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74 Quadratmeter, 28 Prozent Miete, Badewanne: So wohnt Dresden wirklich

74 Quadratmeter, 28 Prozent Miete, Badewanne: So wohnt Dresden wirklich
Rote Ziegeldächer, Gründerzeitfassaden, die Frauenkirche im Zentrum – Dresdens Altbaubestand ist nicht nur Kulisse, sondern Wohnrealität: 27 Prozent aller Dresdner Haushalte leben in Gebäuden, die vor 1918 errichtet wurden. Symbolbild: pixabay/MomentCatcher
Von: Cornelius de Haas
Neue Zahlen der Kommunalen Statistikstelle zeigen, wie groß Dresdner Wohnungen sind, wofür das Budget draufgeht – und warum die Zufriedenheit trotz steigender Ansprüche fast ungebrochen hoch ist.

Dresden ist eine Stadt, in der fast alle zufrieden wohnen – und gleichzeitig immer mehr Menschen finden, dass ihre Wohnung nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist. Beides stimmt, beides kommt aus derselben Umfrage.

Wie das zusammenpasst, zeigen die neuen Zahlen der Kommunalen Statistikstelle der Landeshauptstadt Dresden, die gerade im Quartalsheft „Dresden in Zahlen – III. Quartal 2025" erschienen sind. Grundlage ist die Kommunale Bürgerumfrage 2024, die seit 1993 alle zwei Jahre erhoben wird. Sie zeichnet ein ungewöhnlich konkretes Bild davon, wie rund 570.000 Menschen in einer der größten ostdeutschen Städte wirklich wohnen.

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Größer als 1993, aber immer noch zur Miete

Ein Blick zurück zeigt, wie viel sich verändert hat. 1993 war die durchschnittlich bewohnte Dresdner Wohnung noch 64 Quadratmeter groß. Bis 2005 waren es 68,4 Quadratmeter, 2014 schon 72,5 – und heute sind es 74,1. Ein Zuwachs von gut zehn Quadratmetern in drei Jahrzehnten.

Wohnfläche im Zeitverlauf:

  • 1993: 64,0 m²
  • 2005: 68,4 m²
  • 2014: 72,5 m²
  • 2024: 74,1 m²

Gleichzeitig hat sich an einem zentralen Merkmal wenig geändert: Die große Mehrheit der Dresdnerinnen und Dresdner wohnt zur Miete. Nur rund 18 Prozent der Haushalte leben in den eigenen vier Wänden. Wer mietet, gibt dafür im Mittel etwa 28 Prozent des Haushaltsbudgets aus – eine Zahl, die sich laut den Befragungsergebnissen seit einigen Jahren kaum bewegt hat.

Dabei ist der Unterschied zwischen den Stadtteilen erheblich. Die kleinsten bewohnten Wohnungen findet man in Gorbitz (57,7 m²) und Prohlis/Reick (57,9 m²) – beides Plattenbausiedlungen aus DDR-Zeiten im Westen und Südosten der Stadt. Am anderen Ende der Skala liegen Loschwitz einschließlich Schönfeld-Weißig mit durchschnittlich 99,6 Quadratmetern, Briesnitz mit 93,1 und Klotzsche mit 92,4 – Lagen am Stadtrand, villenartig, mit Gärten. Wer aus der Innenstadt raus zieht, wohnt nicht nur ruhiger, sondern auch deutlich großzügiger.

Fast alle haben ein Bad – aber zeitgemäß ist das noch lange nicht

Dass nahezu alle Dresdner Wohnungen inzwischen über Bad und Innen-WC verfügen, klingt selbstverständlich. War es 1993 aber nicht: Damals hatten nur 79 Prozent ein Bad und 86 Prozent ein Innen-WC. Heute sind es jeweils annähernd 100 Prozent.

Die Diskussion hat sich verlagert. 23 Prozent der Wohnungen haben heute mehrere WCs, 13 Prozent mehrere Bäder oder Duschen. Im Stadtraum Loschwitz sogar 56 beziehungsweise 32 Prozent – ein kleines Fenster in die Wohnrealität der wohlhabenderen Stadtteile.

Jeder zweite Haushalt findet seine Wohnung noch zeitgemäß ausgestattet – aber der Anteil derer, die das nicht mehr so sehen, ist in zehn Jahren um acht Prozentpunkte gestiegen.

Genau das ist die interessante Spannung in den Daten: Die Zufriedenheit mit der eigenen Wohnung ist hoch und hat sich über drei Jahrzehnte verbessert. In der ersten Befragung 1995 gaben die Dresdnerinnen und Dresdner ihrer Wohnsituation im Schnitt eine 2,4 (auf einer Skala von 1 bis 5). Heute liegt der Wert bei rund 1,8 – also deutlich besser. Trotzdem steigt gleichzeitig der Anteil derer, die ihre Wohnung als nicht mehr zeitgemäß empfinden. Ein Hinweis darauf, dass die Ansprüche schneller wachsen als die Ausstattung.

Fernwärme ja, Öl so gut wie gar nicht mehr

Beim Heizen hat sich in den letzten 40 Jahren vielleicht am meisten verändert. Wer sich an Dresden in den 1980ern erinnert – Kohleöfen, Abgase, Smog –, der findet in den Zahlen den langen Weg seitdem. Heute hängt jeder zweite Haushalt am Fernwärmenetz, das mit Blick auf den CO₂-Ausstoß vergleichsweise klimafreundlich ist. Erdgas kommt unter den übrigen Wohnungen auf einen Anteil von 81 Prozent. Öl spielt mit vier Prozent kaum noch eine Rolle; 1987 war es noch die dominierende Heiztechnologie neben Kohle.

Und wer wohnt wo? Altbau noch immer ganz vorn

Ein Detail, das überraschen kann: 27 Prozent aller bewohnten Dresdner Wohnungen befinden sich in Gebäuden, die vor 1918 errichtet wurden. Der Gründerzeit-Altbau ist also nach wie vor die häufigste Wohnform in dieser Stadt – noch vor den Plattenbausiedlungen der 1970er bis 1990er Jahre (19 Prozent) und den Häusern der Nachwendejahre.

Knapp jeder vierte Haushalt wohnt in einem Gebäude, das nach 1990 gebaut wurde. Das ist die Wohnung, die ein 35-Jähriger vielleicht als „neu" bezeichnen würde – obwohl sie inzwischen schon bis zu 35 Jahre alt ist.

77 Prozent haben einen Balkon – aber barrierefrei ist seltener als gedacht

77 Prozent der bewohnten Dresdner Wohnungen haben Balkon, Loggia, Veranda oder Terrasse. Das klingt viel und war es früher auch weniger: 1993 waren es noch 55 Prozent.

Weniger rosig sieht es beim Thema Barrierefreiheit aus. Nur 34 Prozent der Befragten bezeichnen ihre Wohnung als barrierefrei, 14 Prozent als rollstuhlgerecht. Für eine Stadt, deren Durchschnittsalter laut Bevölkerungsprognose bis 2040 auf 44,8 Jahre steigen soll, ist das eine Zahl, die in den nächsten Jahren relevanter werden dürfte.

Übrigens: Aktuell läuft die nächste Kommunale Bürgerumfrage. Seit dem 4. März 2026 wurden 19.200 zufällig ausgewählte Dresdnerinnen und Dresdner angeschrieben. Die Ergebnisse sollen Anfang 2027 vorliegen – und werden dann zeigen, ob sich die Dresdner Wohnzufriedenheit weiter hält.

Quelle: Kommunale Statistikstelle Dresden, „Dresden in Zahlen – III. Quartal 2025" (Redaktionsschluss Februar 2026) sowie Pressemitteilung der Landeshauptstadt Dresden. Die vollständige Publikation steht unter www.dresden.de/statistik kostenlos zum Download bereit.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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