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Zwei neue Selbsthilfegruppen in Dresden

Zwei neue Selbsthilfegruppen in Dresden
Symbolbild Selbsthilfe / Freepik
Von: Cornelius de Haas
Dresden startet zwei ungewöhnliche Selbsthilfegruppen: eine für Menschen ganz ohne Familienanschluss und eine für Männer mit schüchterner Blase. Beide Themen sind tabubelastet – und genau deshalb so wichtig.

Dresden. Selbsthilfegruppen in Dresden gibt es für viele Lebenslagen. Aber zwei neue Angebote, die die städtische Kontakt- und Informationsstelle KISS gerade aus der Taufe hebt, stechen selbst aus diesem bunten Spektrum heraus – weil sie Themen ansprechen, über die kaum jemand offen redet.

Kein Familientreffen, keine Enkelkinder – und trotzdem okay

Die erste Gruppe nennt sich schlicht „Leben ohne Familie" und richtet sich an Menschen, die keinen familiären Kontakt haben – ob gewollt oder nicht. Also: keine Eltern, keine Geschwister, keine Kinder, mit denen man Weihnachten verbringt oder die mal anrufen, wenn man krank ist.

Das klingt nach einer Randgruppe? Weit gefehlt. Ob durch Estrangement, Tod, Kinderlosigkeit oder schlicht andere Lebensumstände – viele Menschen in Dresden führen ihr Leben fernab klassischer Familienstrukturen. Und das ist völlig legitim. Trotzdem kann es wehtun, wenn Kollegen am Montag von Sonntagsbraten und Enkeltricks schwärmen.

Genau für solche Momente soll die Gruppe ein Raum sein: kein Mitleid, kein „Hast du denn gar niemanden?", sondern ehrlicher Austausch mit Menschen, die das kennen. Erstes Treffen: Sonnabend, 13. Juni 2026, 10 Uhr, Stadtforum Dresden, Beratungsraum 1-016, Waisenhausstraße 14.

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„Läuft bei dir!" – Wenn die Blase partout nicht mitspielen will

Der Titel der zweiten Gruppe ist mit Absicht doppeldeutig gewählt: „Läuft bei dir! – Leben mit Paruresis". Gemeint ist eine Erkrankung, die viele Männer betrifft, aber kaum einer zugibt: die sogenannte schüchterne Blase.

Wer an Paruresis leidet, kann in fremder Umgebung schlicht nicht urinieren – also auf öffentlichen Toiletten, bei der Arbeit oder zu Besuch. Was harmlos klingt, kann im Alltag massiv einschränken: Konzerte werden gemieden, Reisen werden zum Albtraum, der Arztbesuch endet peinlich.

Die neue Gruppe bietet Männer jeden Alters einen geschützten Rahmen, um offen über Erfahrungen, Strategien und Fortschritte zu sprechen. Das wichtigste Ziel dabei: zu merken, dass man nicht allein ist.

Ein erster Termin steht noch nicht fest – zunächst werden Interessierte gesammelt. Wer mitmachen möchte, meldet sich per Mail an kiss@dresden.de.

Selbsthilfe in Dresden: Die KISS macht's möglich
Beide Gruppen werden über die Kontakt- und Informationsstelle KISS der Landeshauptstadt Dresden koordiniert. Die Hauptstelle ist in der Industriestraße 21 (01129 Dresden) erreichbar – dienstags 9–12 und 14–18 Uhr, donnerstags 9–12 und 14–16 Uhr, montags und freitags nach Vereinbarung. Telefon: 0351-4884999, Mail: kiss@dresden.de. Mehr Infos: www.dresden.de/kiss und www.dresden.de/selbsthilfe

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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