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Hertha-Chef kritisiert Kollektivstrafen nach Krawallen

Hertha-Chef kritisiert Kollektivstrafen nach Krawallen
Beim Spiel im April gab es schwere Krawalle. (Archivbild) / Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Kollektivstrafen nach Pyro-Chaos: Warum Hertha-Ultras das Spiel in Dresden boykottieren und was Geschäftsführer Görlich dazu sagt.

Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich hat vor dem ersten Spiel der Berliner bei Dynamo Dresden nach den schweren Ausschreitungen bei der letzten Partie Kritik an den Maßnahmen des DFB-Sportgerichts geäußert. Der 59-Jährige sagte dem «Kicker» mit Blick auf die Krawalle beider Fanlager, dass «die Reaktionen im April beim Spiel in Dresden nicht akzeptabel» gewesen seien. 

Er erklärte aber auch: «Wir agieren in einem emotional aufgeladenen, kontroversen Handlungsfeld. Wir alle wollen die deutsche Fußball-Kultur erhalten. Ob Kollektivstrafen und eine Mittelalter-Rhetorik mit dem Machtwort als letzter Instanz dazu führen, diese Fußball-Kultur zu erhalten, das stelle ich infrage.» Am Samstagabend (20.30 Uhr/RTL und Sky) treffen die Teams in Dresden wieder aufeinander.

Fanblöcke dürfen nur zur Hälfte gefüllt werden

Beim Sieg der Hertha im April wurde das Spiel gleich zu Beginn fast fünf Minuten wegen des massiven Einsatzes von Pyrotechnik im Gästeblock unterbrochen. Im dichten Nebel klauten Dynamo-Anhänger ein Hertha-Banner. Daraufhin kam es zu Ausschreitungen im Innenraum. Pyrotechnik wurde in beide Fanblöcke geschossen. Die Polizei musste eingreifen, das Spiel war erneut knapp 20 Minuten unterbrochen. 

Der DFB verhängte Strafen für beide Clubs. Unter anderem dürfen die Gästeblöcke bei den direkten Duellen in dieser Spielzeit nur zur Hälfte gefüllt werden. Die Eintrittskarten müssen zudem personalisiert ausgestellt werden.

Die Hertha-Ultras haben deswegen zu einem Boykott der Partie aufgerufen. «Lasst uns ein gemeinsames Signal senden, damit Kollektivstrafen durch die Verbände nicht erneut Einzug erhalten. Holt Euch keine Tickets für das Spiel in Dresden!», erklärten die Harlekins.

Görlich fordert mehr Offenheit von allen Seiten

Görlich bestätigte, dass die Nachfrage nach Auswärtstickets deutlich geringer als üblich sei. «Ich finde es schade, dass wir keinen organisierten Support haben werden», sagte er. Es stehe ihm aber nicht zu, die Entscheidung der aktiven Fanszene infrage zu stellen. «Wir sind im regen Austausch mit der aktiven Szene. Wir sitzen gemeinsam im Boot, aber haben ab und an unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie die Taktung des Ruderns ist und was priorisiert wird.» 

Er forderte mehr Offenheit von allen Beteiligten. «Wir sprechen intern und sind dabei sehr klar und manchmal auch sehr hart in unseren Ansagen. Da stoßen wir nicht immer auf Gegenliebe. Aber diejenigen, die die Strafen aussprechen, dürfen sich auch entwickeln, ihre eigene Wirkung hinterfragen und sich der Scheinheiligkeit stellen», sagte er.

Einem Bericht der «Märkischen Allgemeinen» zufolge könnte ein Teil der Hertha-Fans stattdessen nach Potsdam fahren. Dort tritt am Samstag (14.00 Uhr) die U23 der Berliner beim SV Babelsberg an. 

«Uns ist bekannt, dass in Fankreisen für das Gastspiel der U23 von Hertha BSC II im Karl-Liebknecht-Stadion geworben wurde», sagte die Co-Vorstandsvorsitzende Katja Herzberg des Regionalligisten der Zeitung. Babelsberg rechnet nach den bisherigen Vorverkaufszahlen mit 500 bis 700 Hertha-Anhängern. Die Polizei erklärte auf Nachfrage der dpa, dass man die Berichte kenne. Konkret belastbare Zahlen lägen aber noch nicht vor. Man sei aber wie immer im Austausch mit dem Club und werde die Einsatzmaßnahmen unter Berücksichtigung aller verfügbaren Maßnahmen anpassen.

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