie.

Mehrkosten belasten Verkehrsverbünde deutlich

Nach Angaben des ZVVO belaufen sich die Mehrkosten im Gebiet des ehemaligen Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien gegenüber der bisherigen Preisbremse auf jeweils rund drei Millionen Euro in den Jahren 2025 und 2026. Für 2027 rechnet der Verbund bereits mit 5,2 Millionen Euro, für 2028 mit 9,6 Millionen Euro. In anderen Regionen Sachsens werden bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember Verbindungen gestrichen oder ausgedünnt.

Der Zittauer Stadtrat und Verkehrsexperte Matthias Böhm warnt vor einer Abwärtsspirale: Weniger Zugfahrten verringern nicht automatisch die Kosten, weil die Infrastruktur weiter vorgehalten werden muss. Werden diese Fixkosten auf weniger Verbindungen verteilt, steigen die Trassenpreise weiter. Aus Sicht der Grünen braucht es deshalb neben kurzfristiger Entlastung auch eine grundlegende Reform des Trassenpreissystems.

Auswirkungen auf Alltag, Tourismus und Verkehrswende

Ein Zweistundentakt würde den Alltag vieler Menschen spürbar erschweren. Wer am Wochenende arbeitet, Angehörige besucht oder zu Veranstaltungen fährt, ist auf verlässliche Anschlüsse angewiesen. Längere Taktabstände machen Reisen unflexibler und erhöhen das Risiko, bei verpassten Anschlüssen deutlich länger unterwegs zu sein.

Auch das Deutschlandticket entfaltet seinen Nutzen nur dann, wenn das Angebot dahinter stimmt. Nach Ansicht des Kreisverbandes muss öffentlicher Nahverkehr zur Daseinsvorsorge gehören. Zudem wären seltenere Verbindungen ein Rückschritt für den Tourismus: Die Oberlausitz verfolgt das Ziel, sich als nachhaltige Reiseregion zu positionieren. Eine gute Erreichbarkeit mit Bus und Bahn gehört aus Sicht der Grünen zwingend dazu.

Forderung nach verlässlicher Finanzierung

Die bündnisgrüne Landtagsfraktion hatte bereits im Juni eine Initiative für eine Reform des Trassenpreissystems auf den Weg gebracht. Der Landtag stimmte dem Antrag zu. Nun fordern die Grünen, dass Bund und Freistaat die Finanzierung des Bahnverkehrs schnell sichern und das bestehende Angebot stabil halten.

Franziska Schubert fasst die Position des Kreisverbandes so zusammen: Noch seien die Kürzungen nicht beschlossen, jetzt müsse gehandelt werden. Die Menschen in der Oberlausitz bräuchten die Sicherheit, dass ihre Verbindungen auch künftig zuverlässig fahren.