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Weltpremiere in Dresden: Neuer Stent soll Leberkranken besser helfen

Bei Zirrhose vernarbt das Gewebe, das Blut staut sich – mit gefährlichen Folgen. Dresdner Mediziner haben jetzt geholfen, eine bessere Behandlung in den Klinikalltag zu bringen.
Die Leber filtert täglich unser Blut. Bei Zirrhose versagt sie langsam. Ein neuer Stent soll Betroffenen helfen. © KI-generiert mit ChatGPT
Von: Wissensland
Mehr als 200.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Leberzirrhose. Ein Dresdner Ärzteteam hat nun einen weiterentwickelten Stent erstmals weltweit außerhalb einer Studie eingesetzt – er soll die Behandlung für Betroffene verbessern.

Mehr als 200.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Leberzirrhose. Die Leber vernarbt, verformt sich und irgendwann kann das Blut nicht mehr richtig durch das Organ fließen. Dann drohen lebensgefährliche Blutungen oder Bauchwasser. Ein Team aus Dresden hat jetzt eine Behandlung weiterentwickelt, die Betroffenen zusätzlich helfen soll.

Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden haben Ärzte Ende April weltweit erstmals einen Stent der neuen Generation außerhalb einer klinischen Studie eingesetzt. Der Stent gehört zum sogenannten TIPS-Verfahren. Dabei wird ein kleines Röhrchen in der Leber eingesetzt, das zwei wichtige Blutgefäße verbindet: die Pfortader, die Blut aus dem Bauchraum in die Leber bringt, und die Lebervene, die es weiterleitet. Diese künstliche Verbindung hilft dem Blut, besser abzufließen. Der gefährliche Druck in der Leber sinkt.

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Wenn die Leber nicht mehr richtig arbeitet

Bei einer gesunden Leber fließt das Blut problemlos durch das Organ. Bei Leberzirrhose aber, ausgelöst etwa durch Alkohol, Hepatitis-Viren, eine Fettleber oder Stoffwechselkrankheiten, vernarbt das Gewebe. Das Blut staut sich, der Druck steigt. Mediziner nennen das portale Hypertension. Der Körper sucht sich Umwege über dünnwandige Gefäße. Diese können platzen und zu schweren Blutungen führen. Oder es sammelt sich Flüssigkeit im Bauch, auch Bauchwasser genannt.

Zuerst versuchen Ärzte, diese Beschwerden mit Medikamenten zu behandeln. Wenn das nicht hilft, kann ein TIPS-Stent eingesetzt werden. TIPS-Verfahren werden bereits seit Jahren bei schweren Komplikationen der Leberzirrhose eingesetzt. Die neue Stent-Generation ist eine Weiterentwicklung, die die Behandlung noch genauer an den einzelnen Patienten anpassen soll. Studien der vergangenen Jahre zeigen zudem, dass ein früh eingesetzter Stent nicht nur wiederholte Eingriffe zur Entfernung von Bauchwasser vermeiden kann, sondern auch die Überlebenschancen verbessern kann.

Neue Stent-Generation ist präziser und schonender

Die neue Generation dieser Stents macht es möglich, den Eingriff noch genauer auf den einzelnen Patienten abzustimmen. Ein wichtiger Vorteil: Oft reichen schmalere Stents aus, um den Druck zu senken. Das reduziert das Risiko einer gefürchteten Nebenwirkung namens Hepatische Enzephalopathie – eine Störung der Gehirnfunktion, bei der die geschwächte Leber das Blut nicht mehr ausreichend filtert. Betroffene werden dann müde, unkonzentriert oder verwirrt.

Das Dresdner Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie hat die Entwicklung des neuen Stents über Jahre begleitet. Direktor Ralf-Thorsten Hoffmann leitete die weltweite Erprobungsstudie. "Wir sind sehr stolz, nun das Ergebnis auch unserer Bemühungen im klinischen Alltag nutzen zu können und damit weltweit die ersten zu sein, die den Stent außerhalb einer klinischen Studie einsetzen können", sagt er. Der Einsatz sei Ansporn, nicht nur als Mediziner zu helfen, sondern die Forschung neuer Therapien federführend zu gestalten.

Auch der Medizinische Vorstand des Uniklinikums, Uwe Platzbecker, sieht darin ein Signal. "Das Beispiel aus unserer interventionellen Radiologie steht für Innovationstransfer und das stete Streben nach einer Weiterentwicklung von Diagnostik und Therapie im Sinne der Patientinnen und Patienten."

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