Jeder Tag zählt. Das gilt besonders für Lilly Hiebenthal. Die 20-Jährige aus dem sächsischen Dorf Böhla hat eine seltene Immunkrankheit. Weltweit sind nur rund 20 Fälle bekannt. Ein Gendefekt sorgt dafür, dass ihr Immunsystem nicht richtig arbeitet. Deshalb hat sie ständig Erkältungssymptome, Hautekzeme und aktuell eine Darmentzündung. All das macht sie oft sehr erschöpft. Trotzdem bleibt sie lebensfroh. «Ich bin für jeden Tag dankbar - so, wie er ist», sagt die junge Frau.
«Es gibt auch Momente, wo mich das alles nervt.»
Natürlich gibt es auch Zweifel, räumt Lilly ein. Sie macht derzeit eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten am Universitätsklinikum Leipzig. Ihre Berufswahl ist kein Zufall: Sie wollte so viel wie möglich über Krankheiten lernen. «Ich wusste schon immer, worauf ich aufpassen muss. Es gibt auch Momente, wo mich das alles nervt. Dann bin ich traurig, nicht so problemlos wie andere leben zu können. Aber schließlich hat jeder sein Päckchen zu tragen.»
Lilly beschreibt ihre Krankheit als «Herausforderung». Sie ist dankbar, dass es sie getroffen hat und nicht ihre beiden Brüder, die 15 und zwei Jahre alt sind. Lieber nimmt sie die Last auf sich. «Klar, ich habe keine Ahnung, was die Zukunft bringt. Das sei das Unvorhersehbare an ihrer Erkrankung. Aber gerade deswegen wolle sie jeden Tag so nehmen, wie er kommt und einfach dankbar sein.»
Für Dr. Timmy Strauß, Kinderarzt und angehender Immunologe am Dresdner Universitätsklinikum, ist Lilly mit ihrem Lebensmut ein Vorbild. «Sie ist sehr taff. Wir bewundern sie, weil sie mehrere Probleme gleichzeitig bewältigt. Andere würden da wohl lieber den Kopf in den Sand stecken.» Lilly geht aktiv mit ihrer Krankheit um und bleibt im engen Austausch mit den Ärzten. «Es gibt andere Patienten, bei denen das nicht so gut läuft.»