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91 Millionen Euro für die Kultur - und trotzdem zittert die freie Szene

Das Dresdner Kulturrathaus, der Sitz des Amtes für Kultur und Denkmalschutz, bei Tageslicht.
Zentrale der Kulturverwaltung: Im Dresdner Kulturrathaus wird die Kulturpolitik der Landeshauptstadt gestaltet - hier entstand auch der aktuelle Jahresbericht „Kultur in Zahlen 2025“. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Dresden gibt so viel Geld für Kultur aus wie nie: 91,4 Millionen Euro weist der neue Jahresbericht aus. Doch die stolze Zahl fällt in eine Stadt, über der eine Haushaltssperre liegt - und in der die nächsten, „dramatischen" Einschnitte längst angekündigt sind.

Dresden. Es ist eine Rekordzahl, und sie kommt zur Unzeit. Gut 91,4 Millionen Euro umfasste 2025 das Budget des Dresdner Amtes für Kultur und Denkmalschutz - mehr als je zuvor und rund 15 Millionen Euro mehr als noch fünf Jahre zuvor. Nachzulesen ist das im Jahresbericht „Kultur in Zahlen 2025", den die Stadt jetzt veröffentlicht hat. Amtsleiter Dr. David Klein nennt die Daten eine „Grundlage für die weitere öffentliche Diskussion". Die dürfte unbequem werden.

Denn der Rekord steht auf wackligem Grund. Dresden steckt in einer der schwersten Finanzkrisen seit Jahren: Der Doppelhaushalt 2025/2026 war erstmals seit Jahren genehmigungspflichtig und wurde von der Landesdirektion nur unter Auflagen freigegeben. Die Reserven der Stadt sind im Wesentlichen aufgebraucht, das frühere Verschuldungsverbot ist gelockert. Seit Herbst 2025 gilt eine Haushaltssperre - und im April 2026 scheiterte im Stadtrat der Nachtragshaushalt, sodass die Sperre weiter in Kraft bleibt, mit unmittelbaren Folgen für Kultur und Jugendarbeit.

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Liniendiagramm, das den Anstieg des Kulturbudgets in Dresden auf den Rekordwert von 91,4 Millionen Euro im Jahr 2025 zeigt.
Ein Rekord zur Unzeit: Der Jahresbericht „Kultur in Zahlen 2025“ zeigt einen historischen Höchststand von 91,4 Millionen Euro. Angesichts der aktuellen Finanzkrise und der notwendigen Einsparungen gilt dieser Wert jedoch als vorläufiger Höhepunkt vor drohenden Kürzungen. Grafik: KI/Claude

Wer in diesen Zahlen das große Geld der freien Szene vermutet, irrt. Von den 91,4 Millionen fließen rund 73,9 Millionen - gut vier Fünftel - in die neun städtischen Einrichtungen wie Philharmonie, Staatsoperette, tjg und Kreuzchor. Für die kommunale Kulturförderung, jenen Topf, um den freie Künstler und Initiativen konkurrieren, bleiben rund sechs Millionen Euro. Es ist genau dieser freiwillige Bereich, der zuerst unter Druck gerät: Schon im ersten Haushaltsentwurf waren laut Kulturszene gravierende Kürzungen vorgesehen; erst nach Protest und tausenden Bürgereinwänden legte die Stadt wieder Mittel drauf - jährlich zusätzlich 200.000 Euro für die Kulturförderung. 

Der eigentliche Einschnitt ist nur vertagt. Für den Doppelhaushalt 2027/28 hat Oberbürgermeister Dirk Hilbert „dramatische Einschnitte" im freiwilligen Bereich angekündigt - wozu auch die Kultur zählt. Schwer wiegt dabei der Einsturz der Carolabrücke vom September 2024: Allein der Abriss wird auf rund 32 Millionen Euro geschätzt, für den Neubau stehen mindestens 140 Millionen Euro im Raum, finanziert über neue Schulden von bis zu 220 Millionen Euro. Immerhin: Am Dienstag wurde bekannt, dass einer von vier Neubau-Entwürfen die Kosten womöglich unter 100 Millionen Euro drücken könnte

Balkendiagramm zur Verteilung der 91,4 Millionen Euro Kulturbudget in Dresden, das die Dominanz der neun städtischen Einrichtungen gegenüber der freien Szene visualisiert.
Große Einrichtungen im Fokus: Die Grafik verdeutlicht die Verteilung des Budgets. Mit rund 73,9 Millionen Euro fließen über 80 Prozent der Mittel in die neun großen städtischen Kultureinrichtungen, während für die kommunale Kulturförderung der freien Szene nur ein Bruchteil verbleibt. Grafik: KI/Claude

So gelesen ist die Rekordsumme von 2025 weniger ein Versprechen als eine Momentaufnahme - der vorläufige Höhepunkt, bevor gespart wird. Fair bleibt festzuhalten: Die Krise ist nicht hausgemacht. Wie viele Kommunen ächzt Dresden unter stark gestiegenen Sozialausgaben und nicht auskömmlich finanzierten Aufgaben von Bund und Freistaat. Doch für die Dresdner Kulturlandschaft ändert das wenig an der Aussicht: Das nächste Kapitel von „Kultur in Zahlen" dürfte deutlich kleinere Zahlen enthalten.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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