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Dresdens neue Carolabrücke: Begleitgremium empfiehlt LAP-Entwurf - Streit ist programmiert

Visualisierung der geplanten Carolabrücke in Dresden, gesehen von der Brühlschen Terrasse. Ein Raddampfer liegt am Elbufer an, rechts verläuft die Straße Terrassenufer und im Hintergrund steht das Finanzministerium.
Vorentscheidung mit Zündstoff: Das Begleitgremium empfiehlt knapp den LAP-Entwurf für den Neubau der Dresdner Carolabrücke. Die finale und ungebundene Entscheidung trifft der Stadtrat am 3. September. Visualisierung: Planergemeinschaft LAP / Knight Architects
14 zu 12 Stimmen, nach fünf Stunden Sitzung: Das Begleitgremium spricht sich für den LAP-Entwurf als neue Carolabrücke aus und stellt sich damit gegen den Liebling der Dresdner. Schon jetzt zeichnet sich Widerstand für die Stadtratssitzung ab

Dresden. Es ist eine Vorentscheidung mit Zündstoff: Nachdem zuvor bereits das Fachgremium und die Bürger ihre Favoriten unter den vier Entwürfen benannt hatten, hat am Abend das Begleitgremium zum Neubau der Carolabrücke getagt. Nach stundenlanger Sitzung steht die Empfehlung an den Stadtrat fest - und sie fällt zugunsten des Entwurfs von Leonhardt, Andrä und Partner, Knight Architects und Querfeldeins (LAP) aus.

Knappe 14:12-Entscheidung in der Stichwahl

Die Wahl verlief denkbar knapp. In einer ersten Abstimmung legte das 26-köpfige Gremium fest, welche Entwürfe in die engere Wahl kommen. Übrig blieben LAP und der Entwurf der Planungsgemeinschaft FHECOR/TSSB. In der anschließenden Stichwahl setzte sich LAP mit 14 zu 12 Stimmen durch. Vorausgegangen war eine knapp fünfstündige Sitzung, in der es Medienberichten zufolge offenbar zu Irritationen hinsichtlich der Bewertung des am Ende unterlegenen Entwurfs kam. Dem Begleitgremium gehören neben den Ratsfraktionen auch Verwaltungskräfte und Interessenverbände wie ADAC, ADFC, NABU, Gesellschaft Historischer Neumarkt und Handwerkskammer an.

Experten und Bürger waren sich uneins

Die knappe Entscheidung spiegelt eine Pattsituation wider, die sich schon vorher abgezeichnet hatte. Das Expertengremium sah den LAP-Entwurf knapp vor FHECOR/TSSB - die Dresdner votierten bei carolaVOTE genau umgekehrt. Bei der Online-Beteiligung lag der Entwurf von FHECOR und TSSB mit 38 Prozent auf Platz eins, knapp vor LAP mit 32 Prozent. Deutlich abgeschlagen folgten die Entwürfe von Grassl/gmp mit 23 Prozent und von Schüßler-Plan/DKFS mit 7 Prozent. An der Befragung hatten sich fast 26.000 Menschen vollständig beteiligt. Beide Voten, das des Fachgremiums und das der Bürger, flossen als Grundlage in die Sitzung ein.

Der nun empfohlene Entwurf sieht unter der Brücke einen Busparkplatz mit einer großen Freitreppe vor. Der Bürgerfavorit FHECOR/TSSB firmiert dagegen unter dem Namen „Carolabrücke 3.0"; seine Bögen sollen an die erste Carolabrücke von 1895 erinnern.

Widerstand angekündigt: Änderungsantrag von Team Zastrow

Mit der Empfehlung ist der Streit nicht beendet, sondern verlagert sich in den Stadtrat. Nach Informationen dieser Redaktion plant die Fraktion Team Zastrow einen Änderungsantrag. Dessen Ziel: nicht den empfohlenen LAP-Entwurf, sondern den bei den Bürgern siegreichen FHECOR-Entwurf in die Beschlussvorlage für den 3. September zu bringen.

Aus ersten Fraktionen zeichnet sich Widerstand gegen eine Entscheidung für den Bürgerfavoriten ab. BSW-Fraktionschef Ralf Böhme warnt davor, im Stadtrat für den Entwurf der Planungsgemeinschaft FHECOR zu stimmen. Dieser berge das höchste Risiko für ein zeitraubendes Planfeststellungsverfahren, was die Fertigstellung der Brücke bis mindestens 2034 verzögern könnte. Das Ergebnis der Bürgerbefragung „Carola-Vote“ hält Böhme wegen der geringen Beteiligung von fünf Prozent für wenig aussagekräftig. Seine Fraktion hatte den Entwurf von Schüßler-Plan favorisiert, um Zeit sowie Kosten zu sparen, und lehnt zudem Vorstöße anderer Fraktionen ab, im Zuge des Neubaus den Grünstreifen an der St. Petersburger Straße zu versiegeln.

Grüne warnen vor teurem Vier-Spuren-Ausbau

Zusätzlichen Zündstoff birgt die Frage der Fahrspuren, die schon bei der Bürgerbeteiligung der am häufigsten kommentierte Punkt war und die Debatte im Rat mitbestimmen dürfte. So unterstützen die Grünen zwar das Votum für den LAP-Entwurf, fordern aber ein Umdenken bei der Spurenanzahl. Susanne Krause, baupolitische Sprecherin der Fraktion, sieht im Festhalten an vier Autospuren eine schwere finanzielle Hypothek. Durch eine reduzierte Fahrbahnbreite ließen sich - nicht nur ihrer Ansicht nach - 25 bis 30 Millionen Euro einsparen, die an anderer Stelle wie der Budapester Brücke fehlen. Unabhängig von der endgültigen Modellwahl dringt die Fraktion auf eine sichere Radwegeführung mit barrierefreien Zugängen zu beiden Elberadwegen und gut gestaltete Aufenthaltsbereiche rund um das Bauwerk.

Bindend ist die Empfehlung des Begleitgremiums ohnehin nicht. Das letzte Wort hat der Stadtrat, der am 3. September frei und ungebunden darüber abstimmt, welches Planungsteam die neue Carolabrücke bauen soll.