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Wo Sachsen einst die Welt vermessen hat

Die moderne Glasfassade des Stadtarchivs Dresden mit dem Logo der Landeshauptstadt und einem runden Aufkleber zur Jahrhundertflut 2002. Rechts im Hintergrund ist ein helles historisches Gebäude mit Ziegeldach zu sehen.
Geschichtsstunde an der Elisabeth-Boer-Straße: Das Stadtarchiv Dresden lädt am Dienstag, den 28. April, zu einem Vortrag über die historische Vermessung Sachsens ein. Der Eintritt zu der Veranstaltung über das kartografische Meisterwerk des 19. Jahrhunderts ist frei. Foto: CdH
Von: Dresden News
Ein Vortrag im Stadtarchiv nimmt Dresdner mit auf eine Reise zu vergessenen Messpunkten im Königreich Sachsen – und erklärt, warum ein paar Dreiecke auf dem Kahleberg die Landkarte Mitteleuropas veränderten.

Dresden. Keulenberg. Valtenberg. Wahnsdorf. Wer diese Namen hört, denkt vielleicht an Wanderausflüge oder sächsische Kleinstädte. Dabei waren diese Orte einst Knotenpunkte eines der ambitioniertesten Vermessungsprojekte des 19. Jahrhunderts – und stehen damit für eine Epoche, in der Sachsen buchstäblich auszog, um die Welt zu vermessen.

Wie das funktionierte, erzählt Ralph Buder am Dienstag, 28. April, ab 18.30 Uhr im Stadtarchiv Dresden - und der Eintritt ist frei.

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Dreiecke als Fundament der modernen Karte

Der Hintergrund ist so elegant wie verblüffend: Nach dem Wiener Kongress 1815 herrschte in Mitteleuropa politisch zwar halbwegs Ordnung – kartografisch aber Chaos. Preußen trieb deshalb die sogenannte Mitteleuropäische Gradvermessung voran, ein länderübergreifendes Netz aus präzise ausgemessenen Dreiecken, das Landkarten endlich zuverlässig machen sollte.

Sachsen zog 1862 mit - und legte los. Binnen weniger Jahre entstand ein Dreiecksnetz mit 36 Hauptstationen, von Berg zu Berg gespannt quer durchs Königreich. Wer heute auf dem Kahleberg im Erzgebirge steht oder den Keulenberg in der Lausitz erklimmt, steht auf historischem Vermessungsboden.

Doch dabei blieb es nicht: Fast zeitgleich verdichteten die königlich-sächsischen Geometer das Netz mit 122 weiteren Stationen - darunter der Rothstein, der Cottaer Spitzberg und der Strohmberg. Ein kartografisches Meisterwerk, geschaffen mit Theodolit, Logarithmentafeln und viel sächsischem Ehrgeiz.

Der Mensch hinter dem Messpunkt

Was Buders Vortrag verspricht, ist mehr als Technikgeschichte: Er stellt die „geistigen Köpfe" der Triangulation vor. Also die Männer, die damals bei Wind und Wetter auf sächsischen Berggipfeln standen, Winkel maßen und dabei Grundlagen legten, auf denen noch heute Geoinformationssysteme und GPS-Netze aufbauen.

Wer denkt, Landesvermessung sei ein trockenes Thema, unterschätzt, was dahintersteckt: Es geht um staatliche Präzision als Machtinstrument, um internationale Kooperation lange vor der EU - und um die Frage, wie ein Königreich sich selbst begreift, wenn es beginnt, sich millimetergenau zu kartieren.

📍 Stadtarchiv Dresden, Elisabeth-Boer-Straße 1
📅 Dienstag, 28. April, 18.30 Uhr
🎟️ Eintritt frei

Weitere Infos: www.dresden.de/stadtarchiv

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