Vor etwas mehr als zehn Jahren tauchte ein Begriff auf, über den viele Radsportler zunächst nur den Kopf schüttelten: „Gravel“, englisch für Schotter. Aus einer Nische ist längst eine der am schnellsten wachsenden Sparten der gesamten Fahrradbranche geworden. Große Schübe brachte die Corona-Zeit, als Menschen abseits verstopfter Straßen und voller Hallen nach draußen wollten. Heute stehen Gravelbikes bei nahezu jedem Hersteller im Programm, vom Discounter-Modell für unter 1.000 Euro bis zum Carbon-Renner jenseits der 8.000-Euro-Marke.
Pro und Contra auf einen Blick
Dafür spricht
- Vielseitigkeit: Ein Rad für Asphalt, Schotter, Waldweg und leichte Trails. Wer wenig Platz im Keller hat, deckt mit einem Gravelbike mehrere Einsatzzwecke ab.
- Komfort: Breite Reifen mit niedrigem Luftdruck schlucken Vibrationen, die entspannte Sitzposition schont Rücken und Handgelenke auf langen Strecken.
- Alltagstauglichkeit: Dank Anschraubpunkten lässt sich das Rad mit Schutzblechen, Gepäckträger und Licht zum vollwertigen Pendler- und Tourenrad aufrüsten.
- Freiheit bei der Routenwahl: Man ist nicht auf befestigte Straßen angewiesen und kann Abkürzungen und Feldwege einfach mitnehmen.
- Fahrspaß und Naturerlebnis: Abseits des Verkehrs, oft mitten in der Landschaft. Ein Faktor, den die Community immer wieder als das eigentliche Argument nennt.
Dagegen spricht
- Kompromiss statt Spezialist: Auf reinem Asphalt ist ein Gravelbike langsamer als ein echtes Rennrad, im ruppigen Gelände unterlegen einem gefederten Mountainbike. Es kann vieles gut, aber nichts perfekt.
- Keine Federung: Die meisten Gravelbikes haben eine starre Gabel. Auf sehr grobem Untergrund wird es schnell unkomfortabel.
- Sportliche Sitzhaltung: Der tiefe Rennlenker ist nicht jedermanns Sache. Für kurze Stadtwege sitzt man auf einem Citybike aufrechter und bequemer.
- Preis: Ein solides Einsteigermodell kostet meist ab etwa 900 bis 1.200 Euro. Nach oben sind kaum Grenzen gesetzt.
- Grenzen im Gelände: Für echte Downhill-Trails und Wurzelpassagen ist das Gravelbike nicht gemacht.
