Die Semperoper Dresden hat nach fast vier Jahrzehnten erstmals wieder Richard Wagners «Parsifal» auf die Bühne gebracht. Für die Neuproduktion gab es am Sonntag ein geteiltes Echo beim Publikum. Während die musikalische Leitung von Daniele Gatti und die Leistungen der Sänger Bravo-Rufe und lauten Beifall auslösten, wurde der niederländische Regisseur Floris Visser bei seinem Debüt in Dresden überwiegend ausgebuht. Er hatte in seiner Inszenierung auch auf aktuelle Krisen in der Welt abgehoben und das Werk mit zahlreichen politischen Botschaften angereichert.
Parsifal durch die Augen eines Kindes erzählt
Regisseur Visser gelang ein interessanter Zugriff. Er erzählt die Geschichte von Parsifal durch die Augen eines Kindes, das mit seiner Schulklasse die Abtei besucht und von seiner Fantasie eingeholt wird. Der Junge, der selbst keine Eltern mehr hat, sieht im Waisenkind Parsifal seinen Helden. Andere Besucher der Abtei werden in die mythische Welt hineingezogen. Im Programmheft äußert sich Visser so: «Die Welt braucht Heilung, mehr Gerechtigkeit und Umsicht.» Die Inszenierung greife diese politischen Fragen nach Erlösung auf. Beim Finale kommt es in Dresden zur allgemeinen Verbrüderung.
Dirigent Daniele Gatti fand – gleichfalls im Programmheft – schöne Worte zur magischen Musik des «Parsifal»: «Man muss sich vorstellen: Man kommt von einem Tag voller Arbeit und alltäglicher Aufgaben in das Theater und hört das Vorspiel. Dann wird man mit dieser Musik wie auf einen anderen Planeten versetzt (...).»