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Sensation im Verkehrsmuseum Dresden: Legendärer Melkus RS 1000 nur für kurze Zeit enthüllt

Ein flacher, knallroter DDR-Sportwagen vom Typ Melkus RS 1000 steht im Rampenlicht auf einer niedrigen, schwarzen Bühne. Im Hintergrund stehen in einem hellen, weitläufigen Lichthof des Verkehrsmuseums Dresden zahlreiche Zuschauer, Fotografen und Museumsmitarbeiter im Halbkreis um das Fahrzeug.
Der „Ferrari des Ostens“ kehrt heim: Das Verkehrsmuseum Dresden hat am Mittwoch diesen knallroten Melkus RS 1000 (Baujahr 1972) feierlich enthüllt. Der spektakuläre Ankauf wurde unter anderem durch eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne finanziert und ist nur noch bis zum 21. Juni in einer exklusiven Preview zu sehen. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Ein Traum aus Glasfaser und Wartburg-Technik: Das Johanneum zeigt ab sofort den einzigen echten Serien-Sportwagen der DDR. Der spektakuläre Millionen-Kauf (unterstützt von Dresdner Bürgern) ist jedoch zunächst nur für wenige Tage zu sehen - und der Zugang birgt derzeit eine kleine Falle.

Dresden. Ein Sportwagen im Arbeiter- und Bauernstaat? Eigentlich nicht vorgesehen. Dass es ihn trotzdem gab, ist einem Dresdner zu verdanken - und genau dieser Wagen steht jetzt wieder dort, wo er herkommt. Vor Kameras, Förderern und Schaulustigen hat das Verkehrsmuseum Dresden am Mittwoch seinen Neuzugang enthüllt: einen knallroten Melkus RS 1000, den einzigen in Serie gebauten Sportwagen der DDR. 115.000 Euro kostete der Ankauf, die Kulturstiftung der Länder steuerte 36.666,67 Euro bei, wie Museum und Stiftung zur Präsentation mitteilten.

Museumsdirektor Michael Vogt erklärte, das Haus schließe damit eine Sammlungslücke, die lange geschmerzt habe. Der Wagen verbinde technischen Pioniergeist mit den Grenzen der DDR-Mangelwirtschaft und tauge deshalb gleich für mehrere Geschichten: über Automobilbau, Rennsport, Design und Wirtschaft im Osten. Bis Sonntag, den 21. Juni, ist das Fahrzeug zunächst in einer Preview im Johanneum zu sehen. Ab Frühjahr 2027 bekommt es dann einen festen Platz in der überarbeiteten Dauerausstellung „Straßenverkehr" - passend zum 75. Geburtstag des Museums.

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Melkus RS 1000: Wie der einzige DDR-Sportwagen entstand

Hinter dem Wagen steht der Dresdner Rennfahrer und Konstrukteur Heinz Melkus (1928–2005). Sein Plan, einen Sportwagen für Straße und Rennstrecke zu bauen, stieß bei den DDR-Oberen zunächst auf Ablehnung - ein „kapitalistisches" Vehikel schien entbehrlich. Ohne staatliche Genehmigung gab es jedoch kein Material. Melkus argumentierte deshalb geschickt im Sinne der Staatsführung und verkaufte das Projekt als Beitrag zum 20. Jahrestag der Republik. Der Trick funktionierte: Von 1969 bis 1979 entstanden in seiner Firma 101 Exemplare, weitgehend in Handarbeit.

Ein lächelnder Mann in einem beigen Sakko, dunklem Hemd und dunkler Hose steht an der linken Seite eines knallroten DDR-Sportwagens Melkus RS 1000. Die fahrerseitige Flügeltür des extrem flachen Autos ist nach oben geöffnet. Im Hintergrund des hellen, weiß gestrichenen Museums-Lichthofs stehen weitere Gäste im Halbkreis.
Stolz auf das Familienerbe: Sepp Melkus, Enkel des legendären Konstrukteurs Heinz Melkus, holte die Seriennummer 31 im Jahr 2022 aus einem privaten Museum in Belgien zurück. Foto: CdH

Die Basis lieferte der Wartburg 353, dessen Dreizylinder zu einem hochdrehenden, stärkeren Triebwerk umgebaut wurde. Die leichte Kunststoffkarosserie entstand gemeinsam mit den Robur-Werken in Zittau, die Flügeltüren zitierten den Mercedes 300 SL, die Silhouette blieb unter gut einem Meter Höhe. Vieles war improvisiert - an frühen Exemplaren dienten Fahrradlampen als Außenspiegel. Weil jeder Wagen einzeln gefertigt wurde, gleicht bis heute kaum einer dem anderen. Der Beiname „Ferrari des Ostens" hält sich seit DDR-Zeiten.

Seriennummer 31: Über Wittenberg und Belgien zurück nach Dresden

Das nun präsentierte Exemplar trägt die Seriennummer 31 und wurde Anfang 1972 fertiggestellt. Erster Besitzer war den Angaben zufolge ein Ingenieur aus Wittenberg, später stand der Wagen mehr als 30 Jahre in einem privaten Museum in Belgien, ehe ihn Sepp Melkus, der Enkel des Firmengründers, im Jahr 2022 zurückkaufte. Von ihm übernahm ihn jetzt das Museum. Das Fahrzeug ist nahezu im Auslieferungszustand erhalten, samt originalem Dreizylinder mit 992 Kubikzentimetern und dem Fünfgang-Getriebe, das die Dresdner Firma König einst für Melkus überarbeitete.

Die Marke selbst hatte weniger Glück: Ein Wiederbelebungsversuch mit dem Nachfolgemodell RS 2000 endete 2012 in der Insolvenz. Umso seltener sind erhaltene Originale - die meisten stehen in Privatsammlungen und sind öffentlich kaum zugänglich.

Crowdfunding auf 99funken: 68 Unterstützer spendeten für den Ankauf

Bezahlt wurde der Wagen aus vielen Töpfen. Neben der Kulturstiftung der Länder beteiligten sich die Sächsische Landesstelle für Museumswesen, die Volker-Homann-Stiftung, der Förderverein des Museums und private Spender. Den letzten Baustein lieferte eine Crowdfunding-Kampagne auf der Sparkassen-Plattform 99funken, über die DieSachsen.de bereits im März berichtete: Zwischen dem 9. März und dem 15. Mai kamen 11.235 Euro von 68 Unterstützern zusammen. Die Pflichtschwelle von 10.000 Euro wurde damit klar übertroffen, das ehrgeizigere Ziel von 15.000 Euro zu rund drei Vierteln erreicht. Die Ostsächsische Sparkasse verdoppelte die ersten 5.000 Euro.

Eine Gruppe von etwa 20 Männern und Frauen steht um die Vorderseite eines flachen, roten Sportwagens herum und hebt gemeinsam ein großes, graues Stofftuch von der Karosserie. Das Fahrzeug steht auf einer schwarzen Bühne im großen Lichthof des Johanneums. Am rechten Bildrand hält eine Person ein Smartphone hoch, um die Szene zu filmen.
Der Moment der Enthüllung: Verantwortliche des Verkehrsmuseums und private Unterstützer ziehen im Johanneum das graue Tuch vom roten Flitzer. Dank einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform „99funken“ und starker Förderer konnte die 115.000 Euro teure Sammlungslücke geschlossen werden. Foto: CdH

Wer mindestens 20 Euro gab, erhielt einen Bastelbogen des Sportwagens; für 500 Euro gab es ein von Sepp Melkus signiertes Foto, für 1.000 Euro ein Fotoshooting im Wagen selbst.

Preview im Johanneum: Öffnungszeiten und Besuchsinfos

Zu sehen ist der Melkus RS 1000 noch bis zum 21. Juni im Verkehrsmuseum am Neumarkt (Augustusstraße 1), dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Wegen Umbauarbeiten erfolgt der Zugang derzeit über den Hintereingang im Stallhof.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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