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137 Jahre Warteschleife: Dieser Dresdner Konzertabend ist historisch — und es weiß kaum jemand

137 Jahre Warteschleife: Dieser Dresdner Konzertabend ist historisch — und es weiß kaum jemand
137 Jahre gewartet — jetzt ist es so weit. Staatskapelle und Chor in der Semperoper Dresden. Foto: Oliver Killig
Von: Cornelius de Haas
Am Palmsonntag gibt die Sächsische Staatskapelle Dresden Mendelssohns »Elias« in der Semperoper — zum ersten Mal seit 1889. Warum das kein normales Konzert ist, sondern ein Ereignis.

Es ist 1848. Carl Gottlieb Reißiger steht am Pult der Dresdner Hofkapelle, der Saal der Oper ist voll. Wenige Monate zuvor ist Felix Mendelssohn Bartholdy gestorben — mit 38 Jahren, viel zu früh. Was Reißiger an diesem Palmsonntag dirigiert, ist eine Hommage an den Toten: die Dresdner Erstaufführung von Mendelssohns letztem großen Werk. »Elias«. Der Prophet, der zweifelt, der kämpft, der fast zerbricht — und doch glaubt. Der Saal schweigt. Dann Applaus.

Das war der Anfang einer langen Dresdner Geschichte mit diesem Werk. Doch irgendwann, spätestens 1889, verstummte der »Elias« in den Konzerten der Sächsischen Staatskapelle. Zwei Weltkriege, eine Teilung Deutschlands, Jahrzehnte des Wandels — das Oratorium wartete. 137 Jahre lang. Am 29. und 30. März 2026 kehrt es zurück — in dieselbe Stadt, in denselben Geist, diesmal in die Semperoper, unter der Leitung von Chefdirigent Daniele Gatti.

Wer jetzt an einen besinnlichen Kirchenabend denkt, liegt daneben. Denn Mendelssohns »Elias« ist kein braves Erbauungsstück. Es ist ein Werk, das Glaubenskrisen zeigt, religiöse Sprache seziert — und fragt: Wie schnell kann Überzeugung in Gewalt kippen? Für einen Komponisten des Biedermeier ist das eine erstaunlich unbequeme Frage. Und 2026 klingt sie alles andere als veraltet.

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Das Palmsonntagskonzert hat in Dresden ohnehin eine eigene Geschichte. Seit 1827 gibt es diese Tradition, ursprünglich als Benefizkonzert für die Witwen und Waisen der Hofkapelle. 1843 stand Mendelssohn selbst am Pult — und dirigierte seinen Paulus. Es ist also kein Zufall, dass sein letztes großes Werk ausgerechnet an diesem Abend zurückkehrt.

Aufgeführt wird das Oratorium mit einem Ensemble, das Konzertfans aufhorchen lässt: Georg Zeppenfeld (Bass) und Daniel Behle (Tenor) gehören zu den gefragtesten deutschen Sängern ihrer Fachrichtung. Dazu kommen Rosalia Cid (Sopran), Michèle Losier (Alt) sowie Kruzianer als Solistennachwuchs — und natürlich der Sächsische Staatsopernchor Dresden.

Reißiger dirigierte 1848 zum Gedenken an einen Toten. Gatti dirigiert 2026 zur Wiederkehr eines Werkes, das zu lange geschwiegen hat. Vielleicht ist das der schönste Bogen, den ein Konzertabend ziehen kann.

Häufige Fragen zum Konzert

  • Wann findet das 8. Sinfoniekonzert der Staatskapelle Dresden 2026 statt?

Das Konzert findet an zwei Terminen statt: Sonntag, 29. März 2026 und Montag, 30. März 2026, jeweils um 19 Uhr in der Semperoper Dresden.

  • Was wird beim Palmsonntags-konzert 2026 der Staatskapelle gespielt?

Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium »Elias« op. 70 — zum ersten Mal seit 137 Jahren wieder im Konzertprogramm der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

  • Wer dirigiert und wer singt beim »Elias« in der Semperoper?

Chefdirigent Daniele Gatti leitet das Konzert. Als Solisten sind Georg Zeppenfeld (Bass), Daniel Behle (Tenor), Rosalia Cid (Sopran) und Michèle Losier (Alt) zu erleben.

  • Wo gibt es Karten für das Palmsonntags-konzert der Staatskapelle?

Tickets sind online unter staatskapelle-dresden.de sowie an der Schinkelwache am Theaterplatz erhältlich (T +49 351 4911 705).

Auf einen Blick
Termine:
So, 29. März · Mo, 30. März 2026 — jeweils 19 Uhr | Ort: Semperoper Dresden | Programm: Mendelssohn: »Elias« op. 70 | Dirigent: Daniele Gatti | Karten: staatskapelle-dresden.de

Cornelius de Haas
Artikel von

Cornelius de Haas

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