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Roblox Altersverifizierung: Ein neues Zeitalter der Sicherheit? Ich denke nicht.

Symbolfoto: Junge Person beim Computerspielen an einem PC
Symbolfoto (via colourbox.de)
Von: Bürgerjournalismus in Sachsen
Ein Kommentar von Angelina Schulz

Roblox ist ein Online-Spiel, in dem es um Zusammenarbeit und Kommunikation geht. Für mich hat es schon immer eine besondere Bedeutung, da ich bereits sehr lange dabei bin: Während meiner Grundschulzeit hat es so richtig Fahrt aufgenommen und ich habe viele gute Erinnerungen daran. Über Roblox habe ich Freunde gefunden und auch meine Partnerin kennengelernt.

Im letzten Jahr hat sich jedoch gezeigt, dass dieses Spiel - mit seiner Anonymität und digitalen Avataren - von Pädophilen ausgenutzt wird, um mit jüngeren Spielern Kontakt aufzunehmen. Mehr als 400 Fälle wurden in den USA aufgezeichnet, was zu Klagen in mehreren US-Bundesstaaten führte, auch Kinderschutzorganisationen machten Druck. Die Kritik: Die Plattform schütze die jüngeren Spieler nicht ausreichend vor gewalttätigen oder sexuellen Inhalten.

Obwohl Roblox die Vorwürfe zurückweist, soll nun der Kontakt zwischen Erwachsenen und Kindern stark eingeschränkt werden. Es wurde beschlossen, den Chat des Spiels für alle zu sperren, die keine Altersverifizierung durchführen. Diese Prüfung wird von Roblox‘ Mitarbeiterfirma „Persona“ durchgeführt, einer künstlichen Intelligenz. Das Spiel selbst kann man zwar auch ohne den Chat spielen, aber ich persönlich möchte das nicht. Für uns User heißt das: Entweder man gibt seine Daten einer KI - oder schweigt in dem Spiel. Man sieht keine Nachrichten der anderen Nutzer, selbst schreiben kann man auch nicht mehr. Das macht für mich das Spiel größtenteils kaputt.

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Ich entscheide mich also für die Überprüfung: Nutzer sollen nun in Altersgruppen eingeteilt werden. Nur Personen im bestimmten Alter dürfen noch miteinander kommunizieren. Der Kontakt zwischen Erwachsenen, alle ab 21 Jahren, und Personen unter 18 ist komplett untersagt. Diese klare Grenze sollte das Problem lösen.

Man kann nicht abstreiten, dass es viel Zeit, Geld und Personal spart, wenn eine KI die Altersüberprüfung übernimmt, doch eine KI lässt sich schnell austricksen: Videos auf Tiktok von Personen, die ihr Gesicht für den Scan zur Verfügung stellen; Make-Up oder Ausweise von Eltern oder Bekannten; man kann mehrere Accounts mit dem gleichen Ausweis verbinden. Und es gibt noch ein Problem: auf eBay findet man Roblox Accounts, die mit bereits verifiziertem Alter verkauft werden. Diese Praxis ist zwar gegen die Regeln von Roblox, jedoch schwer zu überprüfen. Und ein lukratives Geschäft.

Jetzt gibt es die Altersverifizierung. Der Kontakt zwischen Nutzern mit großem Altersunterschied ist untersagt, geprüft wird das Ganze von einer KI, die leicht auszutricksen ist und sowieso kann man online bereits verifizierte Accounts kaufen. Was soll das Ganze also?

Hätte man sich die Altersprüfung auch einfach sparen können, weil sie sowieso nichts bringt? Ich finde, ja. Dieses Sicherheits-Update von Roblox, das das Spiel nicht wirklich sicherer macht, kontrolliert nun das Leben aller Spieler. Für mich hat Roblox seinen Charme verloren. Die Rollenspiele sind leerer als je zuvor und Team-Puzzle lassen sich kaum noch gemeinsam lösen. Zum Glück sind wir Spieler erfinderisch: Größtenteils werden für die Kommunikation nun andere Seiten oder Apps genutzt – ohne Altersprüfung.

Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
Mehr Informationen zum Projekt - und wie auch Sie teilnehmen können - finden Sie unter: www.buergerjournalismus-sachsen.de

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