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Schwangerschaftsvergiftung: Neues Verfahren erstmals an Patientinnen getestet

Blutdruckmessen gehört bei Präeklampsie zur Routine – eine ursächliche Behandlung fehlte bisher.
Hoher Blutdruck ist ein Warnsignal der Präeklampsie. Bisher half oft nur eine frühzeitig eingeleitete Geburt. Leipziger Forschende wollen das ändern. © Colourbox
Von: Wissensland
Eine der gefährlichsten Erkrankungen in der Schwangerschaft galt bisher als kaum behandelbar. Forschende der Universitätsmedizin Leipzig haben nun erstmals eine echte Therapie erprobt. Das Ergebnis gibt Hoffnung.

Jedes Jahr geraten Schwangere weltweit in eine gefährliche Situation. Ihr Blutdruck steigt, die Organe werden belastet und plötzlich ist das ungeborene Kind gefährdet. Oft bleibt Ärzten dann nur eine Möglichkeit: Die Schwangerschaft zu beenden und das Baby möglichst früh auf die Welt zu holen.

Präeklampsie heißt die Erkrankung, für die es bislang noch keine gezielte Therapie gab. Im Volksmund wird sie auch Schwangerschaftsvergiftung genannt. Sie tritt meist nach der 20. Schwangerschaftswoche auf. Betroffene Frauen leiden unter gefährlich hohem Blutdruck und haben Eiweiß im Urin. Unbehandelt kann sie für Mutter und Kind lebensbedrohlich werden. 

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Ein Filter gegen das Protein im Blut

Vor rund 20 Jahren entdeckten US-Wissenschaftler das Protein, das die Erkrankung auslöst. Es heißt sFlt-1, kurz für „lösliche fms-ähnliche Tyrosinkinase 1". Man kann es sich wie ein Gift vorstellen, das der Körper der Mutter selbst produziert und das die Schwangerschaft gefährdet. Dieses Protein lässt sich inzwischen im Blut nachweisen. Doch entfernen konnte es bisher niemand.

Ein internationales Forschungsteam hat nun genau das geschafft. Es nutzte dafür ein Verfahren, das die Medizin Apherese nennt. Es handelt sich dabei um eine Blutwäsche. Dabei fließt das Blut der Patientin durch einen eigens entwickelten Filter. Dieser Filter bindet das schädliche Protein gezielt und entfernt es. Maßgeblich beteiligt war Prof. Dr. Holger Stepan, Leiter der Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig.

Kleine Studie, erste Hoffnung

In einer Pilotstudie wurde das Verfahren erstmals bei Schwangeren eingesetzt. Neun Frauen nahmen teil: sieben wurden am Universitätsklinikum Leipzig behandelt, zwei am Universitätsklinikum Köln. "Die Ergebnisse sind vielversprechend: Wir konnten zeigen, dass die Konzentration des krankheitsauslösenden Proteins im Blut gesenkt wird. Gleichzeitig stabilisierte sich der klinische Zustand der Patientinnen und die Schwangerschaft konnte in mehreren Fällen verlängert werden", sagt Stepan. "Das ist ein wichtiger Schritt hin zu einer ursächlichen Therapie der Präeklampsie."

Die Ergebnisse der Studie erschienen im Fachjournal „Nature Medicine". Hinter der Veröffentlichung stecken 15 Jahre Forschungsarbeit. Den Filter entwickelte das deutsche Unternehmen Miltenyi Biotec. Leipzig spielte dabei von Anfang an eine Schlüsselrolle. Die Uniklinik war 2009 weltweit der erste Standort, der spezielle Marker zur Früherkennung von Präeklampsie routinemäßig einsetzte. Jetzt wollen die Forschenden das Verfahren in einer größeren Studie mit deutlich mehr Patientinnen weiter prüfen.


Originalpublikation:
Thadhani, R., Hiemstra, T.F., Vatish, M. et al. Targeted removal of soluble Fms-like tyrosine kinase 1 in very preterm preeclampsia: a pilot trial. Nat Med (2026).

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