Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Dresden News

Wegen drohender DVB-Kürzungen: Dresdner Parteien-Bündnis will Carolabrücke halbieren

Sieben Lokalpolitiker von SPD, Linken und Grünen stehen nebeneinander im Gras am Elbufer in Dresden. Im Hintergrund fließt die Elbe unter blauem, leicht bewölktem Himmel vor der Kulisse der gegenüberliegenden Stadt.
Gemeinsamer Antrag: Die Stadtbezirksbeiräte Felix Göhler (Neustadt), Alex Wonneberger (Altstadt, beide SPD), Esther Ludwig (Altstadt), Philipp Grimm (Neustadt, beide Die Linke), Hanna Ogrzewalla (Neustadt), Niclas Rentschler und Andrea Schubert (beide Altstadt, alle Bündnis 90/Die Grünen) fordern nur zwei Autospuren für die Carolabrücke, um den ÖPNV zu sichern. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Während bei Bus und Bahn in Dresden der Rotstift kreist, fordert eine Parteien-Allianz Radikales für die neue Elbquerung. Wie zwei Spuren weniger bis zu 50 Millionen Euro bringen sollen.

Dresden. Vertreter von Grünen, Linken, SPD und Dissidenten aus den Stadtbezirksbeiräten Altstadt und Neustadt fordern in einem gemeinsamen Antrag, den Ersatzneubau der Carolabrücke von vier auf zwei Fahrstreifen für den Autoverkehr zu reduzieren. Mit den eingesparten Zins- und Tilgungskosten wollen die Lokalpolitiker Spielräume schaffen, um drohende Kürzungen beim Dresdner Nahverkehr abzuwenden. Den entsprechenden Ergänzungsantrag bringen die Fraktionen von Grünen, Linken, SPD und Dissidenten vor den Entscheidungen im Bauausschuss (am Mittwoch) und im Stadtrat (am Donnerstag) ein.

Mehr aus dieser Kategorie

Millionen-Einsparungen sollen Nahverkehr sichern

Die Initiative verweist auf die klamme Haushaltslage der Landeshauptstadt. Die Reduzierung der Brückenbreite würde die reinen Baukosten um 25 bis 30 Millionen Euro senken. Inklusive Zinsen und geringerer Unterhaltskosten über die Jahrzehnte rechnet die Koalition der Stadtbezirke mit einer Gesamtersparnis von 40 bis 50 Millionen Euro.

Diese Summen fehlen an anderer Stelle im städtischen Etat, argumentiert Niclas Rentschler, Stadtbezirksbeirat der Grünen in der Altstadt. Die Stadt verhandelt aktuell über Streichungen im ÖPNV, unter anderem bei der Linie 8 in die Südvorstadt. Allein die jährliche Ersparnis bei Zins und Tilgung von über zwei Millionen Euro könne das bestehende Bus- und Bahnangebot für mehrere Jahre absichern. Auch Esther Ludwig von den Linken verweist darauf, dass Dresden das Geld eher für sanierungsbedürftige Brücken wie an der Budapester Straße oder für soziale Projekte braucht.

Verkehrszahlen sprechen gegen vier Spuren

Inhaltlich stützt sich der Antrag auf Einschätzungen von Verkehrswissenschaftlern und der Fachexpertenjury. Die Verkehrsbelegung auf der Carolabrücke sank zwischen 2009 und 2022 um ein Drittel auf rund 2.400 Kraftfahrzeuge pro Stunde. Künftige Prognosen gehen von 1.900 bis 2.600 Fahrzeugen aus. Regelwerke für den Straßenbau sehen vier Spuren erst ab einer Auslastung von 3.600 Fahrzeugen vor.

Zudem entspricht die Verringerung dem Verkehrsentwicklungsplan, der die Bundesstraße 170 schrittweise aus dem Stadtzentrum verlagern soll. Alle am Wettbewerb beteiligten Planungsbüros haben bestätigt, dass ihre Entwürfe ohne neues Verfahren auf zwei Spuren angepasst werden können.

Ungewisse Mehrheiten im Stadtrat

Ob der Vorstoß im Stadtrat eine Mehrheit findet, ist offen. In den konservativen Fraktionen gilt die Vierspurigkeit bislang als gesetzt. Der Antrag wird am Donnerstag im Bauausschuss beraten, bevor der Stadtrat die finale Entscheidung über die Vorzugsvariante trifft.

Cornelius de Haas
Artikel von

Cornelius de Haas

Cornelius de Haas ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.