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Neue kostenlose Toilette in Dresden eröffnet: Hier können Sie sie jetzt nutzen

Graue, moderne öffentliche Toilettenanlage in der Ritterstraße Dresden-Neustadt vor der historischen Markthalle; barrierefreies Stadt-WC aus Metall.
Endlich offen: Die neue, barrierefreie Toilettenanlage in der Dresdner Ritterstraße direkt vor der historischen Markthalle. Nach zweieinhalb Wochen Wartezeit ist das erste Gratis-WC des neuen Stadtkonzepts nun offiziell in Betrieb. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
In Dresden gibt es eine neue öffentliche Toilette – und die kann kostenlos genutzt werden. Die Anlage steht an zentraler Stelle und ist täglich geöffnet. Alle Infos zu Standort, Zugang und Ausstattung im Überblick.

Der Anblick war für die Neustädter in den letzten zweieinhalb Wochen beinahe schon Alltag: Ein massiver grauer Block stand nahe Hauptstraße, fest verankert, aber eben noch außer Betrieb. Am Montagvormittag war es dann so weit: Die Bauzäune sind weg, die Türen offen. Wer vor dem neuen Häuschen in der Ritterstraße steht, sieht kein filigranes Designobjekt, sondern einen Funktionsbau, der auf Widerstand gebürstet ist.

„Die Toilette hat einen Graffiti-Schutzanstrich, der sich bereits bewährt hat", erklärt Axel Walther, Chef der Kommunalen Immobilien Dresden (KID). Ein kalter Wasserstrahl soll reichen, um Schmierereien zu Leibe zu rücken. Es sind Details wie diese, die zeigen: Hier geht es nicht um Schönheit, sondern um Durchhaltevermögen im harten Dresdner Alltag.

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„Wenn Stadtteilzentren funktionieren sollen..."

Baubürgermeister Stephan Kühn ließ es sich nicht nehmen, die Anlage persönlich einzuweihen. Für ihn ist das stille Örtchen eine Frage der Stadtqualität: „Wenn Stadtteilzentren funktionieren sollen, dann nur mit öffentlichen WCs", betonte Kühn. Er kenne das Problem aus eigener Erfahrung, ob als Vater mit Kindern oder als Beobachter der Touristenströme. Dass es nun endlich losgeht, verdankt die Stadt auch dem Druck aus dem Stadtrat. Kühn bedankte sich explizit bei CDU-Stadtrat Mario Schmidt, der das Thema maßgeblich „angeschoben" hatte.

Innenansicht einer modernen barrierefreien öffentlichen Toilette in Dresden mit Edelstahl-WC, Urinal, Haltegriffen und automatischem Waschbecken; helle Fliesen und dunkle Kontrastelemente.
Barrierefrei und modern: Ein Blick in das Innere der neuen 150.000-Euro-Anlage an der Ritterstraße. Die Kabine ist mit Edelstahl-Armaturen, Haltegriffen für Rollstuhlfahrer, einem Urinal sowie einem integrierten Waschmodul (Seife, Wasser, Trockner) ausgestattet und verfügt über eine Fußbodenheizung. Foto: CdH

Doch Schmidt selbst feiert nur verhalten. Dass der Quader nun schon seit über zwei Wochen dort stand, bevor sich die Türen endlich öffneten, passt für ihn ins Bild. „Der Zeitraum von gut zwei Jahren zwischen dem einstimmigen Stadtratsbeschluss vom 25. Januar 2024 und der Umsetzung ist zwar unbefriedigend, dennoch freuen wir uns doch, dass es jetzt losgegangen ist", so Schmidt. Besonders ein Standort lässt ihn zweifeln: der Wasaplatz in Strehlen. „An die Umsetzung am Wasaplatz glaube ich erst, wenn ich es sehe", gab er offen zu. Das Thema sei eines der Top-Anliegen, auf das er in fast jedem Bürgergespräch angesprochen werde.

150.000 Euro für Funktion und Planung

Drinnen im Zehn-Tonnen-Block ist die Ausstattung durchdacht: Eine Fußbodenheizung schützt die Anlage vor Frost, ein Wickeltisch richtet sich an Eltern mit Kleinkindern. Kostenpunkt für das Gesamtpaket: 150.000 Euro. Allein 100.000 Euro flossen in die Anlage selbst, der Rest in Planung und Tiefbau. Eigentlich sollte das Dach sogar begrünt werden, doch die „prekäre Haushaltslage" hat das Grün erst einmal gestrichen.

Hinweisschild mit Nutzungshinweisen in einer öffentlichen Toilette in Dresden; Piktogramme für Türverriegelung, Spülung und Notruf auf Deutsch und Englisch.
Klare Regeln für die Notdurft: Ein Schild im Inneren der neuen Anlage erklärt die Funktionsweise. Wichtig für Nutzer: Die maximale Nutzungszeit beträgt 15 Minuten (30 Minuten mit Euroschlüssel), bevor sich die Tür automatisch entriegelt. Auch ein Notruf-System ist integriert. Foto: CdH

Axel Walther von der KID begründete die Dauer zwischen Installation und Eröffnung mit der Komplexität des Aufbaus: „Der Aufbau dieser Anlagen ist komplexer als man denkt." Doch er versprach Besserung für die kommenden Standorte: „Wir sind mit den Vorplanungen jetzt soweit, dass es von nun an schneller gehen sollte." Geöffnet ist die Anlage in der Ritterstraße täglich von 8 bis 21 Uhr – synchron zum Leben auf der Hauptstraße. Wer einen Europaschlüssel für Schwerbehinderte besitzt, kommt jedoch jederzeit rein. Zweimal am Tag rückt der Reinigungstrupp an.

Die „Toilette für alle" und das Statik-Dilemma

Während in der Neustadt nun die Spülung läuft, hakt es woanders gewaltig. Die geplante „Toilette für alle" auf der Prager Straße – ein 23-Tonnen-Koloss mit Pflegeliege und Lifter – sucht noch immer ihre Scholle. Das Problem: Eine Tiefgarage unter der Einkaufsmeile ist für dieses Gewicht schlicht nicht ausgelegt. „Für die 'Toilette für alle' auf der Prager Straße wird noch nach einem passenden Standort gesucht. Grund dafür ist die Statikproblematik der Tiefgarage an der Prager Zeile", räumte Katrin Tauber vom Amt für Hochbau und Immobilienverwaltung ein.

Immerhin: Für andere Stadtteile gibt es konkrete Termine. Die Anlage am Albertplatz soll am 15. April geliefert und im Mai eröffnet werden – optisch anders als in der Ritterstraße in einer ovalen Form.

Baustelle für eine neue öffentliche Toilette am Albertplatz in Dresden; ausgehobene Grube mit Fundamentvorbereitung und Absperrzäunen vor Parkhintergrund.
Vorbereitungen am Albertplatz: Wo derzeit noch eine Baugrube klafft, soll bereits im Mai die nächste öffentliche Toilette eröffnen. Die Anlage wird eine ovale Form erhalten und ist Teil des ambitionierten Ausbauplans der Stadt Dresden für das Jahr 2026. Foto: CdH

Im Toeplerpark und an der Sachsenallee sollen die Anlagen in der zweiten Jahreshälfte 2026 fertiggestellt werden. Die Lennéstraße und der Ullersdorfer Platz sollen im Anschluss zeitnah folgen. Die Anlage am künftigen Busbahnhof Ammonstraße wird laut Tauber „deutlich größer" und soll spätestens zum Striezelmarkt 2027 in Betrieb gehen.

Ein Netz mit Löchern?

Dresden hat am Montag einen symbolträchtigen Schritt gemacht, doch die politische Kritik an der „Ausdünnung" des Netzes bleibt. Mario Schmidt mahnte, dass man bei den 13 geplanten Einrichtungen nicht stehen bleiben könne: „Denn das wäre de facto eine Reduzierung." Aktuell verweist die Stadt zwar auf 20 öffentliche Gebäude, deren WCs mitgenutzt werden können, sowie auf zehn Bestands-Anlagen wie im Torhaus an der Lingnerallee oder im Alaunpark. Doch für viele Dresdner bleibt das „stille Örtchen" wohl noch eine Weile ein rares Gut, auf das man – wie in der Ritterstraße – manchmal etwas länger warten muss.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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