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Vom Gymnasium Dresden-Plauen ins Silicon Valley: Der KI-Pionier Richard Socher kehrt heim

Vom Gymnasium Dresden-Plauen ins Silicon Valley: Der KI-Pionier Richard Socher kehrt heim
Symbolbild Dresden / pixabay paulsteuber
Von: Cornelius de Haas
Er gehört zu den einflussreichsten KI-Forschern der Welt, baut gerade ein Milliarden-Labor für selbstlernende Maschinen - und steht im September als Stargast auf der Dresdner Messe „Brains on Silicon". Das Porträt eines Heimkehrers, der die Zukunft programmieren will.

Dresden. Wenn am 14. und 15. September mehr als 1.500 KI-Fachleute ins Internationale Congress Center strömen, prangt ein Name besonders prominent auf den Plakaten der Konferenz „Brains on Silicon": Richard Socher. Dass die Veranstalter ausgerechnet ihn ins Schaufenster stellen, ist kein Zufall - der Mann, der in Dresden zur Schule ging, zählt heute zu den meistzitierten KI-Forschern der Welt. Und er kommt zu einem Zeitpunkt zurück, an dem sein Name international für eine der spektakulärsten Wetten der Branche steht.

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Eine Dresdner Kindheit zwischen DDR und Äthiopien

Geboren wird Richard Socher im August 1983 in Dresden, als Sohn zweier ostdeutscher Wissenschaftler. Ein Teil seiner Kindheit verläuft alles andere als gewöhnlich: Die Familie lebt zeitweise in Äthiopien. Zurück in Sachsen legt Socher sein Abitur am Gymnasium Dresden-Plauen ab - jener Schule, die ihn Jahrzehnte später noch beschäftigen wird.

Sein Weg führt zunächst nicht direkt in die Informatik, sondern über die Sprache: Socher studiert Computerlinguistik, erst in Leipzig bis zum Bachelor 2006, dann an der Universität des Saarlandes bis zum Master 2008. Diese Verbindung aus Sprache und Mathematik wird zum roten Faden seiner Karriere und zur Grundlage einer technologischen Revolution.

Der Mann, der Maschinen das Lesen beibrachte

An den Eliteuniversitäten Princeton und Stanford forscht Socher früh an einem Feld, das damals noch als Nische gilt: künstliche neuronale Netze für die Sprachverarbeitung. 2014 wird er in Stanford promoviert, seine Dissertation über „Recursive Deep Learning" gewinnt den Preis für die beste Informatik-Doktorarbeit des Jahrgangs. Fachleute schreiben ihm zu, neuronale Netze überhaupt erst in die maschinelle Sprachverarbeitung gebracht zu haben - ein Grundstein für die heutigen großen Sprachmodelle wie ChatGPT. Seine Arbeiten wurden inzwischen weit über 200.000 Mal zitiert.

Auf die Forschung folgt das Unternehmertum. 2014 gründet Socher das Start-up MetaMind, das schon 2016 vom US-Konzern Salesforce übernommen wird. Dort steigt er zum Chefwissenschaftler auf, ehe er 2020 erneut etwas Eigenes wagt: you.com, eine KI-gestützte Suchmaschine, die Google die Stirn bieten will - werbefrei, datenschutzfreundlich und auf verlässliche Quellen bedacht. Heute zählt der Dienst Millionen Nutzer und verarbeitet rund eine Milliarde Schnittstellen-Abfragen im Monat.

Die Milliarden-Wette auf Maschinen, die sich selbst verbessern

Doch der Grund, warum die KI-Welt gerade besonders genau auf Socher schaut, ist ein anderer. Anfang 2026 gründet er ein neues Labor: Recursive Superintelligence. Im Mai tritt das Unternehmen mit einem Paukenschlag aus dem Verborgenen - 650 Millionen Dollar Startkapital bei einer Bewertung von 4,65 Milliarden Dollar, eingesammelt unter anderem von Googles Wagniskapitalarm GV sowie den Chip-Riesen Nvidia und AMD. Und das, obwohl das Team weniger als 30 Mitarbeiter zählt und noch kein einziges Produkt vorweisen kann. 

Die Idee dahinter ist so kühn wie umstritten: KI-Systeme, die sich in einer immer schnelleren Schleife selbst verbessern - bis sie irgendwann jeden menschlichen Forscher überflügeln. Socher nennt das die „dritte und vielleicht letzte Stufe neuronaler Netze". Kritiker verweisen auf die enorme Bewertung ohne fertiges Produkt und auf die Sicherheitsfragen, die selbstverbessernde Maschinen aufwerfen. Socher selbst gibt sich überzeugt, schon bald lieferbare Produkte zeigen zu können - „in Quartalen, nicht Jahren".

Ein Brückenbauer zwischen Silicon Valley und Silicon Saxony

Bei allem Erfolg im Valley hat Socher seine Heimatstadt nie ganz losgelassen. 2024 verlieh ihm die TU Dresden die Ehrendoktorwürde - nicht nur für seine Forschung, sondern ausdrücklich auch für sein Engagement vor Ort. An seinem früheren Gymnasium in Dresden-Plauen half er, das „SchülerInnovationsZentrum Richard Socher" aufzubauen, in dem Jugendliche praxisnah Informatik und KI lernen. TU-Rektorin Ursula Staudinger würdigte ihn als jemanden, der „die Entfernung zwischen Silicon Saxony und Silicon Valley verkürzt".

Genau in dieser Rolle wird er im September auf der „Brains on Silicon" zu erleben sein - als globaler KI-Vordenker mit sächsischen Wurzeln, der zwei Welten verbindet. Wer den Menschen hinter dem Forscher sucht, findet ihn übrigens fernab der Bildschirme: In seiner Freizeit fliegt Socher mit dem Paramotor und fotografiert. Vielleicht ist es genau dieser Blick aus der Höhe, der ihn antreibt - das Ganze zu sehen, bevor andere es überhaupt erahnen.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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