Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Dresden News

Sicherheitsbericht 2025: Leipzig bleibt Kriminalitäts-Hotspot, Dresden meldet Gewalt-Anstieg

Nahaufnahme eines eingeschalteten blauen Blinklichts auf dem Dach eines Polizeifahrzeugs bei Tag.
Blaulicht im Einsatz: Sachsens Polizei steht vor wachsenden Herausforderungen – mehr Gewaltdelikte, explodierende Betrugsschäden und steigende Einsatzzahlen bei gleichbleibendem Personal. Foto: pixabay/RayMediaGroup
Von: Cornelius de Haas

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 zeichnet für Dresden und Leipzig auf den ersten Blick ein positives Bild: In beiden Städten sind die Gesamtzahlen registrierter Straftaten gesunken. Doch hinter der Headline verbergen sich gegenläufige Trends, die die Polizeipräsidenten beider Direktionen alarmieren – und die zeigen, dass weniger Straftaten nicht gleichbedeutend ist mit mehr Sicherheit.

Leipzig bleibt die am stärksten belastete Polizeidirektion Sachsens

Mit 91.329 erfassten Fällen im gesamten Direktionsbereich – davon 65.602 allein in der Stadt Leipzig – verzeichnet die Polizeidirektion Leipzig mehr als doppelt so viele Straftaten wie Dresden mit seinen 42.735 Fällen. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr beträgt in Leipzig 4,9 Prozent, in Dresden sogar 9,7 Prozent. Gemessen an der Einwohnerzahl bleibt Leipzig mit einer Häufigkeitszahl von 8.524 Straftaten je 100.000 Einwohner deutlich stärker belastet als Dresden, das auf 7.565 kommt. Dieser Unterschied von rund 13 Prozent spiegelt Leipzigs Rolle als größere, dichter besiedelte Metropole mit einem ausgeprägten Zentrum wider – nicht notwendigerweise ein höheres Risiko für jeden einzelnen Einwohner, aber ein strukturell komplexeres Sicherheitsumfeld.

Mehr aus dieser Kategorie

Gewaltdelikte entwickeln sich entgegengesetzt

Am schärfsten treten die Gegensätze zwischen beiden Städten bei der Gewaltkriminalität hervor. Leipzig verzeichnete 2025 einen Rückgang um 8,4 Prozent auf 2.461 Gewaltdelikte – ein Erfolg, den Polizeipräsident René Demmler auf konsequente Aufenthaltsverbote am Hauptbahnhof, verstärkte Zusammenarbeit mit der Bundespolizei und gezielte Strafverfolgung zurückführt. In Dresden dagegen stieg die Gewaltkriminalität um 7,2 Prozent auf 1.934 Fälle. Gefährliche und schwere Körperverletzungen erreichten mit 1.333 Fällen den höchsten Stand seit zehn Jahren, Raubdelikte stiegen um elf Prozent auf 471 Fälle. Als Reaktion richtet die Dresdner Polizeidirektion zum 1. April 2026 eine Koordinierungsstelle für Mehrfach- und Intensivtäter ein und setzt auf eine neue Citywache in der Innenstadt.

Digitaler Betrug treibt den Schaden in die Höhe

Das alarmierendste Signal des Jahres kommt aus Dresden, hat aber gesamtgesellschaftliche Relevanz: Der durch Kriminalität verursachte Gesamtschaden verdoppelte sich auf rund 75,9 Millionen Euro. Den größten Anteil daran haben Betrugsdelikte, die allein 44,5 Millionen Euro Schaden verursachten – nach 9,6 Millionen im Vorjahr. Parallel dazu stiegen Cybercrime-Fälle in Dresden um 19,2 Prozent auf 1.069. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich liegt bei nur 26,6 Prozent, was die Grenzen klassischer Ermittlungsarbeit gegenüber international organisierten digitalen Täterstrukturen verdeutlicht.

Sexualstraftaten und Kinderpornografie nehmen zu

Ein weiterer Befund, der beide Städte betrifft: Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind gestiegen. In Dresden legten sie um 14,9 Prozent auf 865 Fälle zu, die Zahl der Kinderpornografie-Fälle wuchs um 27,9 Prozent auf 188. In Leipzig stieg die Zahl der registrierten Vergewaltigungen von 99 auf 132. Fachleute weisen darauf hin, dass ein Teil des Anstiegs auf eine gestiegene Anzeigebereitschaft und intensivere Ermittlungen zurückzuführen ist – doch die Größenordnung macht deutlich, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Jugendkriminalität sinkt, aber mit beunruhigenden Ausreißern

Entgegen dem bundesweiten Trend ging die Jugendkriminalität in Dresden um 9,8 Prozent zurück. Dennoch zeigen sich in einzelnen Kategorien gegenläufige Entwicklungen: Körperverletzungen durch Jugendliche nahmen zu, ebenso die Verbreitung pornografischer Inhalte unter Minderjährigen, die von 79 auf 117 Fälle stieg. In Leipzig beschäftigte eine eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe rund 200 Verfahren, die einer sehr kleinen Gruppe junger Wiederholungstäter zugeordnet werden konnten. Polizeipräsident Demmler zog daraus eine strukturelle Schlussfolgerung: Gesamtgesellschaftliche Lösungen müssten früher in der kindlichen Entwicklung ansetzen.

Cannabis-Gesetz verzerrt die Drogenstatistik

Die Rauschgiftkriminalität sank in beiden Städten deutlich – in Dresden auf den niedrigsten Wert seit einem Jahrzehnt. Beide Polizeipräsidenten warnen jedoch ausdrücklich vor Fehlinterpretationen: Das Konsumcannabisgesetz hat zahlreiche frühere Straftatbestände legalisiert und damit die Statistik erheblich verändert, ohne dass sich die reale Lage entsprechend verbessert hätte. Beunruhigend ist der Anstieg der Drogentoten: In Dresden starben 2025 sieben Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums, nach vier im Vorjahr. Im gesamten Direktionsbereich Leipzig waren es elf.

Mehr Aufgaben, gleiches Personal

Hinter allen Einzeltrends steht eine strukturelle Herausforderung, die Demmler in Leipzig ungewohnt offen benennt: mehr Aufgaben, mehr Erwartungen – aber nicht mehr Personal. Steigende Einsatzzahlen, wachsende Städte und eine zunehmend digitale und komplexe Kriminalität treffen auf einen stagnierenden Personalbestand. Die sinkenden Gesamtzahlen sind daher kein Grund zur Entwarnung, sondern Anlass für eine ehrliche Debatte darüber, wie Sicherheit in Sachsens Großstädten künftig organisiert und finanziert werden soll.

Quellen: Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Polizeidirektion Dresden und Polizeidirektion Leipzig, jeweils vom 1. April 2026.

Cornelius de Haas
Artikel von

Cornelius de Haas

Cornelius de Haas ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.