Dresden. Orpheus steigt in die Unterwelt hinab – und zieht die Staatsoperette Dresden gleich mit. Unter dem Motto „Reise in die Unterwelt“ hat das Haus am Kraftwerk Mitte heute seine neue Spielzeit 2026/27 vorgestellt. Inspiriert von antiken Mythen, Märchen und Geschichten über Grenzgänger jenseits aller Konventionen verspricht die Saison eine bemerkenswert breite Palette: vom zeitgenössischen Tanzabend über romantische Oper bis hin zum swingenden Broadway-Musical. Fünf Premieren stehen im Spielplan – und das vor dem Hintergrund eines angespannten städtischen Kulturhaushalts, dem auch die Staatsoperette nicht entkommen ist.
Von Hänsel und Gretel bis Anything Goes
In der Adventszeit wagt das Haus dann den ausdrücklich als solchen beworbenen Ausflug in die große romantische Oper: Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel feiert am 7. November Premiere – inszeniert von Intendantin Kathrin Kondaurow persönlich, die die Figur der Hexe ins Zentrum rückt und bekannte Motive fantasievoll neu befragt. Es ist ein klassisches Familienstück, das hier eine zeitgemäße Neuperspektivierung erhält.
Im Februar 2027 kehrt mit Cole Porters Anything Goes ein Hit-Musical der goldenen Broadway-Ära zurück auf die Bühne. Regisseur Matthias Reichwald setzt auf ein temporeicher Abend zwischen Slapstick, Swing und Stepptanz. Die Titelrolle der Halbweltschönheit Reno übernimmt Publikumsliebling Sybille Lambrich, Gero Wendorff spielt den Verkleidungskünstler Billy – der Großteil der Besetzung kommt aus den eigenen Reihen des Ensembles.
Offenbach, Erich Kästner und ein Dresdner Bezug
Für das Frühjahr kehrt mit Jacques Offenbachs Pariser Leben eine der kongenialen Operetten des Hauses zurück, in einer neuen, temporeichen Spielfassung von Regisseur Peter Lund. In diesem Stück dürfen die Dienstboten endlich in die Rollen ihrer Herrschaften schlüpfen und auf den Tischen tanzen – Champagnerrausch inklusive. Lund, der bereits „Clivia“ an der Staatsoperette inszenierte, bringt die gesellschaftlichen Verhältnisse zum Tanzen.
Den Spielplan krönt schließlich ein Familienmusical mit besonderem Dresdner Bezug: Emil und die Detektive nach dem Roman des gebürtigen Dresdners Erich Kästner feiert am 2. Juli 2027 Premiere. In der Theatralisierung von Marc Schubring und Wolfgang Adenberg spielen Kinder und Erwachsene gleichermaßen die Hauptrollen – ein Glanzstück für den hervorragenden Kinderchor des Hauses.