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2.000 Jahre alt: Menschliche DNA an Höhlenwänden entdeckt

Die Höhlendecke von Altamira: Von hier stammen Pigmentproben, die auf uralte menschliche DNA untersucht wurden.
Jahrtausendealte Malereien in der Höhle von Altamira – Ausgangspunkt für die Suche nach prähistorischer menschlicher DNA. © Matthias Meyer
Von: Wissensland
Es sind Jahrtausende alte Spuren im Stein. Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben erstmals menschliche DNA direkt von Höhlenwänden gewonnen. Die Entdeckung könnte die Erforschung der Urgeschichte ganz ohne Ausgrabungen ermöglichen.

Eigentlich wollten die Forschenden Höhlenkunst untersuchen. Stattdessen machten sie eine Entdeckung, die Archäologen neue Möglichkeiten eröffnen könnte. Erstmals gelang es, uralte menschliche DNA direkt von Höhlenwänden zu gewinnen. Nicht aus Knochen, nicht aus dem Boden, sondern aus dem Stein selbst.

Die Studie entstand im Rahmen des internationalen Projekts "First Art“, das Höhlenmalereien, Handabdrücke und andere Spuren früher Kunst in Höhlen Spaniens und Portugals untersucht. Ursprünglich wollten die Forschenden diese Kunst datieren und chemisch analysieren. In Zusammenarbeit mit Forschenden des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat das Team seine Untersuchungen um DNA-Analysen erweitert – mit überraschenden Ergebnissen.

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Ein verborgenes Erbe im Stein

Die Forschenden untersuchten 120 Proben aus elf Höhlen in Spanien und Portugal. Von diesen 120 Proben enthielten fünf authentische alte menschliche DNA. Gerade deshalb gelten die Funde als besonders bemerkenswert. Besonders aufschlussreich waren Proben aus der Escoural-Höhle in Portugal und der Covarón-Höhle in Nordspanien. In zwei Proben fanden die Forschenden ausschließlich menschliche, aber keinerlei tierische DNA. Das ist ein starkes Indiz dafür, dass Menschen die Wand direkt berührt haben. Mit Händen, Speichel oder Schweiß.

"Auch wenn wir die von uns gefundenen Spuren alter menschlicher DNA nicht direkt mit der Entstehung der Höhlenkunst in Verbindung bringen können, ist dies der erste Nachweis, dass menschliche DNA über Jahrtausende hinweg an Höhlenwänden erhalten bleiben kann", sagt Alba Bossoms Mesa, Erstautorin der Studie und Doktorandin am Max-Planck-Institut in Leipzig. "Es ist faszinierend, dass wir möglicherweise einen neuen Weg entdeckt haben, um die Anwesenheit prähistorischer Menschen zu untersuchen."

Die nachgewiesene DNA ist mindestens 2.000 Jahre alt, vermutlich jedoch deutlich älter. Die genetischen Spuren in drei Proben deuten überwiegend auf weibliche Personen hin, eine Probe auf eine männliche Person. Eine weitere ließ sich nicht eindeutig zuordnen. Die Auswertung der Kern-DNA, also des vollständigen Erbguts im Zellkern, zeigte zudem, dass die Personen aus Covarón westeuropäischen Jägern und Sammlern ähneln, die bereits aus anderen Fundstellen auf der Iberischen Halbinsel bekannt sind.

Ein neues Kapitel der Vorgeschichte

Was bedeutet das für die Wissenschaft? "Diese Studie verändert unsere Vorstellung davon, wo alte DNA zu finden ist, grundlegend", sagt Matthias Meyer, Paläogenetiker am Max-Planck-Institut Leipzig und Seniorautor der Studie. "Wir waren überrascht zu sehen, dass alte DNA nicht nur aus pigmentierten Proben, sondern auch von Höhlenwänden gewonnen werden kann, die keinerlei sichtbare Hinweise auf frühere menschliche Aktivitäten zeigen."

Der entscheidende Vorteil dieser Methode: Archäologische Fundstätten müssen nicht ausgegraben oder beschädigt werden. Selbst dort, wo keine Knochen oder anderen menschlichen Überreste erhalten geblieben sind, könnten sich noch genetische Spuren finden lassen. So könnten Forschende künftig trotzdem Rückschlüsse auf frühere Bewohner ziehen – auf ihr Geschlecht, ihre Herkunft oder ihre Wanderbewegungen.

"Das ist erst der Anfang", ergänzt Meyer. "Wir wissen nun, dass Höhlenwände genetische Archive sind, mit denen sich die Anwesenheit von Menschen in der Vergangenheit nachweisen lässt."

Wie viel DNA tatsächlich erhalten bleibt, hängt stark von den Bedingungen ab. Temperatur, Feuchtigkeit und mineralische Schutzschichten spielen dabei eine wichtige Rolle. "Die Erhaltung menschlicher DNA an Höhlenwänden ist sehr variabel. Aber wenn sie erhalten bleibt, erzählt sie eine eindrucksvolle Geschichte", erklärt Alba Bossoms Mesa.


Originalveröffentlichtung:
Bossoms Mesa, A., Essel, E., Jáuregui, L. et al. Investigating ancient human DNA preservation on cave walls and in rock art. Nat Commun 17, 5561 (2026).

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