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Was Infineons neue Fabrik in Dresden zur größten ihrer Art macht

Neun Personen stehen auf einer Bühne vor einer großen Leinwand mit der Aufschrift „Eröffnung Infineon Smart Power Fab“. In der Mitte halten zwei Männer eine runde Halbleiter-Siliziumscheibe (Wafer). Im Vordergrund ist das Publikum von hinten zu sehen.
Früher fertig als geplant: Infineon-CEO Hanebeck, Digitalminister Wildberger und MP Kretschmer (Mitte) eröffnen mit Dresdens OB Dirk Hilbert(2.v.r.) und der Belegschaft die neue 5-Milliarden-Euro-Fab in Dresden. Foto: mio motion
Von: Cornelius de Haas
Fünf Milliarden Euro, 1.000 neue Jobs und der Titel „weltgrößte Fabrik ihrer Art" - am Donnerstag hat Infineon in Dresden seine Smart Power Fab eröffnet, Monate früher als geplant. Was hier künftig vom Band läuft, soll in KI-Rechenzentren, Windrädern und Elektroautos stecken.

Dresden. Deutsche Großprojekte und Termintreue - das ist selten eine Liebesgeschichte. Umso bemerkenswerter, was Infineon am Donnerstag (2. Juli) in Dresden gefeiert hat: Der Halbleiterkonzern hat seine neue Smart Power Fab eröffnet, und zwar mehrere Monate vor dem Zeitplan. Fünf Milliarden Euro hat das Werk gekostet - die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte - und es schafft rund 1.000 neue Arbeitsplätze.

Mit dem Neubau verdoppelt Infineon seine Produktionskapazität in Dresden und betreibt hier nach eigenen Angaben die weltweit größte Fabrik für sogenannte Leistungshalbleiter und Analog/Mixed-Signal-Chips. „Wir eröffnen unser neues Werk genau zur richtigen Zeit", sagte Konzernchef Jochen Hanebeck.

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Was in der Smart Power Fab entsteht

Hinter den sperrigen Fachbegriffen stecken handfeste Anwendungen. Leistungshalbleiter steuern und überwachen Stromflüsse - sie sind die stillen Regler in fast allem, was Energie effizient nutzen muss. Chips aus Dresden sollen künftig KI-Rechenzentren versorgen, in Wind- und Solaranlagen arbeiten und in software-gesteuerten Autos stecken. Ein Beispiel aus der Mitteilung sind intelligente Schalter, die nicht nur Lasten steuern, sondern zugleich den Stromfluss im Blick behalten. Das Zusammenspiel dieser Bausteine gab dem Werk seinen Namen: Smart Power Fab.

Der Bedarf dafür wächst rasant, vor allem durch den Hunger der KI-Rechenzentren nach Strom. Genau in diese Lücke zielt Infineon - und will mit der neuen Fab schnell genug sein, um die Nachfrage tatsächlich zu bedienen.

Geplant am digitalen Zwilling - und im Verbund mit Villach

Ungewöhnlich ist auch, wie hier geplant wurde. Ein digitaler Zwilling half, Gebäude und Maschinenbelegung komplett am Rechner durchzuspielen, ehe der erste Reinraum stand. KI-Algorithmen unterstützen die Freigabe von Anlagen und Prozessen. Und über die Verbindung zum Schwesterwerk im österreichischen Villach lässt sich die Produktion als „One Virtual Fab" schneller qualifizieren, als es früher möglich war.

Der Effekt: Infineon kann die Fertigung im doppelten Tempo hochfahren und flexibel auf Marktchancen reagieren. Dass die Fabrik vor dem Zeitplan ans Netz ging, werten die Beteiligten als Beleg für Dresdens Verlässlichkeit bei Hightech-Projekten - ein Ruf, der dem Standort im Wettbewerb hilft.

Politisches Schaulaufen zwischen Superlativen

Entsprechend geriet die Eröffnung zum Termin für die große Bühne. Bundeskanzler Friedrich Merz, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Digitalminister Karsten Wildberger ließen sich mit Lob zitieren und feierten die Fab als Signal für den Industriestandort Deutschland und Europas technologische Souveränität. Solche Superlative gehören bei einem Projekt dieser Größe zum Programm - und sind mit Vorsicht zu genießen.

Belastbarer als die politische Rhetorik ist die Wirkung auf die Region. Mehr als 80.000 Menschen arbeiten bereits im Halbleitercluster „Silicon Saxony" rund um Dresden. Studien zufolge zieht jeder einzelne Job im Reinraum sechs weitere im Umfeld nach sich - bei Zulieferern, Dienstleistern und Handwerk. Die 1.000 neuen Stellen sind also nur die sichtbare Spitze eines deutlich größeren Beschäftigungseffekts.

Nachhaltigkeit als Versprechen - der Beweis steht aus

Auch beim Ressourcenverbrauch gibt sich der Konzern betont sparsam. Die neue Fertigung kommt ohne Erdgas aus, arbeitet mit geschlossenen Kreisläufen und soll rund 90 Prozent ihres Wassers wiederverwenden; bis zu 45 Prozent der eingesetzten Energie will Infineon zurückgewinnen. Das sind ehrgeizige Zahlen - ob die Fabrik sie im Dauerbetrieb tatsächlich erreicht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Fürs Erste bleibt ein Befund, der in Deutschland selten genug ist: Ein Milliardenprojekt ist nicht nur fertig geworden, sondern früher als versprochen. Was daraus wird - für die Stadt, die Region und Europas Chipambitionen -, entscheidet nicht der Eröffnungstag, sondern der lange Betrieb danach.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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