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35 Jahre deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag - Łęknica und Bad Muskau leben Europa im Alltag

Foto: Dutzende Läuferinnen und Läufer in verschiedenfarbigen kurzen Sportsachen mit Nummern auf dem Bau passieren rennend ein mit Luft aufgeblasenes Tor mit Werbebannern. Im Hintergrund früne Bäume von der Sonne beschienen.
Sport verbindet, international, auch regional – deutsche und polnische Sportler starten beim 7-Brücken-Lauf der Grenzstädte Bad Muskau und Łęknica. Foto: Andrzej Sosinski
Von: Bürgerjournalismus in Sachsen
Vor 35 Jahren unterzeichneten Polen und Deutschland den Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit. Für die Partnerstädte Łęknica und Bad Muskau ist dieses Dokument bis heute weit mehr als ein politischer Vertrag. Es bildet die Grundlage einer Zusammenarbeit, die sich im Alltag der Menschen auf beiden Seiten der Lausitzer Neiße widerspiegelt.

Ein Bericht von Andrzej Sosiński

Der Weg zu diesem Vertrag war lang. Wichtige Stationen waren unter anderem der Brief der polnischen Bischöfe an die deutschen Bischöfe von 1965, die Ostpolitik von Willy Brandt, die Solidarność-Bewegung sowie die politischen Veränderungen von 1989. Als symbolischer Meilenstein gilt die Versöhnungsmesse am 12. November 1989 in Krzyżowa. Sie ebnete den Weg für den deutsch-polnischen Grenzvertrag von 1990 und schließlich für den Nachbarschaftsvertrag vom 17. Juni 1991.

Heute zeigt sich die Wirkung dieses Vertrages besonders deutlich in den Grenzregionen. Łęknica und Bad Muskau sind durch den Muskauer Park, den Geopark Muskauer Faltenbogen und den grenzüberschreitenden Tourismus eng miteinander verbunden.

Wie diese Zusammenarbeit konkret aussieht, wurde bei einem Treffen der Stadträte beider Städte am 9. Juni 2026 im Kultur- und Bildungszentrum des Muskauer Faltenbogens in Łęknica deutlich. Auf Einladung des Stadtratsvorsitzenden Henryk Klapa diskutierten die Kommunalpolitiker über Tourismus, Infrastruktur und gemeinsame Zukunftsprojekte. Die Treffen finden regelmäßig im Wechsel auf deutscher und polnischer Seite statt.

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INTERREG-Programm spielt große Rolle

Eine wichtige Rolle spielen dabei Projekte des europäischen INTERREG-Programms. In Bad Muskau entstanden mit diesen Mitteln moderne öffentliche Toiletten am Postplatz sowie mehrsprachige Informationssysteme für Besucher. Im Bergpark wurden neue Massivholzbänke aufgestellt, die sich harmonisch in die historische Parklandschaft einfügen.

Auch in Łęknica werden INTERREG-Mittel eingesetzt. Geplant ist die Revitalisierung der Parkanlage rund um das historische Belvedere-Gebäude, das heute als Kulturhaus genutzt wird. Da Gebäude und Park unter Denkmalschutz stehen, müssen die Arbeiten besonders sorgfältig vorbereitet werden.



Der Bürgermeister von Łęknica, Piotr Kuliniak (links), und Bad Muskaus Bürgermeister Thomas Krahl unterzeichnen 2025 die Partnerschaftsvereinbarung für ein gemeinsames Interreg-Projekt. Mit einem Fördervolumen von rund 1,28 Millionen Euro soll bis Ende 2027 die touristische Entwicklung des UNESCO-Geoparks Muskauer Faltenbogen und des Muskauer Parks weiter gestärkt werden.

Foto: Julia Kamenz


Sorge bereitet vielen Einwohnern beider Städte dagegen die sogenannte Postbrücke über die Lausitzer Neiße. Die 1954 wiederaufgebaute Verbindung ist die wichtigste Verkehrsachse zwischen beiden Orten und gilt als sanierungsbedürftig. Nach den bestehenden Vereinbarungen liegt die Verantwortung für die Instandhaltung auf polnischer Seite. Von dort wurde jedoch bereits signalisiert, dass die Sanierung geplant sei und man kurz vor der Ausschreibung stünde.

7-Brücken-Lauf grenzüberschreitend

Wie eng die beiden Städte inzwischen zusammengewachsen sind, zeigt auch der traditionelle „7‑Brücken-Lauf“. Bereits zum zwölften Mal führte die Strecke durch den Muskauer Park auf beiden Seiten der Grenze. 136 Läufer nahmen am Hauptlauf über zehn Kilometer teil, weitere 19 Kinder gingen beim Mini-Lauf an den Start. Die Veranstaltung gehört seit Jahren zu den touristischen Aushängeschildern der Region.

Doch wie wird der Nachbarschaftsvertrag heute bewertet? Der Direktor des Deutschen Polen-Instituts, Peter Oliver Loew, weist darauf hin, dass ein solcher Vertrag heute vermutlich anders formuliert würde. Polen habe sich wirtschaftlich und politisch stark entwickelt und trete längst nicht mehr als Bittsteller auf. Daraus ergäben sich neue Anforderungen an die deutsch-polnischen Beziehungen.

Gleichzeitig wird an neuen Formen der Zusammenarbeit gearbeitet. So soll künftig auch die Verteidigungszusammenarbeit beider Länder stärker geregelt werden. Weitere Themen sind die Erinnerung an die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs sowie neue kulturelle Projekte wie die Wiederaufnahme des Kulturzuges zwischen Berlin und Warschau.

Trotz aller Herausforderungen zeigen Łęknica und Bad Muskau, wie gute Nachbarschaft im Alltag funktionieren kann. Die gemeinsame Geschichte, zahlreiche Projekte und persönliche Begegnungen bilden dafür eine stabile Grundlage. Oder, um es mit einer bekannten Liedzeile der Band Karat zu sagen: „Über sieben Brücken musst du gehen …“


Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
Mehr Informationen zum Projekt - und wie auch Sie teilnehmen können - finden Sie unter: www.buergerjournalismus-sachsen.de

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