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Dresden: ADFC zerpflückt alle vier Entwürfe für neue Carolabrücke

Eine Seitenansicht eines Radfahrers in einer leuchtend roten Sportjacke und einem neongelben Fahrradhelm, der von links nach rechts fährt. Er befindet sich hinter einem dunklen, gusseisernen Brückengeländer mit dekorativen Rundbögen, auf dem eine feine Schicht Schnee liegt.
Sicheres Radeln auch bei Eis und Schnee gefordert: Der ADFC Dresden zeigt sich enttäuscht von den vier Entwürfen für die neue Carolabrücke. Neben deutlich breiteren Radwegen pocht der Verein vor allem darauf, dass der Winterdienst von Beginn an konsequent eingeplant wird – bis hin zur konkreten Prüfung einer innovativen Fahrbahnheizung für die Radwege der meistgenutzten Elbquerung. Symbolbild: Pixabay/stocksnap-bridge
Von: Cornelius de Haas
Die Entwürfe stehen im Stadtforum, das Voting läuft - doch jetzt folgt die radikale Ernüchterung. Der Fahrradclub ADFC hat sich alle Modelle vorgenommen und kann kein einziges empfehlen. Die Kritik wiegt schwer: Für die wichtigste Rad-Querung der Stadt droht eine krasse Fehlplanung.

Dresden. Vier Entwürfe, vier Planungsteams, null Favoriten: Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Dresden hat sich alle Varianten für den Neubau der Carolabrücke vorgenommen - und kann keiner davon eine Empfehlung aussprechen. Zu schmal die Radwege, zu viele Kompromisse bei der Anbindung an den Elberadweg, zu wenig Mut bei der Flächenverteilung zwischen Auto und Fahrrad.

Dabei räumt der Verein in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme durchaus ein, dass sich etwas bewegt hat: Erstmals haben alle Teams die Anbindung an den Elberadweg auf beiden Elbseiten in ihre Konzepte eingebaut - obwohl der Stadtrat diese Verbindungen bislang nur als optional bewertet. Ein Fortschritt, der dem ADFC aber nicht weit genug geht.

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Zwei Meter Radweg - zu wenig für Dresdens meistgenutzte Elbquerung

Der Kern der Kritik ist schnell benannt: Radwegbreiten von teils nur zwei Metern sind nach Ansicht des ADFC für eine Hauptradroute schlicht zu schmal. Wer ein Lastenrad oder einen Kinderanhänger zieht, kommt kaum aneinander vorbei - und das auf einer Brücke, die täglich tausende Radfahrende nutzen werden.

Der Verein fordert mindestens 2,50 Meter je Fahrtrichtung - zuzüglich Sicherheitstrennstreifen zur Fahrbahn und zur Straßenbahn. Den nötigen Platz sieht der ADFC in allen vier Entwürfen bereits vorhanden: Die Fahrspuren für Autos seien teils so breit wie auf einer Autobahn. Eine Reduzierung dieser Breiten würde den Spielraum für Fuß- und Radverkehr kostenneutral vergrößern.

Elberadweg-Anschluss darf kein Anhängsel sein

Die Carolabrücke kreuzt auf beiden Elbseiten zwei der bedeutendsten Radachsen Dresdens - und genau dort hakte es bei der alten Brücke gewaltig: Fehlende oder schlecht definierte Rampen machten den Wechsel zwischen Brücke und Elberadweg zu einem Hindernisparcours.

Besonders gelobt werden die X-Rampenlösungen von FHECOR Deutschland und TSSB Planungsgesellschaft, die auf beiden Elbseiten die meisten Fahrtbeziehungen ermöglichen. Doch auch hier mahnt der ADFC: Rampen dürften nicht als nachrangige Ergänzung geplant werden, sondern müssten von Beginn an als wesentlicher Bestandteil des Brückenneubaus gedacht werden.

Brückenbalkon, Filmnächte, Winterdienst: Die oft vergessenen Details

Manche Forderungen in der Stellungnahme klingen ungewohnt konkret: Der ADFC warnt vor Konflikten zwischen Radfahrenden und Festivalbesuchern – etwa bei Filmnächten am Elbufer oder Konzerten auf der Neustädter Seite. Geplante Brückenbalkone könnten bei Großveranstaltungen den Radverkehr lahmlegen, wenn keine Trennvorrichtungen vorgesehen sind.

Auch der Winterdienst müsse von Anfang an mitgedacht werden - bis hin zur Prüfung einer Fahrbahnheizung für die Radwege. Und schließlich pocht der Verein darauf, dass der Neubau künftige Umbauten der St. Petersburger Straße nicht verbaut: Dresden will die B170 langfristig aus der Innenstadt verlagern - die neue Brücke dürfe diese Option nicht auf Jahrzehnte hinaus versperren.

Kein Veto, aber klare Bedingungen: ADFC will Planungsprozess begleiten

Die Stellungnahme endet nicht mit einem Nein, sondern mit einem konstruktiven Angebot: Der ADFC will den Planungsprozess begleiten und die besten Ansätze aus allen vier Entwürfen in die Diskussion einbringen. Welcher Entwurf letztlich weiterverfolgt wird, sei zweitrangig - entscheidend sei, dass er bis zur Ausführungsreife für den Radverkehr weiterentwickelt werde.

Die neue Carolabrücke werde das Dresdner Stadtbild und den Verkehr für Jahrzehnte prägen. Für den ADFC ist deshalb klar: Zeitdruck darf kein Argument sein, um beim Radverkehr zu sparen.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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