Dresden. Wenn am 14. und 15. September mehr als 1.500 KI-Fachleute ins Internationale Congress Center strömen, prangt ein Name besonders prominent auf den Plakaten der Konferenz „Brains on Silicon": Richard Socher. Dass die Veranstalter ausgerechnet ihn ins Schaufenster stellen, ist kein Zufall - der Mann, der in Dresden zur Schule ging, zählt heute zu den meistzitierten KI-Forschern der Welt. Und er kommt zu einem Zeitpunkt zurück, an dem sein Name international für eine der spektakulärsten Wetten der Branche steht.
Der Mann, der Maschinen das Lesen beibrachte
An den Eliteuniversitäten Princeton und Stanford forscht Socher früh an einem Feld, das damals noch als Nische gilt: künstliche neuronale Netze für die Sprachverarbeitung. 2014 wird er in Stanford promoviert, seine Dissertation über „Recursive Deep Learning" gewinnt den Preis für die beste Informatik-Doktorarbeit des Jahrgangs. Fachleute schreiben ihm zu, neuronale Netze überhaupt erst in die maschinelle Sprachverarbeitung gebracht zu haben - ein Grundstein für die heutigen großen Sprachmodelle wie ChatGPT. Seine Arbeiten wurden inzwischen weit über 200.000 Mal zitiert.
Auf die Forschung folgt das Unternehmertum. 2014 gründet Socher das Start-up MetaMind, das schon 2016 vom US-Konzern Salesforce übernommen wird. Dort steigt er zum Chefwissenschaftler auf, ehe er 2020 erneut etwas Eigenes wagt: you.com, eine KI-gestützte Suchmaschine, die Google die Stirn bieten will - werbefrei, datenschutzfreundlich und auf verlässliche Quellen bedacht. Heute zählt der Dienst Millionen Nutzer und verarbeitet rund eine Milliarde Schnittstellen-Abfragen im Monat.