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Weltfrauentag 2026: Wo Dresden steht – und was noch fehlt

Weltfrauentag 2026: Wo Dresden steht – und was noch fehlt
Gleiche Qualifikation, ungleiche Bezahlung: In Dresden stehen Frauen und Männer beruflich nebeneinander – doch die Lohnlinie verläuft nicht auf gleichem Niveau. Das Bild zeigt: Die Lücke ist strukturell, nicht individuell. Symbolbild: KI/copilot/microsoft
Von: Cornelius de Haas

Seit dem ersten Internationalen Frauentag vor über 100 Jahren ist viel erreicht worden: Wahlrecht, Bildungszugang, rechtliche Gleichstellung. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Auf dem Arbeitsmarkt sind Frauen und Männer noch immer nicht gleichgestellt. Das zeigen aktuelle Zahlen für Dresden und Sachsen – mit einem klaren Befund: Die Lücke liegt nicht an mangelnder Qualifikation der Frauen.

Die gute Nachricht

Dresdnerinnen sind gut im Job. Mit einer Beschäftigungsquote von 63,7 Prozent liegt Dresden deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 60 Prozent. Und auf der mittleren Führungsebene haben Frauen in Ostdeutschland inzwischen mit den Männern so gut wie gleichgezogen – ihr Anteil liegt dort bei 46 Prozent.

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Die unbequeme Wahrheit

Trotzdem verdienen Frauen in Dresden rund 10,5 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen – sachsenweit einer der höchsten Werte. Zum Vergleich: In Ostdeutschland liegt die Lücke bei 5,1 Prozent, bundesweit bei 17,2 Prozent.

Das Besondere daran: Dieser Unterschied lässt sich nicht einfach mit Teilzeit oder Berufswahl erklären. Aktuelle IAB-Forschung zeigt, dass sächsische Frauen bei Qualifikation und Berufswahl besser aufgestellt sind als Männer – und trotzdem weniger verdienen. Rechnet man alle messbaren Faktoren heraus, bleibt in Sachsen noch immer eine bereinigte Lohnlücke von knapp 10 Prozent. Sie deutet auf strukturelle Benachteiligung hin, die tief in Betriebskulturen verankert ist.

Ein konkretes Beispiel lieferte am Freitag die Sächsische Landesärztekammer: Sie verkündete per Pressemitteilung, dass die Ärzteschaft im Freistaat zu 54,5 Prozent von Frauen repräsentiert wird – die Bevölkerung also mehrheitlich von Frauen medizinisch versorgt wird. In leitenden Krankenhauspositionen aber beträgt der Frauenanteil gerade einmal 17 Prozent (129 von 739 leitenden Stellen). Mehr Frauen im Beruf bedeutet eben nicht automatisch mehr Frauen in Führung.

Bundesweit besetzen Frauen nur 29 Prozent der obersten Führungspositionen – obwohl sie 45 Prozent aller Beschäftigten stellen. In 20 Jahren stieg dieser Anteil um gerade einmal vier Prozentpunkte.

Was wirklich hilft

Die Forschung ist eindeutig: Betriebe, die echte Vereinbarkeit ermöglichen – Kinderbetreuung, Kontakt während der Elternzeit, aktive Väterförderung – haben messbar mehr Frauen in Führungspositionen. Seit 2016 ist der Anteil familienfreundlicher Betriebe zwar von 32 auf 59 Prozent gestiegen. Doch flexible Arbeitszeiten allein reichen nicht. Konkrete Kinderbetreuungsunterstützung bieten bisher nur 12 Prozent der Betriebe an – und spezielle Freistellungen für Väter sogar nur 4 Prozent.

Auch gesellschaftlich ist noch Arbeit nötig: Solange Karriereunterbrechungen fast ausschließlich Frauensache sind, bleibt die Lohnlücke bestehen. Mehr Väter in Elternzeit ist kein nettes Extra – es ist ein wirksames Gleichstellungsinstrument.

Ob Wiedereinstieg nach der Elternzeit, Rückkehr in Vollzeit oder als Unternehmen auf der Suche nach passenden Beschäftigungsmodellen: Die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) der Agentur für Arbeit Dresden, Ingrun Freudenberg, berät kostenlos und individuell: Tel.: 0351 2885 1464 | E-Mail: dresden.bca@arbeitsagentur.de

Quellen: IAB-Regional Sachsen 1/2026 · IAB-Kurzbericht 24/2025 · Agentur für Arbeit Dresden

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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