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Carolabrücke Dresden: Spurendebatte begleitet Start der Bürgerbeteiligung

Ein Blick aus leicht erhöhter Perspektive auf vier filigrane, weiße Architekturmodelle einer Brücke, die hintereinander auf weißen Tischen in einem hellen Ausstellungsraum platziert sind. Jedes Modell stellt eine andere Brückenkonstruktion über einem schmalen, dunkelblauen Flusslauf dar. Die Uferber
Dresdens neue Carolabrücke nimmt Gestalt an: Ab Sonnabend, dem 13. Juni 2026, stehen diese vier finalen Entwürfe im Stadtforum zur Bürgerbeteiligung bereit, parallel startet die Online-Abstimmung über carolaVOTE. Überschattet wird die Ausstellung von der hitzigen Diskussion, ob die Brücke vier Autospuren benötigt oder zugunsten von Kosten und Radwegen schmaler gebaut werden soll. Foto: CdH/Bearbeitung: KI/ChatGPT
Von: Cornelius de Haas
Schlank, schön, bezahlbar - über die Entwürfe herrscht erstaunliche Einigkeit. Umkämpft ist etwas anderes: Wer bekommt wie viel Platz auf Dresdens neuer Elbquerung?

Dresden. Vier Modelle, eine Stadt, ein Sommer zum Mitreden: Ab Sonnabend, dem 13. Juni 2026, können die Dresdner die Entwürfe für die neue Carolabrücke im Stadtforum begutachten und online über carolaVOTE abstimmen. Doch noch bevor die ersten Besucher vor den Modellen stehen, hat sich die Debatte auf eine Frage zugespitzt: Braucht die Brücke wirklich vier Autospuren - oder mehr Raum für Radfahrer und Fußgänger?

Kostenrisiko durch vier Fahrspuren?

Ausgelöst hat die Diskussion das Expertengremium zum Teil selbst. Es kürte am Mittwoch den Entwurf des Dresdner Büros Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) mit Knight Architects zum Favoriten, verband das Lob aber mit einer deutlichen Kostenwarnung. Alle vier Arbeiten lägen nahe der Preisobergrenze. Der Ausweg der Fachleute: Eine schmalere Brücke würde die Kostenrisiken erheblich senken - und zwar bei allen vier Entwürfen, ohne dass die Konzepte neu gezeichnet werden müssten. Der Verkehr ließe sich günstiger über umgebaute Kreuzungen flüssig halten.

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Das rührt an einen Grundsatzbeschluss: Im Juni 2025 hatte der Stadtrat vier Autospuren festgelegt. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Dresden forderte am Freitag, diese Vorgabe grundlegend zu überdenken. Nach detaillierter Analyse der Planungsunterlagen sieht der Verband trotz der hohen gestalterischen Qualität aller Entwürfe massive funktionale Defizite.

Um die Brückenbreite angesichts der vier festgesetzten Kfz-Spuren nicht zu überdehnen, würden gravierende Abstriche beim Fuß- und Radverkehr sowie bei den öffentlichen Aufenthaltsflächen hingenommen. Diese Priorisierung sei stadtplanerisch überholt. Bauzeichner Tobias Nicke verwies darauf, dass das Expertengremium selbst empfiehlt, den Gestaltungsspielraum und die Kostensicherheit durch den Verzicht auf teure, aber unnötige Kraftfahrstreifen zu erhöhen. Zudem warnt der Umweltverband vor den verkehrlichen Folgen der aktuellen Planungen.

Mehr Fahrstreifen erzeugen laut den offiziellen Unterlagen nachweislich zusätzlichen Kraftverkehr, während weniger Spuren die gleiche Leistungsfähigkeit böten und gleichzeitig erhebliche finanzielle Mittel sparten. Wie viele Autos über die Elbe kommen, entscheide sich ohnehin an den Kreuzungen davor und dahinter und keineswegs auf dem Bauwerk selbst, argumentierte Verkehrsplaner Tobias Piotrowski. Er kritisierte in diesem Zusammenhang scharf, dass Teile des Stadtrats diese verkehrswissenschaftliche Erkenntnis ignorieren. Der VCD erwartet für das anstehende Votum eine klare Vorgabe, die physisch getrennte und der Bedeutung der Elbquerung angemessene Flächen für den Fuß- und Radverkehr festschreibt.

Stadtrat entscheidet Anfang September

Die neue Carolabrücke müsse laut den Vertretern des Verbandes als zentraler „Stadtbalkon“ fungieren, statt reiner Verkehrsraum zu sein. Karsten Imbrock, Sprecher der VCD-Ortsgruppe, mahnte zu zukunftsfähigem Handeln bei dem Großprojekt: „Die neue Carolabrücke ist eine Investition für Jahrzehnte. Sie sollte das Dresden von morgen bauen, nicht das von gestern verwalten“.  

Aus dem Rathaus kommen derweil eigene Akzente. Der Vorsitzende des Expertengremiums, Prof. Steffen Marx, erläuterte am Mittwoch, LAP habe steigende Baupreise für die nächsten fünf Jahre bereits einkalkuliert.  Oberbürgermeister Dirk Hilbert und Tiefbauamtsleiterin Simone Prüfer merkten bei der Pressekonferenz zum Offenen Rathaus an, den Entwürfen mit Dresdner Beteiligung sei anzumerken, dass sie sich stärker mit der Einbindung in den Stadtraum beschäftigt hätten.

Wer mitdiskutieren will, hat dazu reichlich Gelegenheit: Die Ausstellung in der AGORA des Stadtforums läuft bis Mitte Juli, am Mittwoch, dem 17. Juni, stellen sich die Planungsbüros beim Bürgerdialog den Fragen der Dresdner. Das letzte Wort hat der Stadtrat am 3. September 2026.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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