Manchmal übernimmt der Appetit: die leckeren Kartoffelchips, das zweite Stück Torte oder das Schnitzel, das nur bei Oma so gut schmeckt. Man isst und isst, und das Sättigungsgefühl kommt einfach nicht. Warum der Körper überhaupt weiß, wann genug ist, war bisher nur teilweise verstanden. Ein internationales Forschungsteam hat jetzt einen wichtigen Mechanismus dahinter aufgedeckt. Beteiligt sind Forschende der Universität Leipzig.
Hunger, Lust und Zellstress
Die Studie, gerade im Fachjournal PNAS veröffentlicht, untersuchte einen unscheinbaren Fadenwurm namens Caenorhabditis elegans. Er hat kein Leptin, jenes Hormon, das bei Säugetieren Sättigung signalisiert. Und dennoch reguliert er seine Nahrungsaufnahme zuverlässig. Aber wie dann? Er tut das über das endoplasmatische Retikulum (ER), ein verzweigtes Membransystem in der Zelle. Dort entscheidet das Verhältnis zwischen gesättigten und einfach ungesättigten Fettsäuren, ob der Wurm weiter frisst oder aufhört.
Ein Stresssensor namens IRE-1 registriert das Ungleichgewicht und schlägt Alarm. Dieser löst über neuronales Serotonin und ein spezielles Signalpaar weitere Prozesse aus. Diese Signale steuern zwei Arten von Hunger: den körperlichen Bedarf und das reine Verlangen aus Genuss.