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Allianz für die Elbschlösser: So will ein neuer Verein Dresdens Panorama retten

Sieben Personen stehen im Halbkreis auf der sonnigen Terrasse von Schloss Albrechtsberg vor dem Panorama des Dresdner Elbtals. Von links nach rechts: Stephan Kühn, Lars Knüpfer, Uwe Schmidt, Christiane Filius-Jehne, Lutz Müller, Carsten Dietmann und Mirco Meinel. Die Gruppe bildet den Vo
Starke Allianz: Die Akteure des neuen Fördervereins auf der Terrasse von Schloss Albrechtsberg: (v.l.n.r.) Baubürgermeister Stephan Kühn, Lars Knüpfer (Vorsitzender), Uwe Schmidt (Schatzmeister), Christiane Filius-Jehne, Winzer Lutz Müller, Carsten Dietmann und Mirco Meinel. Der am 22. April gegründete Verein möchte bürgerschaftliches Engagement bündeln, um die Sanierung und den Erhalt des Schloss-Ensembles finanziell zu unterstützen. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Was der Verein anders machen will als der insolvente Förderverein Lingnerschloss – und warum der Baubürgermeister selbst mitmacht

Dresden. Während um das Lingnerschloss noch ein Rechtsstreit tobt, hat sich nebenan in Schloss Albrechtsberg ein neuer Förderverein der Öffentlichkeit vorgestellt. Gegründet am 22. April, zwölf Mitglieder stark. Das Ziel: Schloss Albrechtsberg und das Lingnerschloss erhalten und sanieren. Aber anders als bisher.

Wer steckt dahinter?

Vorsitzender ist Lars Knüpfer, Geschäftsführer der Dresden Information. Zum Vorstand gehören außerdem Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne), Kulturveranstalter Mirco Meinel – bekannt als Macher der Dresdner Schlössernacht –, die ehemalige Grünen-Stadträtin Christiane Filius-Jehne, Carsten Dietmann als Mitgesellschafter der Lingnerterrassen sowie Rechtsanwalt Uwe Schmidt und Winzer Lutz Müller, der seinen Weinberg am Schloss bewirtschaftet.

Sieben Personen stehen auf einer breiten Steintreppe vor einem historischen Gebäude. In der vorderen Reihe stehen Carsten Dietmann (braune Jacke), Lutz Müller (Vollbart), Christiane Filius-Jehne (grüner Pullover) und Uwe Schmidt (dunkle Jacke). Dahinter sind Lars Knüpfer (blaues Hemd), Mirco Meinel (Brille, schwarze Jacke) und Baubürgermeister Stephan Kühn (graues Sakko) zu sehen.
Engagiert für Dresdens Erbe: Die Gründungsmitglieder des am 22. April ins Leben gerufenen Fördervereins „Dresdner Elbschlösser“ auf den Stufen von Schloss Albrechtsberg. Von links nach rechts: Carsten Dietmann, Lars Knüpfer, Lutz Müller, Mirco Meinel, Christiane Filius-Jehne, Stephan Kühn und Uwe Schmidt. Foto: CdH

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Drei der Vorstandsmitglieder – Kühn, Filius-Jehne und Dietmann – sind zugleich Mitglieder im insolventen Förderverein Lingnerschloss und haben dessen Vorstand über das neue Engagement informiert. Den neuen Verein als Konkurrenz zu sehen, wäre falsch, betonen sie.

Was will der Verein anders machen?

Der Förderverein Lingnerschloss hat seit 2003 Beachtliches geleistet: 17,5 Millionen Euro Spenden eingeworben, rund 90 Prozent der Bausubstanz saniert. Und ging trotzdem pleite. „Bauen und verwalten sollte nicht Aufgabe eines ehrenamtlichen Vereins sein", sagt Carsten Dietmann. Die Insolvenz zeige, wie schnell man sich dabei übernehmen könne. Pandemie, Inflation und Energiekrise hatten den Cashflow des Vereins schließlich zum Erliegen gebracht.

Der neue Verein will deshalb vor allem eines: Spenden sammeln und die Sanierung beider Schlösser aus der Bürgerschaft heraus unterstützen. Schatzmeister Uwe Schmidt bringt es so auf den Punkt: „Wir rufen nicht nach dem Staat, sondern machen einfach los. Aber wir hoffen auf große Unterstützung, damit wir eine breite Basis haben." Bauherrin beider Schlösser ist die Stadt Dresden; den Betrieb von Schloss Albrechtsberg übernimmt die Messe Dresden. Beim Lingnerschloss ist die Frage der künftigen Trägerschaft noch offen – sie hängt vom Ausgang des laufenden Rechtsstreits ab. Bis zum 19. Mai sollen Verhandlungen über einen Vergleich zwischen Stadt und Insolvenzverwalter vor dem OLG abgeschlossen sein. Das letzte Wort hat der Stadtrat.

Knüpfer ist gleichzeitig realistisch, was die Erwartungen angeht: „Wenn man sich die Schlösser so anschaut, dann kommt schnell eine große Wunschliste zusammen, was alles gemacht werden müsste. Wir werden uns aber schon auf die wesentlichen Punkte fokussieren. Und: Die Schlösser sind ja trotzdem nach wie vor ein Thema für die öffentliche Hand."

Wie marode sind die Schlösser?

Beim Lingnerschloss sind laut Baubürgermeister Kühn nur noch vergleichsweise kleinere Summen nötig – etwa für den unteren Saal. Anders bei Schloss Albrechtsberg: „In den nächsten Jahren werden etwa zehn Millionen Euro benötigt" - nur für Dach, Fassaden, Fenster, Haustechnik und Brandschutz. Messe-Chef Markus Kluge, dessen Gesellschaft das Schloss als gefragtes Veranstaltungshaus betreibt („Wir haben hier über 200 Veranstaltungen im Jahr, davon etwa 100 Eheschließungen, aber es gibt zum Beispiel auch Firmenfeiern und Preisverleihungen"), denkt zudem über einen Fahrstuhl nach, damit das Schloss barrierefrei nutzbar wird. „Die finanziellen Herausforderungen sind enorm", sagt Kluge.

Einen ersten Schritt beim Dach hat der Bund bereits ermöglicht: Im März 2026 bewilligte der Haushaltsausschuss des Bundestages rund 247.500 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm. Die Dachsanierung soll 2027 starten.

Konkreter läuft es bereits am Römischen Bad unterhalb von Schloss Albrechtsberg. Seit mehr als zwei Wochen steht das Gerüst an den Kolonnaden. Der erste Bauabschnitt kostet 4,2 Millionen Euro, Bund und Freistaat tragen rund 2,58 Millionen davon. Für den zweiten Abschnitt – weitere 3,5 Millionen Euro – fehlt noch Geld. Die Stadt braucht eine Million Euro an privaten Spenden, um überhaupt weitere Fördermittel beantragen zu können. Seit Mai 2025 sind 150.000 Euro eingegangen. Auch diese Kampagne will der neue Verein übernehmen und beleben.

Was sich der Baubürgermeister erhofft

Kühn erklärt es schlicht: „Die Bürgerinnen und Bürger spenden lieber an einen Verein als an die Stadt." Das zeige sich bereits beim Römischen Bad, wo die städtische Spendenkampagne eher schleppend läuft. „Beide Schlösser gehören den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt. Nur mit einem bürgerschaftlichen Engagement aus der Mitte der Stadtgesellschaft wird der Erhalt und die Sanierung des historischen Ensembles gelingen."

Kulturveranstalter Mirco Meinel, der die Dresdner Schlössernacht seit 15 Jahren mitgestaltet, sieht das ähnlich: Durch die besondere Nutzung der Schlossanlagen würden zahlreiche neue Gäste nach Dresden gezogen, wovon die Stadt unmittelbar profitiere.

Was könnte aus dem Ensemble werden?

Knüpfer hebt die strategische Bedeutung der Schlösser hervor: „Die Schlösser haben eine enorme Bedeutung für den Tourismus. Der Blick über die Stadt, der Blick auf die Elbe und der Wein sind schon einzigartig."

Eine klare Ansage kommt von Christiane Filius-Jehne: „Uns ist wichtig, dass die Schlösser in städtischer Hand bleiben." Damit will der Verein möglichen Privatisierungsabsichten einen Riegel vorschieben. Gleichzeitig blickt sie weit nachdsa vorne: Wenn man beide Schlösser konsequent zusammendenke, ließen sich dort wegweisende kulturelle und touristische Visionen umsetzen – ähnlich wie es mit dem Kraftwerk Mitte und dem Kulturpalast in der Innenstadt gelungen sei. Die Stadt arbeitet parallel an einem Schlösserkonzept, das dem Stadtrat noch vorgelegt werden soll.

Mitglieder zahlen 150 Euro Jahresbeitrag, Firmen ab 500 Euro. Kontakt und Anmeldung sind über www.dresdner-elbschloesser.de möglich.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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