Charmant zwischen Dill und Petersilie vermitteln
Ehrenamt kann erstaunlich unterhaltsam sein. Der Heimatverein Königshain e.V. – nur rund eine Viertelstunde von der Görlitzer Stadtgrenze entfernt – liefert dafür einen besonders charmanten Beweis. Seine ungewöhnlich formulierten Ehrenamtsaufrufe zeigen: Heimatpflege darf ernst genommen werden – sich selbst muss man dabei nicht immer so ernst nehmen.
Doch hinter dem Augenzwinkern steckt jede Menge Einsatz. Die Mitglieder pflegen Sehenswürdigkeiten, sammeln historische Zeitzeugnisse und organisieren Ausstellungen sowie Veranstaltungen. So bewahren sie nicht nur die Geschichte Königshains, sondern sorgen auch dafür, dass regionale Traditionen lebendig bleiben und weitergegeben werden.
Neue Impulse erhielt der Heimatverein schließlich 2023 mit der Wahl von Anemone Müller-Großmann zur Vorsitzenden. Moderne Strukturen, zeitgemäße Kommunikation und eine ordentliche Portion Selbstironie bestimmen seitdem die Vereinsarbeit.
„Einfach mal machen – es könnte ja wundervoll werden“, sagt Vorsitzende Müller-Großmann. Genau diese Haltung prägt das Miteinander. „Wer neugierig ist und Lust hat, sich einzubringen, soll sich einfach trauen. Oft sind Begeisterung und Teamgeist wichtiger als Vorkenntnisse.“

Kulturveranstaltung im Schloß Königshain | Foto: Heimatverein Königshain
Zwischen Kaffeeduft und kleinen Heldentaten
Wie viel Freude gemeinsames Engagement machen kann, zeigte erst kürzlich wieder das Café zur Rhododendronblüte. Ehrenamtliche servierten Kaffee und Kuchen, trugen Tabletts, halfen beim Aufräumen, retteten wackelige Blumenvasen und sorgten gemeinsam für eine herzliche Atmosphäre zwischen Blütenduft, guten Gesprächen und Vogelkonzerten.
Wer diese Gemeinschaft künftig selbst erleben möchte, hat dazu viele Gelegenheiten. Für die Veranstaltungshöhepunkte zwischen Mai und Oktober 2026 – darunter der traditionelle Trödelmarkt und die beliebten Sagenspiele – freut sich das Team über tatkräftige Unterstützung.
Hilfreich sind Teamgeist, gute Laune und eine gewisse Grundfitness für Kisten, die bekanntlich „gar nicht so schwer" sind. Die größte Herausforderung dürfte allerdings die notwendige Resilienz gegenüber dem verführerischen Grillduft vom Nachbarstand sein. Belohnt wird das Engagement mit vielen kleinen Heldentaten, überraschenden Momenten und Geschichten, die man später noch seinen Enkeln erzählen kann.
Wenn Kräuter Geschichten schreiben
Etwas ruhiger, aber nicht weniger abwechslungsreich geht es im vereinseigenen Kräutergarten zu. Gesucht werden Menschen, die einmal pro Woche etwa eine Stunde Zeit investieren und die Pflanzen mit Wasser, Aufmerksamkeit und einer Portion Liebe versorgen.
Auch diese Aufgabe nehmen die Ehrenamtlichen mit einem Augenzwinkern ernst. Schließlich gilt es, mit dem Basilikum über dessen Lebensziele zu philosophieren, den Rosmarin zum Wachsen zu motivieren und diplomatisch Konflikte zwischen Dill und Petersilie zu lösen. Ein grüner Daumen ist dafür übrigens keine Voraussetzung – grüne Socken oder die Bereitschaft, Erde unter den Fingernägeln als modisches Accessoire zu akzeptieren, reichen völlig aus.
Wer am Ende des Tages sagen möchte: „Ohne mich wäre das hier nicht so gut gelaufen“, findet beim Heimatverein Königshain viele Gelegenheiten, genau dieses Gefühl zu erleben. Mit frischen Ideen, einer großen Portion Humor und viel Gemeinschaftssinn macht der Verein deutlich, dass Heimatpflege weit mehr ist als die Bewahrung alter Traditionen – sie verbindet Generationen, stärkt die Gemeinschaft und darf vor allem richtig viel Spaß machen.