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Vom Eisbär zum Pflege-Retter: Das Millionen-Projekt der Knut-Apotheke aus Dresden

Romy Schneider, Jasmin Schmähl und Michael Gäbe stehen vor dem Eingang der Knut-Apotheke in Dresden und präsentieren ein langes Band maschinell verblisterter Medikamentenbeutel.
Zeit sparen in der Pflege: Romy Schneider, Jasmin Schmähl (beide advita Pflegedienst) und Apotherker Michael Gäbe (v. l.) präsentieren verblisterte Arzneien vor der Dresdner Knut-Apotheke. Die automatisierten Beutel entlasten Pflegedienste spürbar. Foto: meeco Communication Services
Von: Cornelius de Haas
Bislang saßen Pflegekräfte stundenlang da und füllten Medikamente von Hand in kleine Döschen - Fach für Fach, Patient für Patient. Eine Dresdner Apotheke will damit Schluss machen und verpackt die Arznei stattdessen maschinell. Das spart Zeit, die woanders dringend gebraucht wird.

Dresden. Das wöchentliche Sortieren von Tabletten kostet in der Pflege viel Zeit - und ist fehleranfällig. Eine Fachkraft ist mitunter stundenlang damit beschäftigt, die richtigen Präparate in die richtigen Fächer der richtigen Patienten einzusortieren. Die Dresdner Knut-Apotheke will hier ansetzen und investiert in die maschinelle Verblisterung: Statt lose Döschen zu befüllen, verpackt sie die Medikamente automatisiert in beschriftete Einzelbeutel. Das soll Pflegediensten und Heimen Arbeit abnehmen - und damit mehr Zeit für die Patienten schaffen.

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Vom lateinischen Bären zum Eisbären: die Geschichte hinter dem Namen

Hinter der Apotheke steht Michael Gäbe, nach eigener Angabe Apotheker in vierter Generation. Er studierte Pharmazie und Wirtschaftswissenschaften und arbeitete bis vor zwei Jahren als leitender Angestellter für einen Apothekenverbund in Leipzig, ehe es ihn im Februar 2024 nach Dresden zog. Dort übernahm er die frühere Urs-Apotheke - und gab ihr einen neuen Namen. „Früher dachten viele, hier führt ein Schweizer namens Urs seine Apotheke. Da Urs lateinisch für Bär steht, haben wir unsere Stammkunden nach einem neuen Spitznamen für unser Eisbär-Maskottchen gefragt", erzählt Gäbe. Das Ergebnis: die Knut-Apotheke.

Was Verblisterung bedeutet - und warum sie in der Pflege hilft

Bei der Verblisterung werden alle Medikamente eines Patienten für eine ganze Woche portionsweise in einzelne Beutel abgefüllt, versehen mit Name, Einnahmezeitpunkt und Präparat. In skandinavischen und angelsächsischen Ländern ist das Verfahren längst verbreitet; in Deutschland gibt es nach Gäbes Einschätzung noch Nachholbedarf. Im vergangenen Jahr hat die Apotheke nach eigenen Angaben über 2,1 Millionen solcher Einzelbeutel abgegeben - für derzeit rund 1.300 Patienten und an Pflegedienste sowie Heime im Umkreis von bis zu 60 Kilometern. Die abschließende Kontrolle liege weiterhin bei der Pflegekraft, die die Arznei vor der Ausgabe mit dem hinterlegten Medikationsplan abgleiche, betont Gäbe.

Michael Gäbe, Romy Schneider und Jasmin Schmähl stehen im Vorbereitungsraum der Apotheke vor roten Sortierkisten und halten verblisterte Medikamentenbeutel in den Händen.  Bildunterschrift (246 Zeichen)
Mehr Präzision, weniger Aufwand: Michael Gäbe, Romy Schneider und Jasmin Schmähl (v. l.) mit verpackten Medikamentenrollen. Durch die maschinelle Verblisterung in der Knut-Apotheke sinkt die Fehlerquote bei Einnahmen unter 0,01 Prozent. Foto: meeco Communication Services

Ein Rechenbeispiel aus der Pflege

Wie groß die Entlastung sein kann, rechnet Romy Schneider vor, regionale Vertriebsmanagerin des advita Pflegedienstes für Ostsachsen. „Wenn wir bislang pro Patient etwa 30 Minuten für das wöchentliche Befüllen von Medikamentendöschen benötigten, kann das im Betreuten Wohnen mit 30 Bewohnern 15 Stunden Arbeitsleistung bedeuten, die wir nicht direkt mit dem Patienten verbringen können." Beim vorherigen Partner habe zudem alles noch per Fax bestellt werden müssen. Jasmin Schmähl, Pflegedienstleiterin bei advita Dresden, ergänzt, der Wechsel habe dem Team spürbar organisatorische Arbeit abgenommen.

Pflegerin Polina John steht lächelnd neben der im Sessel sitzenden Seniorin Renate Leuner, die gerade eine Tablette nimmt und ein Glas Wasser in der Hand hält.
Einfache Handhabung im Pflegealltag: Pflegerin Polina John und Bewohnerin Renate Leuner im advita-Haus Striesen. Die vorgefertigten Arzneibeutel erleichtern die tägliche Einnahme und schaffen wertvolle Zeit für die Betreuung. Foto: meeco Communication Services

Reinraum und fotooptische Kontrolle

Verpackt werden die Medikamente laut Apotheke maschinell in einem Reinraum, am Ende steht eine fotooptische Kontrolle. Die Fehlerquote bei der Einnahme liege dadurch unter 0,01 Prozent - so die Angabe des Betreibers. Gäbe verweist außerdem auf begleitende Leistungen wie die Kümmerung um Folgerezepte, digitale Abläufe und eine Prüfung jeder Medikation auf Verträglichkeit. Auch einen Nachhaltigkeitseffekt reklamiert er für sich: Durch die Einzeldosierung falle weniger Verpackungsmüll an.

Das Ziel: über 10.000 Patienten in zwei Jahren

Die Investition soll erst der Anfang sein. „Der Plan ist, dass wir in zwei Jahren über 10.000 Patienten versorgen", sagt Gäbe. Dafür stecke die Apotheke einen sechsstelligen Betrag in Büroräume, eine Lagerhalle, Verblisterungsmaschinen und Reinräume. Profitieren sollen davon Pflegedienste und Heime in Mittel- und Ostsachsen. Weitere Informationen gibt es unter www.knut-apotheke-dresden.de.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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