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Erfolgreiche Langzeitstudie: Blutkrebs erkennen, bevor er zurückkommt

Winzige Mengen kranker Zellen im Blut lassen sich heute zuverlässig nachweisen – noch vor den ersten Symptomen.
Ein einfacher Bluttest kann bei Leukämie-Patienten früh vor einem Rückfall warnen. © pixabay/Annett Klingner
Von: Wissensland
Leukämie-Rückfälle erkennen, bevor sie sichtbar werden: Eine Dresdner Langzeitstudie zeigt, wie molekulare Bluttests die Behandlung von Blutkrebs verändern könnten.

Ein Bluttest schlägt Alarm, noch bevor die Krankheit zurückkehrt. Hinter diesem Prinzip stecken rund 20 Jahre Forschungsarbeit an der Dresdner Hochschulmedizin. Die Ergebnisse könnten die Behandlung bestimmter Formen von Blutkrebs künftig entscheidend beeinflussen.

Leukämie ist eine Krebserkrankung des Blutes. Zwei Formen stehen im Mittelpunkt der Dresdner Studie RELAZA2. Die erste ist das myelodysplastische Syndrom (MDS), eine Erkrankung des Knochenmarks, bei der gesunde Blutzellen nicht mehr richtig gebildet werden. Die zweite ist die akute myeloische Leukämie (AML), eine besonders aggressive Form von Blutkrebs. Beide Erkrankungen können lebensbedrohlich werden, wenn sie nicht früh behandelt werden.

Bislang konnten Ärzte nichts tun, bis ein Rückfall klinisch sichtbar wurde. Die Dresdner Forschenden stellten schon vor zwei Jahrzehnten eine andere Frage: Was wäre, wenn man deutlich früher eingreifen könnte?

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Der Bluttest als Frühwarnsystem

Der Schlüssel liegt in sogenannten MRD-Markern. MRD steht für "messbare Resterkrankung“. Selbst nach erfolgreicher Therapie können winzige Mengen kranker Zellen im Körper zurückbleiben. Moderne molekulare Bluttests können diese Reste nachweisen. Sie suchen gezielt nach winzigen genetischen Spuren der Krebszellen im Blut, lange bevor Symptome auftreten. Steigen die Werte an, deutet das auf einen drohenden Rückfall hin.

"Die Möglichkeit, selbst eine minimale Resterkrankung zuverlässig nachzuweisen, hat die Behandlung von AML und MDS grundlegend verändert“, erklärt Christian Thiede, Laborleiter der Studie an der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikum Dresden. "MRD ist heute nicht mehr nur ein prognostischer Marker, sondern kann für therapeutische Entscheidungen eingesetzt werden.“

Die jetzt veröffentlichten Langzeitdaten der RELAZA2-Studie zeigen, dass ein früher Therapiebeginn auf Basis dieser Marker Rückfälle verzögern oder möglicherweise verhindern kann. RELAZA2 gilt weltweit als die erste Studie, in der Patienten auf Basis solcher Frühwarnsignale gegen Blutkrebs behandelt wurden.

Zwei Jahrzehnte Forschung

Der Weg begann bereits 2005 mit einer kleinen Pilotstudie. Damals testeten Mediziner am Universitätsklinikum Dresden erstmals, ob sich Rückfälle mithilfe molekularer Blutmarker frühzeitig erkennen und behandeln lassen. Daraus entstand später die RELAZA2-Studie, an der Kliniken aus ganz Deutschland beteiligt waren.

"Als wir vor zwanzig Jahren mit den ersten MRD-gesteuerten Ansätzen begonnen haben, war noch unklar, ob sich daraus tatsächlich ein neuer therapeutischer Weg entwickeln würde“, sagt Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. "Die RELAZA2-Langzeitdaten zeigen nun, dass eine frühzeitige Intervention auf Basis molekularer Marker das Potenzial hat, den Krankheitsverlauf entscheidend zu beeinflussen.“

Möglich wurde die Forschung durch das Netzwerk der Study Alliance Leukemia (SAL), zu dem mehr als 50 Kliniken in Deutschland und Österreich gehören. Koordiniert wurde die Arbeit aus Dresden heraus. "Diese Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie klinische Forschung durch Kooperation über viele Jahre hinweg neue Behandlungsstrategien hervorbringen kann“, betont Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik I und einer der geschäftsführenden Direktoren des Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Dresden. Er nennt die Studie eine wichtige Grundlage für personalisierte Therapieansätze. Die Studie lief unter der Trägerschaft der TU Dresden.


Originalpublikation:
Publikation: “Azacitidine to treat measurable residual disease in patients with MDS/AML: final long-term results of the RELAZA2 trial”
Editorial

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