Wir gehen, klettern, laufen, tanzen. All das hinterlässt Spuren. Nicht nur in unseren Erinnerungen, sondern auch in unserem Skelett. Forschende haben jetzt gezeigt, dass sich im Inneren des Schienbeins förmlich ablesen lässt, wie sich ein Lebewesen durch die Welt bewegt. Das gilt für uns Menschen genauso wie für Schimpansen, Gorillas oder Affen.
Die Studie erschien im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B". Beteiligt waren Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, vom Institut für Leichtbau und Struktur-Biomechanik der TU Wien und der Universität Chicago. Im Mittelpunkt stand der untere Teil des Schienbeins am Sprunggelenk. Genauer, das schwammartige Gewebe im Inneren des Knochens, die sogenannte Spongiosa. Diese besteht aus winzigen Knochenbälkchen, einem feinen Geflecht, das sich im Laufe des Lebens an Druck und Belastung anpasst.
Erweiterter Blick auf unsere Vorfahren
Genau hier bietet die Studie interessante Ansätze für die Wissenschaft. Fossilien sind versteinerte Überreste ausgestorbener Tiere und Menschen. Sie bestehen oft nur aus Knochen. Fell oder Muskeln existieren nicht mehr. Trotzdem wollen Forschende auch hier wissen: Ist dieses Wesen aufrecht gegangen? Kletterte es? Die Studie liefert nun ein wichtiges Werkzeug, um solche Fragen zu beantworten. Denn wenn die innere Knochenstruktur die Bewegung eines Lebewesens verrät, können Forschende auch bei fossilen Knochen Rückschlüsse auf das Leben von Vorfahren ziehen, die vor Millionen von Jahren auf der Erde lebten.
Das eröffnet neue Möglichkeiten. Jeder gut erhaltene Fossilknochen könnte künftig mehr verraten als bisher. Nicht nur darüber, wie ein Tier aussah, sondern auch wie es sich durch seine Welt bewegte.
Originalpublikation:
Annalisa Pietrobelli, Marine Cazenave, Alexander Synek, Sebastian Bachmann, Matthew M. Skinner, Tracy L. Kivell, Zewdi J. Tsegai; Integration of distal tibial shape and internal trabecular bone structure among catarrhine primates. Proc Biol Sci 1 April 2026.