Wer in diesen Tagen nach Aue-Bad Schlema kommt, stößt auf eine Plakatflut der rechtsextremen «Freien Sachsen». Ihr Landesvize Stefan Hartung macht sich Hoffnungen, dort bald im Chefsessel des Rathauses zu sitzen - und ist mit seiner Werbung omnipräsent. Der 37-Jährige hat in der ersten Runde der Oberbürgermeisterwahl nicht nur den AfD-Kandidaten überflügelt, sondern insgesamt die meisten Stimmen geholt. Nun kommt es an diesem Sonntag zum Duell mit CDU-Bewerber Marcus Hoffmann. Kann er Hartung stoppen oder hat bald ein Rechtsextremer das Sagen im Rathaus?
«Diese Gefahr ist da», sagt der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne von der Technischen Universität Chemnitz. Er ist sich sicher: «Im rechtsextremen Spektrum und angrenzenden Milieus wird jetzt maximal mobilisiert.» Für Hartung stimmten in der ersten Runde 29,0 Prozent, für den AfD-Bewerber 18,5 Prozent. Zusammen rückt damit die 50-Prozent-Marke in greifbare Nähe. Der Ausgang wird wohl auch von der Wahlbeteiligung abhängen.
Dass Kandidaten der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften sächsischen AfD bei Wahlen beachtliche Ergebnisse erzielen, ist nicht neu. Dass der AfD-Bewerber in Aue-Bad Schlema sogar noch weiter rechts außen überholt wurde - darin sieht Höhne ein Warnsignal. «Das zeigt in aller Deutlichkeit die Richtung, in die sich die politischen Verhältnisse in Ostdeutschland entwickeln können», so der Experte. «Das Wahlverhalten vieler Menschen zeugt nicht mehr von Protest, sondern von gefestigten rechtsextremen Einstellungen und Überzeugungen.»