Dresden ordnet seine Prioritäten am Elbufer neu. Das seit 2011 laufende Planfeststellungsverfahren für den Ausbau des Elberadwegs zwischen der Johannstädter Fähre und dem Blauen Wunder wurde offiziell beendet. Damit reagiert das Rathaus auf die veränderten rechtlichen und ökologischen Rahmenbedingungen, die das alte Projekt nach jahrelangem Stillstand blockiert hatten. Doch der Abbruch ist kein generelles Aus: Die Stadt kündigte zeitgleich ein neues, erweitertes Planungsverfahren an, das nun den gesamten Abschnitt ab der Carolabrücke umfasst.
Kritik am „Zurück auf Los“
Trotz der Argumente der Stadt stößt der Stopp des alten Verfahrens auf Kritik. Für Beobachter und Verkehrsinitiativen markiert das Ende des Planfeststellungsverfahrens einen herben Rückschlag, da mühsam erarbeitete Kompromisse nun hinfällig sind. Dass Dresden nun wieder bei der Vorplanung beginnt, wird von Kritikern als Eingeständnis gewertet, dass über ein Jahrzehnt wertvolle Zeit verloren ging.
Die Stadtverwaltung hält dagegen: Die damalige Vorzugsvariante – ein parallel verlaufender Weg – entspreche nicht mehr dem heutigen Stand der Technik und würde unter aktuellen Naturschutzauflagen kaum noch genehmigt werden. „Das neue Genehmigungsverfahren schafft gegenüber einer Fortsetzung des früheren Verfahrens deutlich mehr Planungssicherheit“, heißt es aus dem Rathaus.
Fokus auf den gesamten Elbraum
Der neue Planungsansatz ist deutlich ambitionierter als der alte. Statt nur das Teilstück ab der Fähre zu betrachten, wird nun die gesamte Strecke ab der Carolabrücke inklusive wichtiger Querwege in die Stadtteile hinein überplant. Damit reagiert die Stadt auf Beschlüsse der politischen Gremien, die eine durchgängige und sicherere Radmagistrale fordern.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem sensiblen Naturraum. Die Johannstädter Elbwiesen sind durch mehrere Schutzkategorien, wie das Flächennaturdenkmal „Glatthaferwiese“, streng geschützt. Um Klagen von Naturschutzverbänden vorzubeugen, werden die ökologischen Gutachten nun bereits in die frühe Vorplanung integriert. Ziel ist es, eine Trasse zu finden, die sowohl den Anforderungen des Artenschutzes als auch dem Hochwasserschutz gerecht wird.