Spiegelglatt zeigt sich der Geiseltalsee in Braunsbedra, die Sonne scheint, nur eine leichte Brise kühlt die Haut. Drei Ministerpräsidenten haben sich für eine kleine Schiffstour verabredet - es geht um Strukturwandel in der ehemaligen Braunkohleregion, auch um Tourismus. Doch in Wahrheit geht es um viel mehr: Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer und sein Thüringer Amtskollege Mario Voigt sind auch nach Braunsbedra gekommen, um ihren wahlkämpfenden CDU-Parteikollegen Sven Schulze zu unterstützen.
CDU in verzwickter Situation
Schulzes CDU ist dabei in einer verzwickten Situation. Seine CDU verliert zwar Prozentpunkte gegenüber einer früheren Erhebung des gleichen Instituts. Doch die kleineren Parteien SPD und Grüne legen leicht zu. Bleiben Sozialdemokraten und Grüne im Landtag, wird es für die AfD deutlich schwerer, eine absolute Mehrheit zu erreichen und damit den Ministerpräsidenten stellen zu können. Das ist gut für Schulze, der Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt bleiben will. Doch er muss damit rechnen, dass strategische Wahlentscheidungen dann auf Kosten seiner eigenen Partei gehen könnten.
Personalrochade in Berlin überlagert Landesthemen
Schulze bekommt den Wind derzeit aber nicht nur von der überstark erscheinenden AfD ab, er bläst ihm auch aus Berlin ins Gesicht - von seiner eigenen CDU, die mit Personalien und dem Umgang damit die Schlagzeilen in Deutschland dominiert. Die Diskussionen rund um die Personalrochade in Berlin habe seinen Wahlkampf beeinträchtigt, sagt Schulze auf dem Schiff in mehreren Variationen in Kameras und Mikrofone.
Es sei wichtig, in einem Wahlkampf mit den Menschen über Landesthemen zu sprechen - etwa Bildung, Wirtschaft oder wie es in Sachsen-Anhalt weitergehen soll. «Aber das ist einfach unheimlich schwer, wenn immer wieder bundespolitische Themen alles überlagern», sagt Schulze. Und: «Meine Erwartung ist jetzt, dass die Debatte beendet ist.»
Stattdessen sollen andere Themen in den Vordergrund rücken. Dafür haben die drei Ost-MPs auch ein Papier mitgebracht. Darin stellen sie sich gegen Pläne, die Rente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen. «Wer 45 Jahre eingezahlt hat, hat genug eingezahlt. Diesen Grundsatz geben wir nicht auf», schreiben sie in dem Papier. Voigt sagt dazu: «Wir sind ja nicht dafür gewählt, angenehm in Berlin aufzufallen, sondern das Beste für unsere Menschen im Land zu erreichen.»