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Recycling mit KI: Wie Waschmaschinen zerlegt werden

 Einweisung in Slowenien: Die Chemnitzer Forscher Dr. Mario Lorenz (2. v. r.) und Sebastian Knopp (r.) erklären den Gorenje-Beschäftigten den Umgang mit der Anlage.
Dr. Mario Lorenz (2. v. r.) und Sebastian Knopp (r.) von der TU Chemnitz zeigen Gorenje-Mitarbeitern, wie die neue Demontagestation funktioniert. © TUC
Von: Wissensland
Alte Waschmaschinen einfach wegwerfen? Das muss nicht sein. Forschende der TU Chemnitz haben eine Station entwickelt, die Geräte Schritt für Schritt zerlegt, mithilfe von KI und digitalen Anleitungen. Was das mit Kreislaufwirtschaft zu tun hat und wie weit die Technologie schon ist.

Jedes Jahr werden allein in Deutschland Millionen alter Haushaltsgeräte entsorgt. Waschmaschinen, Kühlschränke oder Trockner. Viele davon landen am Ende im Schredder. Dabei stecken in den Geräten wertvolle Materialien und Bauteile, die sich weiterverwenden ließen. Forschende der Technische Universität Chemnitz arbeiten daran, das zu ändern.

Schritt für Schritt zerlegen

Im April 2026 reiste ein Team der Professur Produktionssysteme und -prozesse ins slowenische Stammwerk des Haushaltsgeräteherstellers Gorenje. Mit dabei war eine selbst entwickelte Station zum Demontieren von Waschmaschinen. Demontieren bedeutet, Geräte gezielt auseinanderbauen, um möglichst viele Teile weiterzuverwenden, statt sie einfach zu zerstören.

Die Station zeigt Mitarbeitenden über einen Touchbildschirm mit Videos, Bildern und Texten Schritt für Schritt, welcher Handgriff als Nächstes nötig ist. Eine Künstliche Intelligenz kontrolliert dabei, ob die Demontage in der richtigen Reihenfolge erfolgt. Anhand der Seriennummer entscheidet die Software außerdem vorab, welche Bauteile sich noch weiterverwenden lassen. Eine Hebevorrichtung kippt die Waschmaschine, damit ergonomisch gearbeitet werden kann und niemand schwer heben muss.

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Daten aus dem Alltag entscheiden mit

Ob ein ausgebautes Teil weiterverwendet oder verschrottet wird, könnte künftig auch davon abhängen, welche Daten die Waschmaschine während ihres Einsatzes gesammelt hat. Viele moderne Geräte senden Informationen über Laufzeiten oder Störungen bereits heute über das Internet an die Hersteller. Solche Daten könnten künftig helfen einzuschätzen, wie gut einzelne Bauteile noch erhalten sind. "In den nächsten Monaten soll in der Gorenje-Pilothalle von den Beschäftigten vor Ort getestet werden, wie zuverlässig die Technologie funktioniert. Dazu sammeln wir die Daten und werten sie aus", erklärt Mario Lorenz von der TU Chemnitz.

Die Demontagestation ist Teil des EU-Projekts DiCiM („Digitalised Value Management for Unlocking the Potential of the Circular Manufacturing System with Integrated Digital Solutions“). Seit Januar 2023 arbeiten zwölf Partner aus acht Ländern daran, Europas Recyclinginfrastruktur für Elektro- und Automobilabfälle digitaler und effizienter zu machen. Das Projekt verfügt über ein Budget von sechs Millionen Euro, rund 609.000 Euro davon fließen an die TU Chemnitz. Die Chemnitzer Demontagestation ist einer von drei Praxistests innerhalb des Projekts. Lorenz blickt bereits weiter. "Zukünftig könnte das Demontagesystem nach entsprechenden Anpassungen auch auf andere Geräte wie Geschirrspüler, Kühlschränke und Trockner ausgeweitet werden."

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