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9. „Kommen und Gehen“: Sechsstädtebundfestival 2026

9. „Kommen und Gehen“: Sechsstädtebundfestival 2026
Signum Saxophone Quartet / Foto: Luca Patrone
Von: Uwe Tschirner
Vom 12. bis 23. August bringt das Sechsstädtebundfestival „Kommen und Gehen“ in der Oberlausitz Klassik, Klangkunst und Lesungen zusammen. Unter dem Motto „Mittelpunkt“ stehen 11 Veranstaltungen in Löbau, Zittau, Görlitz, Kamenz, Königshain und Radeberg auf dem Programm.

Ein Festival zwischen Musik, Stadt und Geschichte

Ab dem 12. August 2026 heißt es in der Oberlausitz wieder „Kommen und Gehen“. Die neunte Ausgabe des Sechsstädtebundfestivals versammelt zwölf Tage lang 11 Veranstaltungen an besonderen Spielorten zwischen Löbau, Zittau, Görlitz, Kamenz, Königshain und Radeberg. Unter dem Motto „Mittelpunkt“ begegnen sich Klassik, Alte Musik, Elektronik, Klangkunst, szenische Formate und musikalische Lesungen.

Das Festival versteht sich dabei nicht nur als Konzertreihe, sondern als kulturelle Erkundung der Region. Die Programme greifen Orte, Biografien und historische Bezüge auf und verbinden sie mit zeitgenössischen Perspektiven. Tickets sind ab sofort erhältlich.

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Auftakt mit Löbau als klingender Stadt

Eröffnet wird das Festival am 12. August im Haus Schminke in Löbau mit „Löbau, wie klingst du?“. Der Musiker David Brand entwickelt gemeinsam mit weiteren Mitwirkenden ein akustisches Porträt der Stadt. Architektur, urbane Räume und Alltagsgeräusche werden dabei in Musik übersetzt. Damit wird Löbau nicht nur zur Kulisse, sondern selbst zum Ausgangspunkt des Festivals.

Am 13. August geht es in der Weinau Zittau weiter. Dort gastiert im Rahmen von „Via Regia – jüdisch – unterwegs“ das Caravan Orchester & Choir. Das internationale Ensemble junger Musikerinnen und Musiker verbindet jüdische, arabische und europäische Musik und setzt auf kulturellen Austausch.

Romantische Lieder, Dowland und historische Figuren

Am 15. August widmet sich ein Kammermusikabend in Löbau dem romantischen Lied. Unter dem Titel „Ich sehe still vorüberziehen“ interpretieren Yvonne Pentki und Benedikt ter Braak Werke von Josephine Lang, Emilie Mayer, Luise Greger und weiteren Komponistinnen und Komponisten. Der Abend rückt damit eine oft zu wenig beachtete Liedtradition in den Fokus.

Am 16. August lädt das Schlesische Museum in Görlitz in die Welt von John Dowland ein. Zum 400. Todestag des englischen Renaissance-Komponisten erklingen bei „Semper Dowland, semper dolens“ Originalwerke und neue Arrangements. Frank Pschichholz und The Schoole of Night verbinden historische Musik mit heutiger Interpretation.

Mit „Der Reiche“ folgt am 18. August im Gleis 1 – KulTourPunkt in Görlitz ein szenisches Konzert über den Görlitzer Kaufmann und Bauherrn Hans Frenzel. Das Leipziger Ensemble Sospiratem bringt Musik der Reformationszeit mit neuen Texten von Husam Maarouf und Rosa Luxemburg zusammen.

Nachts durch Kamenz und sommerlich nach Zittau

Am 19. August führt das Festival nach Kamenz. Zunächst gibt es um 21 Uhr einen musikalischen Nachtspaziergang mit Frank Pschichholz durch dunkle Gassen und ungewöhnliche Perspektiven der Stadt. Später, um 23 Uhr, folgt in der Alten Baderei das Konzert „No nights are dark enough“ mit The Schoole of Night.

Ein anderes Klangbild bietet der 21. August in Zittau. Unter freiem Himmel spielt das SIGNUM saxophone quartet zum 100. Geburtstag von Miles Davis. Das Programm „Someday my prince will come“ schlägt eine Brücke von Jazzgeschichte zu Gegenwart, ergänzt durch die Filmvorführung „Miles Ahead“ im Rahmen der Zittauer Filmnächte.

Weibliche Stimmen und jüdische Erinnerung

Am 22. August setzt das Festival in Görlitz einen Schwerpunkt auf weibliche Perspektiven. „Marilyn, und …? – Weibliche Stimmen in Kunst und Politik“ verbindet Musik, Literatur und Reflexion. Mit dabei sind die Sängerin Isimbi Dee, der Pianist und Komponist Konstantin Dupelius, die Schriftstellerin Julia Malik und das Ensemble Neue Kammer.

Das Programm „Murals & Music“ fragt nach Sichtbarkeit im öffentlichen Raum. Ein weiterer Teil stellt jüdische Komponistinnen und Songwriterinnen der 1940er und 1950er Jahre in den Mittelpunkt. Damit nimmt das Festival Künstlerinnen in den Blick, deren Werke von Verfolgung, Exil und Neuanfang erzählen und bis heute neu entdeckt werden wollen.

Ein Abschluss mit Rilke und Ilse Weber

Am 23. August endet „Kommen und Gehen“ mit gleich drei Veranstaltungen. Im Barockschloss Königshain steht in einer musikalischen Matinee das Werk Rainer Maria Rilkes im Mittelpunkt. Julia Boegershausen, Beate Schander, Andreas Rüdiger und Richard Schönfelder gestalten Wort und Ton.

Am Nachmittag folgt auf Schloss Klippenstein in Radeberg die Märchenlesung für Kinder „Der Ring des Propheten“ und andere Märchen von Ilse Weber. Sibylle Kuhne und Lewin Krumpschmid bringen die poetischen Texte im Rahmen der Reihe „Via Regia – jüdisch – unterwegs“ auf die Bühne. Am Abend schließt die musikalische Lesung „Schicksalhafte Saiten IV: Zwischen Kindermärchen und Krematorium“ das Festival ab.

Mit seiner Mischung aus regionalen Bezügen, historischen Themen und experimentellen Formen zeigt das 9. Sechsstädtebundfestival, wie vielfältig kulturelle Begegnung in der Oberlausitz sein kann.

Uwe Tschirner
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Uwe Tschirner

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