Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Dresden News

„Am falschen Ort gespart“: Scharfes Urteil über Museumsschließung in Dresden

Außenansicht des historischen Ernemannbaus in Dresden bei sonnigem Wetter. Das mehrstöckige Industriegebäude der Technischen Sammlungen besitzt eine große Fensterfront und einen markanten runden Turm mit roter Aufschrift auf dem Dach.
Zwangspause im Ernemannbau: Die Technischen Sammlungen Dresden schließen am 2. November für eine Sanierung. Bevor Fenster und Fassade erneuert werden, lädt das beliebte Museum Ende Oktober zum großen Abschiedsfest. Foto: Technische Sammlungen Dresden/Sophie Arlet
Von: Cornelius de Haas
Die Technischen Sammlungen schließen ab November für die Sanierung. Doch der Umzug des beliebtesten Escape-Rooms „Katze Q“ ist gestrichen - wegen Geldmangels. Welcher Protest sich jetzt im Stadtteil regt.

Dresden. Noch einmal Schleim rühren, einen Leuchtkreisel löten oder im Escape-Room der Quantenkatze grübeln, dann ist erst mal Schluss. Am 2. November schließen die Technischen Sammlungen im Ernemannbau für eine umfassende Sanierung, und das für längere Zeit. Das größte Haus im Verbund der Museen der Stadt geht dann vom Netz, ein Teil der interaktiven Angebote zieht übergangsweise ins Landhaus am Pirnaischen Platz. Vorher haben Besucher aber noch mehrere Gelegenheiten, das Museum zu erleben.

Saniert wird vor allem energetisch. Erneuert werden die meisten der 600 Fenster, dazu kommen die Instandsetzung von Betonkonstruktion und Fassade, ein modernisierter Brandschutz und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Zunächst wird der Innenhof hergerichtet. „Der Ernemannbau ist nicht nur ein bedeutendes Denkmal der Industriekultur, sondern auch ein lebendiger Ort des Lernens und Staunens", sagt Museumsdirektor Roland Schwarz. Mit der Sanierung sorge man dafür, dass das Haus auch für kommende Generationen erhalten bleibe.

Mehr aus dieser Kategorie

Im Landhaus geht es ab 2027 weiter

Während der Bauzeit ziehen Teile des Science Centers in die Sonderausstellungsflächen im zweiten Obergeschoss des Landhauses und sind dort gemeinsam mit dem Stadtmuseum und der Städtischen Galerie zu sehen. Die Eröffnung dieses Interims ist für das zweite Quartal 2027 geplant. Wann der Ernemannbau selbst wieder öffnet, nennt die Ankündigung nicht.

Zwei Termine zum Abschied

Bis dahin gibt es zwei Höhepunkte am alten Standort. Zum Tag des offenen Denkmals am Samstag, 13. September, öffnet der historische Ernemannbau bei freiem Eintritt, Kuratoren führen um 11, 14 und 16 Uhr durch Industriegeschichte, Architektur und die frühere PENTACON-Ausstattung.

Am letzten Oktoberwochenende folgt das große Abschiedsfest, am Samstag, 31. Oktober, und Sonntag, 1. November, jeweils von 10 bis 18 Uhr. Angekündigt sind Mitmachaktionen, Science-Shows und Führungen hinter die Kulissen, vom Leuchtkreisel-Löten bis zum Schleim-Herstellen. An diesem Wochenende ist außerdem die Sonderausstellung über den Filmemacher und Sammler Ernst Hirsch letztmals zu sehen.

Update, 10. September 2026: Streit um den Physik-Escape-Room „Katze Q"

Nach der Ankündigung der Schließung regt sich Kritik an einem Detail. Der beliebte Escape Room „Katze Q", ein physikalisches Mitmach-Angebot für Jugendliche ab 11 Jahren und Erwachsene, wird während des Umzugs nach jetzigem Stand nicht ins Ausweichquartier mitgenommen, sondern für mehrere Jahre eingelagert. Grund ist die fehlende Finanzierung. Nach Angaben der Grünen sah sich die Stadt trotz monatelanger Bemühungen der Museumsleitung nicht in der Lage, Umzug und Wiederaufbau im Interim des Stadtmuseums zu bezahlen. Die Museumsleitung bedauert das, der Escape Room zählt zu den meistgefragten Angeboten des Hauses.

Die Bündnisgrünen Stadtbezirksbeiräte in Blasewitz halten die Entscheidung für falsch. „Es kann nicht sein, dass wir in der PISA-Studie einen dramatischen Abfall der naturwissenschaftlichen Schulleistungen sehen und zeitgleich ein herausragend gutes Physik-Angebot in Dresden über Jahre dichtmachen", erklärt Anne-Katrin Haubold. Dresden spare als High-Tech-Standort an der falschen Stelle. Die Beiräte wollen sich dafür einsetzen, den Erhalt des Escape Rooms über Mittel der Stadt und des Stadtbezirks doch noch zu ermöglichen.

Cornelius de Haas
Artikel von

Cornelius de Haas

Cornelius de Haas ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.