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Baden in der Elbe? Dieser geheime Plan könnte Dresdens Sommer revolutionieren

Aquarell-Illustration eines flachen Badeschiffs im Sommer, verankert an der Elbe nahe einer Brücke. Auf dem Schiff und am angrenzenden Uferbereich mit Sonnensegeln entspannen und baden zahlreiche Menschen. Im Hintergrund stehen Plattenbauten.
Ein neuer Hotspot für den Sommer: Das Architekturbüro Neoform hat eine visionäre Studie für ein mobiles Badeschiff entwickelt. Es soll als Impuls dienen, um die Debatte über urbane Flussbäder neu zu beleben. Visualisierung: NEOFORM Architekten
Von: Cornelius de Haas
Ein Dresdner Architekturbüro entwirft ein Badeschiff für die Elbe: aufbereitetes Becken, wechselnder Liegeplatz, Treffpunkt fürs ganze Jahr. Die Idee findet Anklang - bei der neuen Bäder-Chefin, bei der BUGA. Nur konkret werden müsste sie erst noch.

Dresden. An den heißen Tagen dieses Sommers sieht man es wieder überall an den Elbwiesen: Menschen, die sich ins Wasser wagen - halb Abkühlung, halb Mutprobe. Baden in der Elbe ist in Dresden ein Sehnsuchtsbild, und ein heikles dazu. Seit 1947 die letzte Elbbadeanstalt schloss, ist der Fluss zwar Postkartenmotiv und Naherholungsraum, aber kein Badeort mehr. Nun liegt ein Entwurf vor, der das Sehnsuchtsbild in etwas Konkretes übersetzen will: ein Badeschiff.

Entwickelt haben ihn die Architekten Patrick Hesse und Vincent Rasser vom Dresdner Büro NEOFORM Architektur - und zwar bewusst ohne Auftraggeber, als Studie aus dem hauseigenen „Labor". Es gehe nicht darum, ein fertiges Projekt zu „bewerben", betonen die beiden, sondern eine Debatte anzustoßen und zu zeigen, welches Potenzial in der Idee stecke. Eine unbeauftragte Denkfigur also - aber eine mit Plan.

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Becken statt Strömung

Der wichtigste Punkt: Gebadet würde nicht in der Elbe, sondern in einem geschlossenen Becken mit aufbereitetem Wasser, ähnlich wie im Freibad. Einmal befüllt, liefe das Wasser danach in einem gefilterten Kreislauf; nur wenig Frischwasser käme hinzu. Damit ist das Schiff unabhängig von der oft mäßigen Badewasserqualität der Elbe - und hat mit den historischen Flussbädern, in denen direkt in der Strömung geschwommen wurde und immer wieder Menschen ertranken, nach Lesart der Architekten „nur noch die Lage am Fluss gemeinsam".

Porträt der beiden Architekten Patrick Hesse und Vincent Rasser. Sie tragen schwarze T-Shirts und sitzen nebeneinander auf den grauen Steinstufen einer Außentreppe. Einer blickt nach links zur Seite, der andere direkt in die Kamera.
Die Ideengeber: Die Architekten Patrick Hesse (l.) und Vincent Rasser vom Dresdner Büro Neoform Architektur wollen mit ihrer unbeauftragten Studie eine kreative Diskussion über die Nutzung der Elbe anstoßen. Foto: NEOFORM Architektur

Ausgangspunkt soll ein ausgemusterter Schubleichter sein, ein vorhandener Schiffsrumpf also, der weiterverwendet statt neu gebaut wird. Ein konkretes Schiff gibt es noch nicht, ebenso wenig belastbare Kostenzahlen - das, sagen die Architekten, müsste eine spätere Machbarkeitsstudie klären. Gedacht ist das Schiff als mobiles System mit wechselnden Liegeplätzen, beispielhaft an der Albertbrücke und in Wachwitz. „Mobil" heiße aber nicht ruhelos: Ein, zwei Jahre an einem Ort, dann ein Wechsel, wenn anderswo Bedarf entsteht. Und nutzbar wäre der Ort nicht nur im Sommer - im Winter schwebt den Architekten eine Eisfläche oder beheizte Badezuber an Deck vor.

Eine Idee, die einen Nerv trifft

Die Idee trifft einen Nerv - und sie ist in Dresden nicht allein. Annette Scheibe-Zokov, seit Januar 2026 neue Geschäftsführerin der Dresdner Bäder GmbH, skizzierte im April in einem Beitrag für sächsische.de ihre „Vision 2033+". Darin findet sich auch ein „technisch kontrolliertes, modular aufgebautes Elbbad" - als touristischer Impuls und neue Verbindung zwischen Stadt und Fluss. Dass ein solcher Gedanke unabhängig an mehreren Stellen auftaucht, zeigt vor allem, wie naheliegend er inzwischen ist.

Eine detaillierte, isometrische Explosionszeichnung, die die einzelnen Module des Badeschiffs beschreibt. Beschriftet sind unter anderem der Schwimmkörper, das Badebecken, Holzdecks, Sonnensegel sowie Bereiche für Umkleiden und ein Café.
Modular und nachhaltig: Die Explosionszeichnung zeigt die Systematik des Badeschiffs, das auf einem ausgemusterten Schubleichter basieren soll. Geplant sind Umkleiden, ein Technikblock und Gastronomie. Visualisierung: NEOFORM Architektur

Konkret wird es davon noch nicht. Auf Anfrage bestätigt die Dresdner Bäder GmbH den Eingang der NEOFORM-Studie und erklärt, man stehe neuen Ideen - „zu denen auch eine mögliche Nutzung der Elbe gehören könnte" - grundsätzlich offen gegenüber, sofern die Machbarkeit gegeben sei. Fachlich geprüft habe man das Konzept aber noch nicht; angesichts anderer Schwerpunkte habe es derzeit keine hohe Priorität, das werde man nachholen.

Eine nachvollziehbare Reihenfolge: Solange ein Entwurf weder Schiff noch Kosten noch Betreibermodell benennt, ist er eher Diskussionsanstoß als Vorlage zur Prüfung - als das verstehen ihn Hesse und Rasser ausdrücklich auch.

Die BUGA: thematisch anschlussfähig, aber nicht im Plan

Eine zweite Hoffnung der Architekten ist die Bundesgartenschau 2033. In deren Konzept, merken sie an, spiele die Elbe „trotz ihrer Bedeutung für die Stadt" keine große Rolle. Die BUGA Dresden 2033 gGmbH sieht das anders: Die Elbe nehme als „verbindendes Landschaftselement" und Lebensader sehr wohl eine besondere Rolle ein, das Badeschiff sei ein „spannender Ansatz" und greife mehrere Ziele der Schau auf - Aufenthalt am Wasser, Erholung, Begegnung, Kultur.

Aquarell-Illustration aus der Perspektive des Holzdecks eines Schiffes. Im Zentrum befindet sich ein blaues Schwimmbecken mit Badenden. Ringsum entspannen Menschen auf Liegestühlen vor einer malerischen Flusslandschaft bei Sonnenuntergang.
Urlaubsflair mitten in Dresden: Der Entwurf setzt auf ein geschlossenes Becken mit gefiltertem Wasserkreislauf. So bleibt der Badespaß völlig unabhängig von der aktuellen Wasserqualität der Elbe. Visualisierung: NEOFORM Architektur

Anschlussfähig heißt aber nicht eingeplant. Das Badeschiff sei „aktuell kein Bestandteil der beschlossenen BUGA-Konzeption", so die Gesellschaft. Die wesentlichen Entwicklungsräume und Investitionsschwerpunkte seien definiert, die Wettbewerbsverfahren für die drei Kernareale Südpark, Galopprennbahn und Kiesseen Leuben liefen bereits. Neue Vorschläge könnten durchaus einfließen - am ehesten dann, wenn sie eigene Träger- und Finanzierungsperspektiven mitbrächten.

Beim Thema Baden setzt die BUGA bislang auf eine öffentliche Badestelle am Südsee der Kiesseen Leuben, umzusetzen schon vor 2033 - ein ruhiges Stillgewässer, während das Badeschiff den anspruchsvolleren Weg auf den Fluss sucht.

Alte Hürden, neue Bedingungen

Dass Dresden beim Elbbad zögert, hat Tradition. Nach 1947 versandeten Anläufe 2002 und 2004, 2018 zeigte sich die Stadtspitze skeptisch: Die Elbe sei kein Badegewässer, hieß es damals, mit Keimen sei zu rechnen, eine Überwachung finde nicht statt; dazu kämen Naturschutz, Genehmigungen, Fragen von Zuwegung und Parken. Ein Teil dieser Einwände ist heute entkräftet - das geschlossene Becken löst das Wasserqualitätsproblem, das 2018 obenan stand.

Andere bleiben: Die Elbe ist Bundeswasserstraße mit Fracht- und Fährverkehr, jeder Liegeplatz müsste neu genehmigt werden, weite Teile des Vorlands liegen in Schutzgebieten. Und der Fluss schwankt extrem - erst kürzlich stand er bei 51 Zentimetern Niedrigwasser, die erste Hochwasser-Alarmstufe beginnt bei 400. Auf solche Lagen, sagen die Architekten, könne ein schwimmendes Objekt gerade flexibel reagieren - verlegen, sperren, abwarten, wie es Dampfer und Hotelschiffe längst tun.

Eine stimmungsvolle Aquarell-Illustration des Badeschiffs bei Dämmerung im Winter. Das Deck ist hell erleuchtet, Menschen laufen Schlittschuh auf einer Eisfläche. Im Hintergrund sind verschneite Elbwiesen und beleuchtete Wohnhäuser zu sehen.
Ganzjährige Nutzung: Im Winter könnte sich das geplante Dresdner Badeschiff laut der Architekten-Studie in eine stimmungsvolle Eisbahn verwandeln. Eine integrierte Beleuchtung sorgt für winterliches Flair an der Elbe. Visualisierung: NEOFORM Architektur

Was sich verschoben hat, ist das Klima - im wörtlichen wie im politischen Sinn. Hitzesommer, Aufenthaltsqualität, der Wert frei zugänglicher Orte: Themen, die 2018 noch nicht dieses Gewicht hatten. „Nur weil frühere Anläufe nicht erfolgreich waren, heißt das nicht, dass die Idee grundsätzlich nicht funktionieren kann", sagen die Architekten.

So steht am Ende eine Idee, der viele etwas abgewinnen können - die Bäder-Chefin in ihrer Vision, die BUGA in der Sache, die Architekten ohnehin - und die zugleich noch fast alle Fragen offenlässt: Schiff, Kosten, Betrieb, Genehmigungen. Das ist kein Makel, sondern der Stand der Dinge bei einer Studie, die bewusst nur den ersten Schritt machen will. „Der Weg entsteht, indem man ihn geht", sagen die Architekten. Ob in Dresden jemand ihn geht, ist die eigentlich offene Frage.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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