„Produktive Unruhe“: Wenn zeitgenössische Kunst auf DDR-Archive trifft
Dresden. Das Kunsthaus Dresden und das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) eröffnen am Mittwochabend ab 18 Uhr die Ausstellung „Produktive Unruhe" in der Dresdner robotron-Kantine, Lingnerallee am Skatepark. Bis zum 26. Juli 2026 sind dort Werke von über 90 Künstlerinnen und Künstlern zu sehen - darunter Malerei, Grafik, Fotografie, Plakate und Filminstallationen. Der Eintritt ist frei.
Die Schau widmet sich der Kunst und Alternativkultur der 1980er Jahre in Dresden im Spannungsfeld der IX. und X. Kunstausstellung der DDR - jenen staatlichen Großschauen, die alle fünf Jahre im Albertinum und in den Ausstellungshallen am Fucikplatz präsentiert wurden. Die X. Kunstausstellung 1987/88 zählte 1.823 beteiligte Künstlerinnen und Gestalter sowie über eine Million Besucherinnen und Besucher - die größte Überblicksausstellung, die die DDR je veranstaltete.
Jahrzehntelang im Depot: Das Archiv des Zentrums für Kunstausstellungen
Den Ausgangspunkt der Ausstellung bildet ein ungewöhnlicher Fundus: das historische Grafikarchiv des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR (ZfK), das nach der Auflösung der Behörde 1990 an das ifa überging und seither in Depots schlummerte. Seit drei Jahren forschen Künstlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam in diesem Bestand - gefördert durch die Wüstenrot Stiftung. Ein Großteil der gezeigten Werke stammt aus diesem Archiv.
Ergänzt werden die historischen Arbeiten durch zehn Neuproduktionen, die eigens für die Ausstellung entstanden. Sie bringen Gegenwartsperspektiven ins Spiel - teils mit Bezug auf die eigene Familiengeschichte der beteiligten Künstlerinnen und Künstler. Hinzu kommt ein künstlerisches Zeitzeuginnenprojekt der Filmemacherin Sylvie Kürsten sowie eine zeichnerische Intervention von Olav Westphalen mit 30 weiteren Künstlerinnen und Künstlern am und im Gebäude.
robotron-Kantine Dresden: Vorletzte Gelegenheit vor der Sanierung 2027
Der Ausstellungsort ist Teil des Ereignisses. Die robotron-Kantine, ein Bau der DDR-Nachkriegsmoderne unmittelbar neben dem Deutschen Hygiene-Museum, erhielt 2023 den Denkmalschutzstatus. Ab 2027 wird das Gebäude mit Mitteln des Bundesförderprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus" sowie einer Spende der Familie Arnhold saniert. „Produktive Unruhe" ist die vorletzte Gelegenheit, den Bau vor der Sanierung in seinem ursprünglichen Zustand zu erleben.

Die Ausstellung ist Teil einer größeren ifa-Reihe unter dem Titel „Publik Machen", die parallel an fünf Standorten in Berlin gezeigt wird. Kuratiert haben sie Susanne Weiß (ifa) und Christiane Mennicke-Schwarz (Kunsthaus Dresden).
Begleitprogramm: Konzerte, Podiumsgespräche und Museumsnacht
- Mi, 20. Mai · 20 Uhr
Eröffnungskonzert: Freunde der Italienischen Oper - Mi, 27. Mai · 18 Uhr
Podiumsgespräch „Etwas musste raus" – musikalischer Underground der 1980er Jahre in Dresden.
Konzert: Der Schlagzeuger der Zwitschermaschine (20 Uhr) - Mi, 3. Juni · 18 Uhr
Vortrag und Gespräch: Das Publikum und die Kunstausstellungen der DDR sowie Documenta und DDR. Mit Prof. Dr. Bernd Lindner und Dr. Alexia Pooth - Sa, 20. Juni · 18 Uhr
Museumsnacht: Podiumsgespräch zu Alternativkulturen im Kunstschaffen der DDR. Konzert: Barbara Morgenstern, Support Tonia Reeh (21 Uhr) - Mi, 24. Juni · 19 Uhr
Vortrag und Gespräch: „Reise(un)freiheit – Kunst und Mobilität zur Zeit der DDR". Mit Prof. Dr. Kerstin Schankweiler (TU Dresden) und Anna Bromley - Fr–So, 26.–28. Juni
Öffentliche Probe: „Darkness Dark Wave – Cadavre Exquis" mit dem Studiengang Public Art and New Artistic Strategies der Bauhaus-Universität Weimar - Jeden 1. So · 15 Uhr
Geführte Ausstellungsrundgänge: 24. Mai, 7. Juni, 21. Juni, 5. Juli, 19. Juli (Eintritt frei)
„Produktive Unruhe" · 21. Mai bis 26. Juli 2026 | robotron-Kantine, Lingnerallee am Skatepark, 01069 Dresden | Öffnungszeiten: Mi–Fr 16–19 Uhr, Sa & So 12–18 Uhr · Eintritt frei | Weitere Informationen: agora.ifa.de