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DDR-Kult im Elbepark: Ausstellung zeigt mehr als 250 Werbefiguren aus dem Osten

Sammler Torsten Meisel steht im Elbepark Dresden zwischen drei großen DDR-Werbefiguren: Das gelbe Telelotto-Männchen mit Aufschrift „Tele Lotto“, eine große Puppe in dunkelblauer Interflug-Uniform und das Leipziger Messemännchen mit MM-Logo auf dem Hut.
Kult-Maskottchen hautnah: Sammler Torsten Meisel präsentiert im Elbepark Dresden (23. April bis 2. Mai 2026) Highlights seiner beeindruckenden Sammlung. Zwischen dem gelben Tele-Lotto-Männchen, einer seltenen Interflug-Stewardess und dem weltbekannten Leipziger Messemännchen können Besucher in eine liebevoll kuratierte Zeitkapsel der DDR-Werbegeschichte eintauchen. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Im Elbepark Dresden startet am 23. April 2026 eine Zeitreise in die DDR-Werbewelt. Zu sehen sind mehr als 250 historische Maskottchen und Markenfiguren aus einer privaten Sammlung.

Zwischen Einkaufsbummel und Nostalgie öffnet der Elbepark Dresden im Frühjahr 2026 eine ungewöhnliche Zeitkapsel: Vom 23. April bis 2. Mai 2026 werden auf rund 300 Quadratmetern DDR-Werbefiguren und historische Maskottchen gezeigt – darunter bekannte Markenfiguren ebenso wie heute kaum noch erinnerte Werbegesichter.

Zum ersten Mal stellt der Dresdner Sammler Torsten Meisel Teile seiner Sammlung öffentlich aus. Die Präsentation trägt den Titel „Zeitreise – Kult-Maskottchen des Ostens“ und versteht sich als Blick zurück auf eine Werbewelt, die über Jahrzehnte den Alltag in der DDR geprägt hat.

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Vom Kinderzimmer zur Großsammlung

Der Ausgangspunkt der Sammlung liegt bei Meisel selbst im Privaten – genauer gesagt in einer Erinnerung an die eigene Kindheit. „Ich habe mich vor etwa 20 Jahren daran erinnert, was in meinem Kinderzimmer stand“, sagt er. „Dazu gehörten zum Beispiel der Minol Pirol, die Tele-Lotto-Figur und das Leipziger Messemännchen.“

Aus dieser Rückschau entwickelte sich ein Interesse, das schnell über Nostalgie hinausging. Meisel begann zu recherchieren – und stieß dabei auf Figuren, die selbst ihm zuvor unbekannt waren. „Das hat dann meinen Jagdtrieb geweckt.“

Flohmärkte, Kleinanzeigen und Sammler-Netzwerke

Heute umfasst seine Sammlung rund 900 Figuren. Gefunden werden sie nicht in Museen oder Archiven, sondern auf Flohmärkten, über Online-Kleinanzeigen oder über ein gewachsenes Netzwerk aus Händlern und Sammlern. „Wenn die eine interessante Figur reinbekommen, kann es sogar sein, dass sie mich direkt kontaktieren“, so Meisel.

Auch innerhalb der Szene wird intensiv getauscht und gehandelt. Der Preis spielt dabei oft nur eine Nebenrolle. „Wenn ich bei anderen Sammlern etwas Interessantes entdecke, dann wird solange gefeilscht, bis ich es habe. Da gibt es auch kaum finanzielle Grenzen.“

Mehr als 900 Figuren – und doch kein abgeschlossenes Archiv

Die Sammlung besteht nicht nur aus Einzelstücken. Viele Figuren sind mehrfach vorhanden – auch, um gezielt tauschen zu können. Ergänzt wird das Konvolut durch Sammlerhilfen wie sogenannte Drei-Monats-Planer, die beim Überblick über Bestände und Tauschobjekte helfen. Zwischen den bekannten Motiven finden sich auch überraschende Raritäten. Besonders hervorgehoben wird eine Lufthansa-Stewardess aus den 1950er-Jahren.

Historisch ordnet Meisel die Entwicklung der Werbefiguren klar ein: Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren sei zunehmend gespart worden, später habe man häufig nur noch einfache Standardfiguren mit aufgedruckten Logos genutzt. Ab den 1980er-Jahren sei die Produktion neuer Figuren schließlich eingestellt worden.

Hoher Aufwand hinter der Ausstellung

Was in der Ausstellung spielerisch und nostalgisch wirkt, ist organisatorisch aufwendig. Über die Jahre sei ein „oberer fünfstelliger Betrag“ in die Sammlung geflossen, sagt Meisel. Allein die Vorbereitung für die Ausstellung habe Zeit gekostet, die sonst kaum sichtbar wird. „Allein für die Verpackung meiner Figuren habe ich 30 Stunden gebraucht“, so der Sammler. Erst dadurch habe er einen Eindruck davon bekommen, welcher Aufwand hinter musealen Präsentationen steckt.

Elbepark setzt auf langfristiges Format

Die Idee sei nach einem Medienbericht über Meisel im Sommer 2025 entstanden und anschließend im persönlichen Austausch konkretisiert worden, sagte der Chef des Elbeparks, Gordon Knabe, am Mittwoch. Er sieht die Ausstellung nicht als einmaliges Ereignis, sondern versteht sie als Auftakt für ein stetig wiederkehrendes Format im Veranstaltungskalender; "Und zwar unbefristet!"

Da muss ihm Meisel dann aber doch mit einem Lachen wiedersprechen: „Maximal geht das noch 24 Jahre, dann bin ich 85. Dann will ich bestimmt nicht mehr.“  Doch ab dem 23. April ist er noch mit vollem Eifer dabei: Während der Ausstellungszeit will Meisel regelmäßig selbst vor Ort sein – jeweils zwischen 14 und 16 Uhr.

Und wer es bis zum 2. Mai nicht in den Elbepark schafft, den lädt Meisel zu sich in seinen Keller zu einer exklusiven Führung ein. "Darüber würde ich mich tatsächlich sehr freuen", sagt er. Den Kontakt zu ihm findet man auf seiner Webseite.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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