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Reise in die Unterwelt: Staatsoperette Dresden startet mit großer Mythensaison

Michael Ellis Ingram (links), Kathrin Kondaurow (Mitte) und Matthias Reichwald (rechts) stehen gemeinsam vor dem Logo der Staatsoperette Dresden bei der Vorstellung des neuen Programms.
Bereit für die „Reise in die Unterwelt“: Chefdirigent Michael Ellis Ingram (links), Intendantin Kathrin Kondaurow (Mitte) und der Leitende Regisseur Matthias Reichwald (rechts) präsentierten heute das Programm der Staatsoperette für die Saison 2026/27. Foto: Lutz Michen
Von: Cornelius de Haas
Von Orpheus bis „Anything Goes“: Die neue Spielzeit verbindet antike Stoffe mit Broadway-Glamour – trotz finanzieller Herausforderungen.

Dresden. Orpheus steigt in die Unterwelt hinab – und zieht die Staatsoperette Dresden gleich mit. Unter dem Motto „Reise in die Unterwelt“ hat das Haus am Kraftwerk Mitte heute seine neue Spielzeit 2026/27 vorgestellt. Inspiriert von antiken Mythen, Märchen und Geschichten über Grenzgänger jenseits aller Konventionen verspricht die Saison eine bemerkenswert breite Palette: vom zeitgenössischen Tanzabend über romantische Oper bis hin zum swingenden Broadway-Musical. Fünf Premieren stehen im Spielplan – und das vor dem Hintergrund eines angespannten städtischen Kulturhaushalts, dem auch die Staatsoperette nicht entkommen ist.

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Eine Uraufführung zum Saisonauftakt

Den Auftakt macht am 20. September eine echte Rarität: die Uraufführung des Tanzabends Ich, Eurydike. Chefdirigent Michael Ellis Ingram tritt dabei erstmals als Komponist in Erscheinung – eine Premiere in der Premiere. Die Choreografie stammt von Gabriel Pitoni, auf der Bühne vereinen sich Ballettkompanie, Chor und Musical-Solistin Sybille Lambrich. Das Stück konzentriert sich auf Eurydike, die Frau an Orpheus’ Seite, und erzählt den bekannten Mythos aus einer neuen Perspektive. Wer schon einen Tag früher dabei sein möchte: Am 19. September feiert der 3. Sommernachtsball mit einer Vorschau des Stücks die Saisoneröffnung.

Von Hänsel und Gretel bis Anything Goes

In der Adventszeit wagt das Haus dann den ausdrücklich als solchen beworbenen Ausflug in die große romantische Oper: Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel feiert am 7. November Premiere – inszeniert von Intendantin Kathrin Kondaurow persönlich, die die Figur der Hexe ins Zentrum rückt und bekannte Motive fantasievoll neu befragt. Es ist ein klassisches Familienstück, das hier eine zeitgemäße Neuperspektivierung erhält.

Im Februar 2027 kehrt mit Cole Porters Anything Goes ein Hit-Musical der goldenen Broadway-Ära zurück auf die Bühne. Regisseur Matthias Reichwald setzt auf ein temporeicher Abend zwischen Slapstick, Swing und Stepptanz. Die Titelrolle der Halbweltschönheit Reno übernimmt Publikumsliebling Sybille Lambrich, Gero Wendorff spielt den Verkleidungskünstler Billy – der Großteil der Besetzung kommt aus den eigenen Reihen des Ensembles.

Offenbach, Erich Kästner und ein Dresdner Bezug

Für das Frühjahr kehrt mit Jacques Offenbachs Pariser Leben eine der kongenialen Operetten des Hauses zurück, in einer neuen, temporeichen Spielfassung von Regisseur Peter Lund. In diesem Stück dürfen die Dienstboten endlich in die Rollen ihrer Herrschaften schlüpfen und auf den Tischen tanzen – Champagnerrausch inklusive. Lund, der bereits „Clivia“ an der Staatsoperette inszenierte, bringt die gesellschaftlichen Verhältnisse zum Tanzen.

Den Spielplan krönt schließlich ein Familienmusical mit besonderem Dresdner Bezug: Emil und die Detektive nach dem Roman des gebürtigen Dresdners Erich Kästner feiert am 2. Juli 2027 Premiere. In der Theatralisierung von Marc Schubring und Wolfgang Adenberg spielen Kinder und Erwachsene gleichermaßen die Hauptrollen – ein Glanzstück für den hervorragenden Kinderchor des Hauses.

Hitchcock trifft Live-Orchester

Neben den Premieren wartet die Saison mit einigen ungewöhnlichen Formaten auf. Alfred Hitchcocks Thriller Psycho wird im Januar 2027 im Festspielhaus Hellerau mit Live-Musik des Staatsoperettenorchesters zu erleben sein – eine Kooperation mit HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste. Im März folgt mit Carl Orffs Carmina Burana ein chorsinfonisches Großprojekt, an dem neben dem Ensemble des Hauses auch der Bürgerchor und Studierende der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber mitwirken. Die musikalische Leitung übernimmt Konrad Schöbel, der ab 2026/27 neuer Chordirektor des Hauses ist. Und wer selbst singen möchte: Neu im Programm ist „Karaoke im Kranfoyer“, dreimal in der Saison angesetzt.

Finanzdruck als Kulisse

Die Spielzeit entsteht unter dem Vorzeichen eines angespannten städtischen Kulturhaushalts. Geplante Kürzungen trafen die Dresdner Kultureinrichtungen bereits in der laufenden Planungsphase. Intendantin Kathrin Kondaurow formuliert es offen: „Die neue Saison entsteht unter anspruchsvollen finanziellen Rahmenbedingungen, die auch uns betreffen. Wir sehen dies zugleich als Ansporn, unsere künstlerische Vielfalt und Innovationskraft weiter zu entfalten.“ Kultusbürgermeisterin Annekatrin Klepsch sieht in dem vorgelegten Programm ausdrücklich eine Leistung, die Anerkennung verdiene.

Dass das Haus dabei auf einem stabilen Fundament steht, zeigen die Auslastungszahlen der laufenden Spielzeit: Seit September 2025 liegt die durchschnittliche Auslastung bei 80 Prozent. Alice im Wunderland spielte mit 99,7 Prozent nahezu ausverkauft, My Fair Lady kam auf 98,7 Prozent, Evita auf 98,5 Prozent. Wer so voll ist, kämpft nicht nur ums Überleben – er kämpft aus einer Position der Stärke.

INFO Vorverkauf für die Spielzeit 2026/27 startet am 30. April 2026. Saisonauftakt: 3. Sommernachtsball am 19. September 2026. Alle Informationen unter www.staatsoperette.de

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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